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 Beitrag Verfasst: Montag 30. November 2015, 12:42 
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«Wir bekamen zu spüren, wie gut YB wirklich ist»

Beim 2:1-Sieg über St. Gallen sorgen bei YB neben den vielen Chancen zwei Rote Karten und ein Ausraster Harald Gämperles für Aufsehen.

In der 38. Minute kommt die Wende. Miralem Sulejmani legt sich den Ball für den Freistoss zurecht und flankt zur Mitte. Denis Zakaria steigt am höchsten und köpft ein – 1:1. Ausgerechnet durch eine Standardsituation brechen die Young Boys den Bann, der sie bis zu diesem Zeitpunkt daran gehindert hatte, das gewohnte Angriffsspiel aufzuziehen.

«Der Ausgleich war mental sehr wichtig für das Team. Es hat uns geholfen, richtig ins Spiel zu kommen», analysiert der Flankengeber des 1:1 nach der Partie.

Sanogos Kürlauf

Bis dahin funktionierte die Berner Angriffsmaschinerie nicht. Gegen dicht stehende St. Galler rollte der Ball oft zaghaft, ohne Anzeichen grosser Überzeugung. Die durchzogenen Resultate der letzten Wochen sind nicht spurlos an den Bernern vorbei gegangenen. Umso schöner für die Fans ist es, folgt bloss vier Minuten nach Zakarias Kopfballtor das 2:1. Dieses Mal entsteht der Treffer allerdings aus dem offenen Spiel.

Sanogo beginnt im Mittelfeld zu dribbeln, umspielt seine Gegner wie Trainingspfosten und gibt weiter an Sulejmani. Der Serbe führt den Ball weiter bis vors Tor und passt zu Alexander Gerndt. Der Schwede steht am richtigen Ort und lenkt das runde Leder ins Netz.

Chancen im Minutentakt

Technisch ansprechend und mit einer guten Portion Angriffslustigkeit zeigen die Young Boys ab der zweiten Halbzeit das, was der Zuschauer sehen will: attraktiven Überfallfussball. «Wir spielten sehr aggressiv und körperbetont nach vorne», wird YB-Trainer Adi Hütter nach dem Spiel sagen. Im eisigen Stade de Suisse erarbeitet sich YB so Gross­chance auf Grosschance. Nur: Die können die Hauptstädter nicht nützen.

Gleich zu neun (!) Hochkarätern kommen die Spieler im gelbschwarzen Dress alleine im zweiten Durchgang. Dass das Skore nicht bedeutend höher ausfällt, ist letztlich auch auf St. Gallens Torhüter Daniel Lopar zurückzuführen. Mit Glanztaten in 1:1-Situationen gegen Renato Steffen, Gerndt und Haris Tabakovic erspart er seinem Team eine Blamage in Bern.

Von den vergebenen Möglichkeiten ist auch Hütter überrascht: «Ich glaube, ich habe noch nie in meinem Leben ein Spiel mit so vielen nicht ausgenutzten Hundertprozentchancen gesehen.»

Gämperles Ausraster

Für hitzige Gemüter auf Berner Seite sorgt ein harter Entscheid des Referees in der 71. Minute. Nachdem der Ex-Arsenal-Junior Martin Angha aufseiten von St. Gallen nach einem Foul an Steffen bereits drei Minuten vorher Gelb-Rot gesehen hat, trifft nun auch YB-Spieler Sekou Sanogo dasselbe Schicksal.

Der ivorische Mittelfeldstratege ist in Danijel Aleksic hineingerannt – ein harter Entscheid. Mit einer ungewöhnlichen Reaktion des Assistenztrainers: Der ansonsten ruhige und abgeklärte Harald Gämperle ist mit der Entscheidung überhaupt nicht zufrieden und flucht den Schiedsrichter an. Für sein Verhalten wird er vom Offiziellen auf die Tribüne verwiesen.

Minikrise überwunden

Als die zwei Teams nur noch mit je zehn Feldspielern agieren, gerät YB auf einmal ins Schwanken. St. Gallen gelangt plötzlich in den Strafraum der Berner. Edgar Salli kommt zum Schuss, Yvon Mvogo kann nur in äusserster Not abwehren.

Die YB-Darbietung hat am Ende gezeigt, dass die Berner ein Team von starkem Format haben. Von der Qualität der Heimmannschaft ist St. Gallens Trainer Joe Zinnbauer überzeugt: «Wir bekamen zu spüren, wie gut YB wirklich ist.»

Adi Hütter ergänzt, dass es ein «absolut verdienter Sieg» gewesen sei und dass er trotz der vergebenen Möglichkeiten mit der Laufbereitschaft seiner Spieler sehr zufrieden sei. YB hat wieder ausgelassen Fussball gespielt – dieses Mal mit den drei Punkten als Ergebnis. Die Minikrise, von der die Rede war, scheint überwunden.


http://www.bernerzeitung.ch/sport/fussb ... y/31721410

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 Beitrag Verfasst: Montag 30. November 2015, 12:45 
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Adi-Hütter-Fussball – Poker um Steffen

Nach dem in der zweiten Halbzeit starken, stürmischen, spektakulären Auftritt der Young Boys beim 2:1-Heimsieg gegen St. Gallen wurde bei YB die Chancenauswertung thematisiert – und die Zukunft Renato Steffens.

