17.12.2020

Zitat:
Überzeugt im Spitzenspiel
Warum der YB-Sieg in Basel auch ein Reifezeugnis ist
Die Young Boys können beim 2:0 gegen den FCB sogar noch Kräfte schonen. Nebst einer Machtdemonstration ist der Erfolg auch ein Zeichen neu gewonnener Qualitäten.
Der 2. Dezember 2018 ist ein Sonntag. 29’500 Zuschauer bevölkern den St.-Jakob-Park und sehen, wie YB dem FC Basel nach anfänglichem Rückstand keine Chance lässt, 3:1 gewinnt, nach 16 Spielen 50 (!) Tore totalisiert und an der Ligaspitze den ganz grossen Rückspiegel montieren muss, um die Konkurrenz noch zu erkennen.
Der 16. Dezember 2020 ist ein Mittwoch. Ein paar handverlesene Spezialgäste verlieren sich im St.-Jakob-Park und sehen, wie YB gegen den FCB früh führt, dann im Spargang gewinnt und sich in der Tabelle ein kleines Polster anschafft.
Dazwischen hat YB in der Liga nie mehr in Basel gewinnen können, was angesichts der Dominanz in den letzten Jahren eigentlich erstaunt. Die beiden Erfolge liegen nicht nur einigermassen weit auseinander, es sind auch zwei Momentaufnahmen, die sich nur unter einem Nenner versammeln lassen: Die Young Boys haben Erfolg.
In der aktuellen Saison fliegen sie nicht über alle hinweg, sie sind durchaus verwundbar. Zuletzt gegen Servette haben sie gar die erste Heimniederlage seit über zwei Jahren hinnehmen müssen. Und im eng getakteten Corona-Programm gehen sie auf dem Zahnfleisch. «Ich bin schon froh, wenn bald alles für eine Weile zur Ruhe kommt», sagt Flügelspieler Christian Fassnacht.
Woran lags? «Am Gegner»
Aber wie die Young Boys am Mittwoch in Basel dem nominell noch immer stärksten Herausforderer in der Schweiz eine kleine Lektion erteilt haben, ist beeindruckend. Seoane erzählt im leeren Basler Stadion entspannt von diesem Tag nach dem Servette-Spiel, dem Montag. «Da war keine gute Stimmung. Alle brannten darauf, das wiedergutzumachen.»
Neben ihm steht Pajtim Kasami. Für den FCB hätte er der Spieler sein können, der aus einem guten ein sehr gutes Team macht nach seiner Ankunft im Oktober. Jetzt, zwei Monate später, weiss man: Dieser FCB ist mit Kasami gegen Gegner wie Servette, Sion oder Vaduz eine ganz gefällige Mannschaft. Aber die Klasse, um gegen ein gut aufgelegtes YB zu bestehen, die fehlt ihm noch immer. Kasami weiss nicht, wo anfangen in seiner Analyse. «Zu wenig Aggressivität? Zu viele Löcher im Mittelfeld? Ich weiss es jetzt grad auch nicht.» Fabian Frei weiss immerhin, wo der Unterschied zu den vergangenen drei Partien lag, die der FCB allesamt gewonnen hatte: «Beim Gegner.»
Was den FCB überrumpelt zu haben scheint: YB ist in Basel wie ein Heimteam aufgetreten, griff früh an und wartete nicht, schon gar nicht auf Konter. «Das haben wir uns so vorgenommen», sagt Seoane mit der unbeirrbaren Gewissheit des Siegers. Christian Fassnacht erklärt: «Auch wir haben dazugelernt in den letzten Spielen.» Und spricht dabei nicht nur das 1:2 gegen Servette, sondern auch das knappe 3:2 nach 3:0-Führung in der Vorwoche gegen Luzern an.
Nicht einmal an die Leistungsgrenze
Und auch wenn YB die Liga nicht so überfährt wie eben vor zwei Jahren, so ist das 2:0 in Basel dennoch eine Machtdemonstration – und ein Reifezeugnis. Die Young Boys nämlich mussten für einen Sieg gegen ihren ärgsten Konkurrenzen nicht einmal an ihre Leistungsgrenze gehen. Nach furiosem Start konnten sie in der zweiten Halbzeit Kräfte schonen, indem sie den Ball gekonnt zirkulieren liessen. «Diese Routine und diese Klasse haben wir mittlerweile», sagt Fassnacht. Angst, vor diesem Gegner in dessen Stadion noch einmal angegriffen zu werden, gab es keine. «Wir haben schlicht simple Dinge gut gemacht, waren aggressiv, ungemütlich, schnell», sagt Michel Aebischer. Aber abgesehen davon, schiebt er noch nach und klingt fast ein wenig ratlos über die Basler Harmlosigkeit, hätten sie nichts Verrücktes ausprobiert.
Das dürfte auch am Samstag gegen Lugano eine empfehlenswerte Rezeptur sein. Im zweitletzten Spiel vor Weihnachten trifft YB auf einen Gegner, der kaum je viel zulässt. In mühseliger, disziplinierter Arbeit hat sich das Team des Berner Trainers Maurizio Jacobacci in 10 Partien 17 Punkte erspielt. Ein Spitzenspiel wird es nicht mehr, Lugano ist nach zuletzt zwei Runden ohne Sieg auf Rang 5 abgerutscht. Aber eng wird es gegen die Tessiner immer, in der laufenden Saison gab es für sie kein Resultat mit einer Differenz von mehr als einem Tor. Die neue Routine der Young Boys, sie dürfte gefragt sein.
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