21.01.2023

Zitat:
Aufgefallen bei GC - YB:
Der Rückkehrer und ein Neuling vermiesen GC den Abend
Der Rekordmeister verschuldet mit groben Fehlern Gegentore und verliert deshalb gegen YB 1:2. Das Urteil von Trainer Giorgio Contini klingt danach nicht schmeichelhaft.
Der Goalie ohne Hosen
Am Ende steht André Moreira ohne Hosen da. Sein Trikot hat er schon verschenkt. Und weil ein Zuschauer so schön bettelt, zieht er halt auch noch die kurzen Hosen aus.
In einer lauen Sommernacht wäre der GC-Goalie danach in den Unterhosen auf der Leichtathletikbahn des Letzigrunds gestanden. Der Samstagabend ist anders, Schneeflocken fallen vom Himmel, es ist eiskalt. Und deshalb verabschiedet sich Moreira jetzt auch nicht mit ganz nackten Beinen, sondern in wärmenden Tights.
Am 11. September des vergangenen Jahres hat der 27-jährige Portugiese letztmals für die Grasshoppers gespielt und im Auswärtsspiel beim FCB einen Adduktorenabriss erlitten. Nun gibt er gegen YB sein Comeback und sieht dabei nicht nur glücklich aus. Es läuft die 38. Minute, als YB-Stürmer Joël Monteiro zum Distanzschuss ansetzt und Moreira den nicht sehr platziert und auch nicht sehr scharf getretenen Ball genau Christian Fassnacht vor die Füsse lenkt. Es ist der Fehler, der zum ersten Gegentor führt, weil YB-Stürmer Fassnacht danach genau zwischen Moreiras Beinen hindurch trifft.
Zuerst die missratene Abwehr, dann der Schuss genau zwischen den Beinen hindurch: GC-Goalie André Moreira sieht beim ersten Gegentor unglücklich aus.
«Ich habe die Situation falsch eingeschätzt», sagt Moreira zu seiner missratenen Abwehr, «und dann war auch noch Pech dabei, dass der Abpraller genau dem Gegner vor die Füsse fällt.» Als Moreira im Herbst ausfiel, wurde er durch Justin Hammel ersetzt. Der 22-jährige Ersatztorhüter Hammel zeigte einige gute Partien. Dass Moreira jetzt patzt, ist für GC unglücklich, wird aber im Club nicht schon eine Goaliedebatte auslösen. Dafür ist Moreira zu sehr Leader, dafür war er vor der Verletzung viel zu gut. Und nach dem Match nimmt Trainer Giorgio Contini seine Nummer 1 auch in Schutz: «Dass Monteiro so unbedrängt zum Abschluss kommt, dass ihn niemand unserer Verteidiger angreift, ärgert mich fast mehr als die missglückte Abwehr.»
Der Neuling mit dem Doppelfehler
Comebacker Moreira ist beim 0:1 mitschuldig. Beim 0:2 sieht Debütant Teruki Hara (24) schlecht aus. Der Japaner ist während der WM- und Winterpause von Shimizu S-Pulse gekommen, wird gegen YB in der 60. Minute für Dominik Schmid eingewechselt und leistet sich in der 78. Minute gleich zwei Fehler. Zuerst ist er beim Zuspiel von Noah Loosli nicht reaktionsschnell genug, und dann unterläuft er im eigenen Strafraum auch noch einen aufspringenden Ball. Dieser zweite Lapsus sieht nicht nur stümperhaft aus, er ist auch fatal – Kastriot Imeri trifft für YB via Unterseite der Latte.
Das 0:2 steht symbolisch für den GC-Auftritt an diesem Abend. Die Mannschaft zeigt Leidenschaft, sie kämpft, sie «gibt sich Mühe», wie Contini sagt. Aber die Qualitäten der Stadtzürcher an diesem Abend genügen nicht, um YB in Schwierigkeiten zu bringen. GC verliert immer wieder Bälle mit einfachen Abspielfehlern und kann sich deshalb kaum einmal ansprechend nach vorne bewegen. Die Offensive ist ohne Durchschlagskraft, wenn nicht gerade der schon mit defensiven Aufgaben gut ausgelastete Hayo Kawabe aus dem Mittelfeld in die Spitze wuselt. Und in der Abwehr gibt es eben diese Aussetzer.
Der Youngster als Lichtblick
Mit Leidenschaft dabei, aber doch fast immer zu spät: GC-Mittelfeldspieler Christian Herc (links) kommt im Zweikampf mit YB-Verteidiger Fabian Lustenberger zu spät.
Er müsse mit dem Personal arbeiten, das ihm zur Verfügung stehe, sagt Contini. Er habe halt keinen Zauberstab, bemerkt der Trainer auch noch. Und es klingt schon fast brutal, als er urteilt: «Das waren heute zwei verschiedene Qualitätsstufen.» Mit dem Tempo und der spielerischen Klasse von YB habe GC einfach nicht mithalten können.
Und so bleibt der Lichtblick des Abends aus GC-Sicht das Tor, das dann noch fällt. Als der Rekordmeister 0:2 zurückliegt, kommt er endlich zu guten Chancen. Bendeguz Bolla schiebt seinen Flachschuss in der 81. Minute am Tor vorbei. Der von Wolverhampton ausgeliehene Südkoreaner Sangbin Jeong zwingt YB-Ersatzgoalie Anthony Racioppi in der 93. Minute endlich einmal zu einer Parade. Und in der 94. Minute ist es Filipe de Carvalho, der zum 1:2 verkürzt. Es ist für den 19-Jährigen aus dem eigenen Nachwuchs der erste Super-League-Treffer im zehnten Einsatz. Dass YB-Stürmer Meschak Elia kurz danach für einen Ellbogenschlag gegen Ayumu Seko vom Platz verwiesen wird, bringt den Grasshoppers nichts mehr.
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