22.02.2022

Zitat:
Der späte Ausgleich der Grasshoppers legt den labilen Zustand der Young Boys offen
Mit einer Willensleistung gelingt GC in der Nachspielzeit das 2:2 gegen den Meister. YB liegt weiterhin zehn Punkte hinter dem Leader FC Zürich.
Nach dem Remis des FC Zürich im Wallis hätte der Meister einen ersten Schritt machen können, um den Abstand hinter dem Leader um zwei Punkte zu verkürzen. Vieles lief am Sonntagnachmittag für die Young Boys, nach 90 Minuten sah es ganz so aus, als ob sie die Aufgabe gegen die Grasshoppers erledigen würden. 2:1 lagen sie in Führung, als der Schiedsrichter sechs Minuten Nachspielzeit anzeigte. Der GC-Spieler Dominik Schmid hatte einen Energieanfall, übertölpelte auf der linken Seite Felix Mambimbi und bediente Bendegúz Bolla, der zum 2:2 traf. GC jubelte, YB war bedient.
Erneut ein später Gegentreffer
Es war ein Gegentreffer, der die labile Verfassung der Berner offenlegte. Schlecht verteidigend, ohne Übersicht und mit fehlendem Willen liessen sie am Ende zu, dass ihnen die Grasshoppers in einer Phase, in der es Ruhe und Abgeklärtheit gebraucht hätte, zwei wichtige Punkte abluchsten. Der Ärger bei YB war gross. «Wir sind sehr enttäuscht», sagte der YB-Trainer David Wagner. Schon in St. Gallen hatte YB den späten Ausgleich auf ähnliche Weise zugelassen. Für Wagner und seine Mannschaft rückt die Titelverteidigung in noch weitere Ferne.
Wagner hatte in den letzten Wochen mit einer langen Liste von verletzten Spielern zu kämpfen. Christian Fassnacht, Meschack Elia, Mohamed Camara, Nico Maier, Joël Monteiro, Quentin Maceiras, David von Ballmoos – sie alle fehlten. Silvan Hefti, Michel Aebischer, Jean-Pierre Nsamé waren in der Winterpause zu neuen Klubs gewechselt. Das ist in der Summe selbst für die individuell nach wie vor stark besetzte Mannschaft zu viel. So kann keine klare Struktur im Spiel entwickelt werden.
YB fehlt Wucht und Tempo
Den Bernern war es nie gelungen, jenes Tempo zu entwickeln, das sie noch im Herbst ausgezeichnet hatte. Und auch jene Wucht fehlte, mit der sie die Gegner so oft überrennen konnten. Es war der erst vor fünf Tagen von Bielefeld geholte Edimilson Fernandes, der sich nach 52 Minuten in die GC-Verteidigung stürzte und einen Penalty zugesprochen bekam. Jordan Siebatcheu verwertete sicher. Nach Georg Margreitters Ausgleich (60.) war es der eingewechselte Felix Mambimbi, der YB zum zweiten Mal in Führung brachte (77). Doch die Berner liessen in der Folge zu, dass GC wieder Luft bekam und schliesslich den verdienten Lohn einheimste.
Bereits zum dritten Mal in dieser Saison spielte die Mannschaft des GC-Trainers Giorgio Contini gegen den Meister unentschieden. Einmal mehr hatte Contini die Rolle des Aussenseiters gewählt. Seine Mannschaft verteidigte solidarisch und hartnäckig und setzte mit weiten Bällen immer wieder offensive Nadelstiche.
Francis Momoh und Kaly Sène gelang es jedoch selten, den letzten YB-Verteidiger zu überspielen; nur Sène kam in der 66. Minute zu einem Abschluss, den der YB-Goalie Anthony Racioppi vereitelte. Contini sagte: «Uns fehlte die Effizienz, aber wir haben bis zuletzt an unsere Möglichkeiten geglaubt.» Dem Meister YB hingegen fehlte dieser Glaube.
https://www.nzz.ch/sport/fussball-wie-g ... ld.1670841