30.11.2015

Zitat:
Adi-Hütter-Fussball – Poker um Steffen
Nach dem in der zweiten Halbzeit starken, stürmischen, spektakulären Auftritt der Young Boys beim 2:1-Heimsieg gegen St. Gallen wurde bei YB die Chancenauswertung thematisiert – und die Zukunft Renato Steffens.
Die Young Boys siegten gegen St. Gallen erstmals nach 55 Tagen und sechs Pflichtspielen wieder – und vergaben beim 2:1-Erfolg Torchancen, die eigentlich für sechs Siege reichen müssten. «Ich habe noch nie erlebt, dass eine Mannschaft so viele Möglichkeiten herausgespielt hat wie wir heute», sagt Renato Steffen am Samstag nach dem viel zu knappen 2:1-Sieg gegen ein schwaches, überfordertes St. Gallen.
Sein Teamkollege Miralem Sulejmani meint, dass YB mindestens vier Tore hätte erzielen müssen. «Am Ende mussten wir bei diesem kuriosen Prellball sogar noch um den Sieg zittern», sagt Rechtsverteidiger Florent Hadergjonaj, «aber heute spielten wir vor allem in der zweiten Halbzeit richtig stark. So macht es Spass.»
Sein Pendant auf links, Loris Benito, wiederum findet, dass die Young Boys auch in den letzten Wochen zu vielen Chancen gekommen waren. «Leider fehlte es uns auch heute im Abschluss wieder an der Präzision.»
25 Schüsse, 2 Tore
Nach dem Seitenwechsel zelebrierte YB gegen St. Gallen jenen Adi-Hütter-Fussball, den sich Trainer Adi Hütter vorstellt: hoch stehen, früh attackieren, druckvoll, über die Flügel. «Wir haben sie erdrückt», sagt Hadergjonaj. Und Steffen sagt, es sei schon krass gewesen, wie wenig sich der Gegner habe wehren können. «Wenn man 25 Schüsse aufs Tor abgibt», sagt er, «muss man aber mehr als zwei Tore erzielen.» Benito schliesslich erklärt, es zahle sich aus, agiere YB oft mit der gleichen Aufstellung.
Adi Hütter setzt in diesen Wochen auf eine eingespielte Formation, die verletzt gewesenen Leistungsträger Steve von Bergen und Guillaume Hoarau werden erst in der Rückrunde wieder ins Team drängen. Gegen St. Gallen sassen Alexander Gonzalez, Samuel Afum, Jan Lecjaks und Raphael Nuzzolo erneut auf der Tribüne, sie dürften sich nach neuen Arbeitgebern umsehen.
Und Milan Vilotic, Captain Nummer 3 hinter von Bergen und Ersatzgoalie Marco Wölfli, wurde wieder von Routinier Alain Rochat, Captain Nummer 4, ersetzt. Hütter will die Spieler mit solchen Massnahmen kitzeln – und herausfinden, wer seinen Weg im nächsten Jahr mitgehen kann.
Steffens Aussagen
Es wird also personelle Veränderungen geben bei YB. Im nächsten Sommer. Und bereits in der Winterpause. Entscheidend ist dabei, was mit Renato Steffen passiert. «Ich werde nach dem Ende der Vorrunde in aller Ruhe entscheiden», sagt der Flügelspieler.
Er sorgte vor wenigen Tagen für Aufregung, als er in dieser Zeitung zitiert worden war, er habe Angebote vom FC Basel sowie von ausländischen Klubs. «Ich besuchte eine Schulklasse und habe dort etwas anderes gesagt», erklärt Steffen, «denn es gibt Interesse von Vereinen an mir, nicht aber konkrete Angebote.»
Tatsache ist, dass der Schweizer Nationalspieler, dessen Vertrag Ende Saison ausläuft, ein begehrter Fussballer ist. Nicht nur Meister Basel beschäftigt sich mit Steffen, der unzufrieden ist, wie der Lauf der Verhandlungen mit YB durch die Young Boys kommuniziert wird. «Es ist nicht so, dass wir mehrmals Angebote abgelehnt haben. Ich werde mir nun in der Winterpause genau anhören, was YB plant.»
Der Berner Sportchef Fredy Bickel hatte in den letzten Monaten mehrmals gesagt, dass Steffens Berater seit März jedes Angebot für eine vorzeitige Vertragsverlängerung in Bern abgelehnt hätten.
Ravet und Onisiwo
Die Young Boys erhalten für Steffen nur noch im Winter eine Ablösesumme. Und weil er nicht die gesamte Rückrunde auf der Tribüne verbringen will, gibt es für ihn, wie er selber auch sagt, zwei Möglichkeiten: Vertrag verlängern – oder im Winter gehen. «Das ist keine einfache Entscheidung», sagt er, eher er schmunzelnd anfügt: «Aber es gibt schlimmere Probleme.»
Die Young Boys jedenfalls wären vorbereitet auf den sich abzeichnenden Abgang Steffens, der mit seiner Schnelligkeit, Dribbelstärke und Klasse einer der wichtigsten Kräfte im Team ist. Neben Yoric Ravet von GC gilt laut Journalisten aus Österreich auch Karim Onisiwo von Mattersburg als Kandidat.
Der 23-Jährige wurde kürzlich im Testländerspiel Österreich - Schweiz eingewechselt und ist ein explosiver Aussenspieler, der von Adi Hütter seit Jahren beobachtet und geschätzt wird.
http://www.bernerzeitung.ch/sport/fussb ... y/10109897