11.11.2022

Zitat:
Neuer Fussballmodus
Um 11:42 Uhr war klar: Ancillo Canepa hat das Playoff versenkt
Von den Präsidenten beschlossen, von den Fans verhasst: Der neue Modus sorgte für Knatsch. Nun stimmten die Vereine für eine Alternative: das schottische Modell.
Rolle rückwärts im Schweizer Fussball: An der Generalversammlung der Swiss Football League in Bern haben die 20 Proficlubs dem Antrag von FCZ-Präsident Ancillo Canepa zugestimmt und den Playoff-Modus wieder versenkt. Noch im Mai war dieser beschlossen worden, nicht zuletzt dank lautstarken Protesten der verschiedensten Fankurven setze jedoch ein Umdenken ein. 12:8 lautete das Resultat der Abstimmung in Bern. Ab 2023/24 gilt nun das so genannte schottische Modell.
«Ich bin sehr froh, dass ich den Grossteil meiner Kollegen überzeugen konnte, dass ein Playoff im Schweizer Fussball nicht gut wäre», sagte Canepa im Interview mit dem «Blick». Mit einem Antrag zuhanden der GV hatte er Schwung in ein Traktandum gebracht, das als abgeschlossen galt. Als um 11:42 Uhr am Freitagmittag der FC Basel auf Twitter meldete, ebenfalls gegen das Playoff zu stimmen, war klar, dass Canepa genug Clubs auf seiner Seite hatte.
Erleichterung bei den Fans
Einen grossen Anteil zum Meinungsumschwung unter den Clubvertretern hatten die Fans. Das Bündnis «Playoffs Nein» sammelte clubübergreifend mit einer Petition Unterschriften gegen den neuen Modus. Am Donnerstag wurden über 57’000 Unterschriften an Liga-Geschäftsführer Claudius Schäfer überreicht. Ancillo Canepa richtete seinen Dank an diese Arbeit, «die meine Kollegen nicht ignorieren konnten.» Seit Wochen protestieren die Fankurven im ganzen Land auch während der Spiele.
Leichtes Spiel war es aber nicht: «Ich habe schlecht geschlafen und rechnete nicht wirklich mit einem Sieg», kommentiert Mämä Sykora. Der Chefredaktor des Fusballmagazins «Zwölf» war eine der führenden Stimmen im Widerstand gegen den ungeliebten Modus, bei dem die Fankurven des Landes für einmal gemeinsame Sache machten. Sykora hatte schon den ursprünglichen Modus-Entscheid im Mai harsch kritisiert und zeigt sich irritiert, wie viel Unwissen bei den Clubpräsidenten geherrrscht hat. «Es waren viele falsche Informationen im Umlauf.»
Eine andere Quelle bestätigt gegenüber dieser Zeitung, dass ein Teil der stimmberechtigten Präsidenten noch nach der Abstimmung im Mai davon ausgegangen war, dass beim schottischen Modell nach 33 Spielen die Saison zu Ende sei. Es folgt aber eine zweite Meisterschaftsphase mit fünf weiteren Partien.
«Auch der schottische Modus ist nicht ideal, weil eine Liga mit zwölf Teams einen klassischen Modus schwierig macht», sagt Sykora. Weil unter den 20 Vereinen der Swiss Football League aber der Konses herrscht, dass die Super League idealerweise mit zwölf Teams besetzt sein muss, hält Sykora das schottische Modell für die «mit Abstand beste Lösung».
Warum «schottischer Modus»?
Genannt wird das Modell, weil es in der höchsten schottischen Liga seit Jahren angewandt wird, seit der Saison 2000/01 schon. Jedes Team der Zwölferliga hat 38 Spiele zu absolvieren. In der ersten Meisterschaftsphase trifft jede Mannschaft dreimal auf jeden Gegner, wobei ein Ungleichgewicht bei den Heim- und Auswärtsspielen entsteht.
Kompensiert wird dieses zumindest grösstenteils in der zweiten Meisterschaftsphase, die in Final- und Abstiegsrunde mit jeweils sechs Teams unterteilt wird. Die Punkte aus der ersten Phase werden behalten. Es kommt zu fünf weiteren Spielen, entweder zwei oder drei Partien zuhause. Es ergibt ein Total von 38 Spielen (in der aktuellen Zehnerliga sind es 36). Der Sieger der Finalrunde ist Meister, der Letzte der Abstiegsrunde wird relegiert. Der Zweitletzte spielt eine Barrage gegen den Zweiten der Challenge League.
Der Modus gilt ab der kommenden Saison und wird die Zehnerliga ablösen, die 2003 mit der Schaffung der Swiss Football League eingeführt worden war. Sie wiederum hatte einen Modus ersetzt, dem das schottische Modell ähnelt: eine Zwölferliga, die nach 22 Spielen in eine Final- und Auf-/Abstiegsrunde getrennt wurde. Die Abstiegsrunde wurde mit den Clubs der damaligen Nationalliga B ausgespielt.
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