Die Young Boys siegten gegen St. Gallen erstmals nach 55 Tagen und sechs Pflichtspielen wieder – und vergaben beim 2:1-Erfolg Torchancen, die eigentlich für sechs Siege reichen müssten. «Ich habe noch nie erlebt, dass eine Mannschaft so viele Möglichkeiten herausgespielt hat wie wir heute», sagt Renato Steffen am Samstag nach dem viel zu knappen 2:1-Sieg gegen ein schwaches, überfordertes St. Gallen.

Sein Teamkollege Miralem Sulejmani meint, dass YB mindestens vier Tore hätte erzielen müssen. «Am Ende mussten wir bei diesem kuriosen Prellball sogar noch um den Sieg zittern», sagt Rechts­verteidiger Florent Hadergjonaj, «aber heute spielten wir vor allem in der zweiten Halbzeit richtig stark. So macht es Spass.»

Sein Pendant auf links, Loris Benito, wiederum findet, dass die Young Boys auch in den letzten Wochen zu vielen Chancen gekommen waren. «Leider fehlte es uns auch heute im Abschluss wieder an der Präzision.»

25 Schüsse, 2 Tore

Nach dem Seitenwechsel zele­brierte YB gegen St. Gallen jenen Adi-Hütter-Fussball, den sich Trainer Adi Hütter vorstellt: hoch stehen, früh attackieren, druckvoll, über die Flügel. «Wir haben sie erdrückt», sagt Hader­gjonaj. Und Steffen sagt, es sei schon krass gewesen, wie wenig sich der Gegner habe wehren können. «Wenn man 25 Schüsse aufs Tor abgibt», sagt er, «muss man aber mehr als zwei Tore erzielen.» Benito schliesslich erklärt, es zahle sich aus, agiere YB oft mit der gleichen Aufstellung.

Adi Hütter setzt in diesen Wochen auf eine eingespielte Formation, die verletzt gewesenen Leistungsträger Steve von Bergen und Guillaume Hoarau werden erst in der Rückrunde wieder ins Team drängen. Gegen St. Gallen sassen Alexander Gonzalez, Samuel Afum, Jan Lecjaks und Raphael Nuzzolo erneut auf der Tribüne, sie dürften sich nach neuen Arbeitgebern umsehen.

Und Milan Vilotic, Captain Nummer 3 hinter von Bergen und Ersatzgoalie Marco Wölfli, wurde wieder von Routinier Alain Rochat, Captain Nummer 4, ersetzt. Hütter will die Spieler mit solchen Massnahmen kitzeln – und herausfinden, wer seinen Weg im nächsten Jahr mitgehen kann.

Steffens Aussagen

Es wird also personelle Veränderungen geben bei YB. Im nächsten Sommer. Und bereits in der Winterpause. Entscheidend ist dabei, was mit Renato Steffen passiert. «Ich werde nach dem Ende der Vorrunde in aller Ruhe entscheiden», sagt der Flügelspieler.

Er sorgte vor wenigen Tagen für Aufregung, als er in dieser Zeitung zitiert worden war, er habe Angebote vom FC Basel sowie von ausländischen Klubs. «Ich besuchte eine Schulklasse und habe dort etwas anderes gesagt», erklärt Steffen, «denn es gibt ­Interesse von Vereinen an mir, nicht aber konkrete Angebote.»

Tatsache ist, dass der Schweizer Nationalspieler, dessen Vertrag Ende Saison ausläuft, ein begehrter Fussballer ist. Nicht nur Meister Basel beschäftigt sich mit Steffen, der unzufrieden ist, wie der Lauf der Verhandlungen mit YB durch die Young Boys kommuniziert wird. «Es ist nicht so, dass wir mehrmals Angebote abgelehnt haben. Ich werde mir nun in der Winterpause genau an­hören, was YB plant.»

Der Berner Sportchef Fredy Bickel hatte in den letzten Monaten mehrmals gesagt, dass Steffens Berater seit März jedes Angebot für eine vorzeitige Vertragsverlängerung in Bern abgelehnt hätten.

Ravet und Onisiwo

Die Young Boys erhalten für Steffen nur noch im Winter eine Ablösesumme. Und weil er nicht die gesamte Rückrunde auf der Tribüne verbringen will, gibt es für ihn, wie er selber auch sagt, zwei Möglichkeiten: Vertrag verlängern – oder im Winter gehen. «Das ist keine einfache Entscheidung», sagt er, eher er schmunzelnd anfügt: «Aber es gibt schlimmere Probleme.»

Die Young Boys jedenfalls wären vorbereitet auf den sich abzeichnenden Abgang Steffens, der mit seiner Schnelligkeit, Dribbelstärke und Klasse einer der wichtigsten Kräfte im Team ist. Neben Yoric Ravet von GC gilt laut Journalisten aus Österreich auch Karim Onisiwo von Mattersburg als Kandidat.

Der 23-Jährige wurde kürzlich im Testländerspiel Österreich - Schweiz eingewechselt und ist ein explo­siver Aussenspieler, der von Adi Hütter seit Jahren beobachtet und geschätzt wird.


http://www.bernerzeitung.ch/sport/fussb ... y/10109897

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