03.02.2019

Zitat:
Schlechte Sicht im Rückspiegel
YB marschiert nach dem 2:0 gegen Xamax mit 19 Punkten vorneweg. Der Konkurrenz bleibt die Hoffnung auf Ausrutscher des Meisters – ein frommer Wunsch.
Es ist ein alter Grundsatz: Wer am Ende strahlen will, kann nicht immer glänzen. Als meisterlich hat man dieses Können irgendwann eingeordnet, wonach Spitzenteams auch mit einem Teil ihrer Klasse zu gewinnen vermögen.
17-mal haben die Young Boys schon gewonnen in dieser Saison, noch selten aber mit so überschaubarem Aufwand wie am Samstagabend beim 2:0 gegen Xamax. Es war ein zurückhaltender, beinahe vornehmer Auftakt in die Rückrunde und ins Fussballjahr 2019, weil YB dabei weder Gefahr lief, den Sieg zu verpassen noch sich dabei übermässig zu verausgaben.
Seit dem 3:3 beim FCZ im Oktober haben die Young Boys mit acht Siegen in der Meisterschaft bereits wieder eine beeindruckende Erfolgsserie am Laufen. Es dürfte einen Frühling der Rekorde geben für YB, am Samstag fiel schon ein erster, weil die Berner im 50. Ligaspiel hintereinander trafen – seit dem 0:0 im August 2017 beim FCZ gelang ihnen in jedem Meisterschaftsspiel mindestens ein Tor.
Tack, tack, tack, Tor
Wegbereiter der Bestmarke war Eröffnungstorschütze Loris Benito. Das 1:0 war nicht nur das erste Saisontor des Aargauers, es wurde vor allem so ausgelassen vor der Bank mit den Assistenztrainern bejubelt, weil es nach einer Variante fiel, die YB im Training seit geraumer Zeit einstudiert hat und die in der Meisterschaft endlich mal wieder, aber nicht zum ersten Mal zum Erfolg führte. Aebischer, Fassnacht, Aebischer, Benito oder: tack, tack, tack, Tor – es ist der rassige Takt des Tabellenführers. «Das ist schön für alle Beteiligten, wenn so ein Plan aufgeht», sagte Benito schmunzelnd.
Er, der sich des steigenden Interesses an seiner Person auch in der abgelaufenen Transferperiode bewusst war, sich aber schon früh mit Sportchef Christoph Spycher zusammensetzte und festhielt, dass er frühestens im Sommer wechseln würde.
Es ist auch diese Fähigkeit, Nebenschauplätze als solche zu belassen, Unruhe sofort im Keim zu ersticken, die den Meister im Moment in so souveräner Manier zur Titelverteidigung schreiten lässt. Als das Interesse des Fussballverbands an Spycher als Manager in der Winterpause immer konkreter wurde, prüfte es der Sportchef genau, überdachte seine Situation – und schloss drei Tage vor Rückrundenstart mit einem fast beiläufigen Treuebekenntnis die Akte SFV.
Basel siegt 4:0
Dicker Nebel waberte am Samstagabend durchs Stade de Suisse. Und dass die Young Boys ihre Gegner aus den Augen verlieren, ist angesichts der aktuellen Umstände eine echte Gefahr. Verfolger Basel bekundete zwar beim völlig verunsicherten Krisenclub GC keine Probleme und gewann 4:0, der Abstand zu YB bleibt damit bei 19 Punkten. Doch die Frage aus der Sicht des verzweifelt nach Spannung Ausschau haltenden Ligabeobachters ist vielmehr, warum denn YB aufhören sollte, ebenso keine Probleme zu bekunden.
Am Samstag gegen Xamax bot sich ein Vorgeschmack, wie die Rückrunde für die Young Boys in vielen Spielen verlaufen könnte. Das 3-1-4-2-System des Gegners war vorderhand nur auf dem Papier elastisch, meist standen fünf, sechs Spieler um den eigenen Strafraum, und YB konnte zwar von der ersten Sekunde an sämtliche Räume im Mittelfeld besetzen – vors Tor aber gelangten die Berner nur mit Mühe. «Wir wussten, was uns da erwartet, meine Mannschaft hat das mit Geduld gelöst», sagte YB-Trainer Gerardo Seoane nach dem Dienst nach Vorschrift. Das frühe 1:0 nahm einen gewissen Druck weg, aber es blieb eine zerfahrene Angelegenheit.
Souverän auf Sparflamme
Nicolas Ngamaleu hatte bereits kurz nach Wiederanpfiff auf 2:0 erhöht, die Sache schien entschieden. Aber mit ein bisschen mehr Cleverness in einer fast wütenden Schlussoffensive hätten sich die Neuenburger womöglich mit einem Punkt belohnen können. «Das war nicht das überragende YB, das wir kennen», sagte selbst Xamax-Profi und YB-Fan Raphaël Nuzzolo.
Trainer Seoane gefielen die letzten 20 Minuten nicht – «ich weiss auch nicht genau, was da los war» –, aber am Ende stand nebst einem Sieg die wichtige, von Thorsten Schick festgehaltene Erkenntnis: «Wir sind auch nur Menschen.»
Das geriet ja in letzter Zeit ein wenig in Zweifel, dennoch ist es angesichts der Souveränität, die das YB-Ensemble auch auf Sparflamme auszeichnet, nur eine schwache Hoffnung für den FC Thun vor dem kommenden Derby. Dazu kommt: Die Oberländer haben für ihr Heimspiel vom nächsten Sonntag empfindlich weniger Vorbereitungszeit.
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