20.02.2023

Zitat:
Aufgefallen bei YB - Lugano
Und in der 90. Minute verpasst Nsame den doppelten Lohn
Ein zäher Auftritt gegen einen zähen Gegner: Genervte Young Boys lassen gegen Lugano Punkte liegen. Gute Nachrichten gibt es immerhin um Sandro Lauper – und teilweise für Jean-Pierre Nsame.
Es gibt ja Leute, die YB als eine Art Bully bezeichnen, einen Rabauken, der kleine Kinder von der Schaukel schubst. Gegen Lugano gleicht der Tabellenführer eher einem Schwergewichtsboxer, der am Samstagabend einfach mal nur seine Ruhe haben will, dann aber von ein paar Halbstarken so lange geärgert und provoziert wird, bis er seine mächtige Pranke ausfährt und dem Gegner eine verpasst. Nur eine, so als Warnung. Aber eine, die immerhin zu einem Punktgewinn reicht.
Freches Lugano
Ein erstes Mal ärgert der Tessiner Gast die Young Boys bereits vor Anpfiff. Üblicherweise beginnt YB die Heimspiele mit der Ostkurve im Rücken, um dann in der zweiten Halbzeit (und insbesondere während der YB-Viertelstunde) in Richtung des Fanblocks angreifen zu können. Doch Lugano-Captain Jonathan Sabbatini gewinnt die Platzwahl und lässt kurzerhand die Seiten tauschen. Es ist ein erster Hinweis, dass Lugano nach Bern gekommen ist, um Ärger zu machen.
Auch spielerisch, denn die ersten Chancen gehören den Gästen, doch Milton Valenzuela und Hadj Mahmoud lassen gute Gelegenheiten mehr oder weniger fahrlässig aus. Vor allem aber nerven die Luganesi mit Dingen wie Zeitspiel, Goalie Amir Saipi wird von Schiedsrichter Luca Cibelli bereits nach einer halben Stunde ermahnt. Kurz vor Spielschluss bleibt Saipi mit dem Ball in den Händen so lange liegen, bis sich auch Raphael Wicky lautstark beim vierten Offiziellen beschwert.
Zu allem Überfluss kommt auch noch die eher strenge Linie Cibellis, der mehrere YB-Balleroberungen mit Fouls taxiert. Das bricht den ohnehin schon dürftigen Spielfluss.
Nsame auf dem Torjäger-Podest
Natürlich hat sich Jean-Pierre Nsames unheimliche Qualität im Abschluss mittlerweile herumgesprochen, insbesondere in Bern kennt man diese nur zu gut. Vielleicht gibt Fabian Lustenberger deshalb auf, als Valenzuela nach schöner Flanke von Renato Steffen völlig frei zum Abschluss kommt. Ein direkter Schuss aus rund sieben Metern ist eigentlich immer ein Tor, das kennt Lustenberger aus zahlreichen Trainings. Als der YB-Captain dann aber merkt, dass Valenzuela den Ball eigentlich völlig falsch trifft, ist es zu spät, der Ball kullert über die Linie.
Aber dass ein Nsame in den eigenen Reihen vor allem ein Segen ist, zeigt der Kameruner kurz nach der Pause. Donat Rrudhani, der wegen Kastriot Imeris krankheitsbedingter Absenz kurzfristig in die Startformation rutschte, flankt nach einer der wenigen schönen Kombinationen der Berner, dann taucht Nsame aus dem Schatten seines Bewachers auf und köpfelt in die entfernte Ecke. Es ist das 13. Saisontor des Liga-Toptorschützen, vor allem aber ist es der 118. Treffer im YB-Dress. Damit holt er Guillaume Hoarau als drittbester Torschütze der Vereinsgeschichte ein. Nur Geni Meier (313) und Ernst Wechselberger (151) trafen öfters für die Young Boys. Eigentlich war es bereits sein zweites Tor des Abends, in der ersten Halbzeit stand er aber einen Schritt im Offside.
In der 90. Minute hätte Nsame Hoarau endgültig vom Podest stossen können, nach hübschem Pass des eingewechselten Filip Ugrinic bleibt der 29-Jährige aber an Goalie Saipi hängen. Vielleicht wäre das späte 2:1 aber auch etwas gar viel Lohn für eine etwas gar dürftige Vorstellung der Young Boys gewesen.
Laupers Wartezeit geht zu Ende
Fast ein Jahr ist es her, als Sandro Lauper letztmals in einer Super-League-Partie von Beginn an spielen durfte. Am 3. April 2022 war das, bei einem 2:2 in Basel. Seither war er verletzt, oder noch nicht fit genug, oder halt einfach zweite Wahl hinter dem immer stärker werdenden Cheikh Niasse.
Gegen Lugano darf Lauper dann aber von Beginn an ran, ein Lohn für konstant starke Trainingsleistungen, wie Wicky später erklärt. Vielleicht erhofft sich der Trainer vom 26-Jährigen, dass dieser gegen die defensiv oft soliden Tessiner seine Stärken mit Ball ausspielt, während Konkurrent Niasse eher die Physis auszeichnet – ganz so detailliert wird Wicky dann aber nicht, das wird er sowieso selten. Immerhin fügt er jedoch noch an: «Am Schluss ging ihm etwas die Luft aus, aber er hat auch lange nicht mehr über 90 Minuten gespielt.»
Hinzu kommt, dass es gerade für die Mittelfeldspieler eine besonders intensive Partie ist. Im Pressing spielt Lugano fast überall und fast dauernd Mann gegen Mann. Um dies zu neutralisieren, braucht es viel Laufarbeit, kein Wunder also, spürt Lauper die Anstrengung. Zwar gelingt es auch ihm nicht, das Spiel an sich zu reissen, dafür beweist er einmal mehr seine Vielseitigkeit. Der gelernte defensive Mittelfeldspieler kam vor seiner Verletzung oftmals als Innenverteidiger zum Einsatz, gegen Lugano rutscht er nach Fabian Rieders Auswechslung ins offensive Mittelfeld.
Wicky musste drei Ausfälle verkraften
Einen ersten Rückschlag musste Raphael Wicky noch vor Anpfiff verkraften. Eigentlich wäre ein Einsatz von Kastriot Imeri von Beginn an geplant gewesen, der Genfer musste dann aber krankheitsbedingt passen, für ihn spielte Donat Rrudhani. Nach rund einer Spielstunde musste dann Fabian Rieder wegen muskulärer Probleme ausgewechselt werden, kurz vor Schluss ging auch Lewin Blums Arbeitstag gezwungenermassen zu Ende. Zu den beiden Ausgewechselten konnte Wicky nach Spielschluss noch keine genaueren Angaben machen.
YB - Lugano 1:1 (0:1)
Wankdorf. – 24’648 Zuschauende. – Tore: 38. Valenzuela 0:1. 48. Nsame 1:1.
YB: Racioppi; Blum (83. Maceiras), Lustenberger, Zesiger, Benito (70. Garcia); Lauper; Fassnacht, Rieder (63. Niasse), Rrudhani (70. Ugrinic); Itten (70. Monteiro), Nsame.
YB ohne: Elia (gesperrt), Camara, Rüegg, von Ballmoos (alle verletzt), Imeri (krank) und Keller (U-21).
https://www.bernerzeitung.ch/und-in-der ... 6362951205