17.02.2014

Zitat:
Der Held und die tragische Figur
Josef Martìnez war beim 5:3-Sieg gegen Lausanne der auffälligste YB-Spieler. Dass YB locker zu fünf Toren kam, lag auch am Lausanner-Hüter Antonio, der einen rabenschwarzen Tag erwischte.
Josef Martìnez nutzte das zweite Heimspiel nach seiner Rückkehr vom FC Thun zu einer persönlichen Show. Kaum war der Match angepfiffen, übernahm er Freys Zuspiel, düpierte mit einer Körpertäuschung seinen Gegenspieler, dann der Schuss aus rund 24 Meter – und schon lag der Ball im Netz (2.). Beim 2:0 war der Venezolaner ebenfalls aktiv beteiligt: Sein Zuspiel landete bei Nuzzolo, der mit dem Abschluss solange wartete, bis Lausanne-Goalie Signori Antonio die nahe Ecke ein Stück weit öffnete (25.).
Es sollte nicht der letzte Patzer des 19-Jährigen sein, der in der Rückrunde wegen Kevin Fickentschers Verletzung (Achillessehnenriss) zur Nummer 1 des Tabellenletzten aufgestiegen ist. In der 37. Minute liess er zuerst einen Distanzschuss Kubos nach vorne abprallen, danach sprang er zu ungestüm in Nuzzolos Beine – Penalty. Irgendwie passte es zum verunglückten Nachmittag, dass er Gajics nicht sonderlich präzis geschossenen Strafstoss mit der Hand berührte, der Ball aber trotzdem einen Weg ins Tor fand. Kaum zu halten war Martìnez nächster Schuss, ein nahezu perfekt ausgeführter Freistoss aus zirka 22 Meter in die entferntere hohe Ecke (44.).
Martìnez, der Teamplayer
Der Kunstschuss war Beruhigungssaft für die Young Boys, die zwischenzeitlich gehörig ins Schleudern gekommen waren. Vukusic und Tafer hatten von den Nachlässigkeiten in der Abwehr des Heimteams, begangen durch den erneut nicht überzeugenden Vilotic, profitiert und innert drei Minuten das Skore ausgeglichen. «Nach dem 2:0 dachten wir, der Match sei entschieden», sagte Moreno Costanzo hinterher selbstkritisch. Es sei schwierig gewesen, die Konzentration wieder zu finden.
Weil Antonio kurz nach Wiederanpiff erneut patzerte, führte das Heimteam nach Freys Abstaubertor dennoch bald mit drei Toren. Für ein paar Minuten machten sich nun sogar die YB-Fans im Sektor D lautstark bemerkbar, die ansonsten aus Protest gegen das Rayonverbot für ein paar ihrer Kollegen weitgehend auf ihre üblichen Gesänge verzichteten (siehe Box Fanaktion). Den lautesten Applaus kriegte der leicht angeschlagene Martìnez, den Trainer Forte schon nach einer Stunde vom Platz beorderte. Der beste Torschütze der Super League gab sich später in der Mixed-Zone betont zurückhaltend. Er freue sich über die beiden Tore, «doch wichtiger ist, dass wir heute gewonnen haben», erklärte er treuherzig.
Miserable Abwehrleistungen
Es war eine äusserst unterhaltsame Super-League-Partie zweier Teams, die ihre Stärken eindeutig in der Offensive hatten und sich andererseits für die Verteidigungsarbeit ganz schlechte Noten verdienten. Zu denken gab, wie wenig es auch der zweiten Halbzeit brauchte, um den Tabellenzweiten in Schwierigkeiten zu bringen. Fast jedes Mal, wenn der agile Franzose Ravet zur Mitte flankte, wurde es vor dem YB-Tor gefährlich. Hätte nicht Mvogo bei zwei Schüssen des Ex-YB-Stürmers Coly glänzend gehalten, wer weiss, ob Lausanne nicht gar noch zum Ausgleich gekommen wäre. Gepasst hätte es zu diesem verrückten Match.
Wer so schlampig verteidigt wie YB gestern, der wird es im Meisterrennen sehr schwer haben. Das weiss auch Uli Forte, der die nächsten Tage nutzen will, um die Automatismen in der Verteidigung zu verbessern. Dabei denkt er primär an das Innenverteidigerduo von Bergen/Vilotic, die für den Gegner noch längst nicht das gewünschte Bollwerk darstellen.
Telegramm
Young Boys - Lausanne-Sport 5:3 (4:2).
Stade de Suisse. - 13'273 Zuschauer. - SR San. - Tore: 2. Martinez (Frey) 1:0. 25. Nuzzolo (Martinez) 2:0. 28. Vukusic (Ravet) 2:1. 31. Tafer 2:2. 39. Gajic (Foulpenalty/Foul von Antonio an Nuzzolo) 3:2. 44. Martinez (Freistoss aus 25 m) 4:2. 49. Frey (Nuzzolo) 5:2. 76. Tafer (Feindouno) 5:3.
Young Boys: Mvogo; Sutter, Vilotic, Von Bergen, Rochat; Costanzo, Gajic; Nuzzolo, Kubo (86. Bertone), Martinez (58. Zarate); Frey (69. Afum).
Lausanne-Sport: Antonio; Banana, De Pierro, Sonnerat; Chakhsi (57. Zambrella), Tafer, Plessis, Yang (67. Feindouno), Facchinetti (59. Coly); Vukusic, Ravet.
Bemerkungen: Young Boys ohne Spycher, Gerndt, Bürki, Wölfli, Simpson und Doubai (alle verletzt), Lausanne ohne Fickentscher und Gabri (beide verletzt) sowie Mevlja (gesperrt). Verwarnungen: 3. Kubo (Schwalbe). 38. Antonio (Foul). 53. Plessis (Foul). 71. Zarate (Foul).
http://www.derbund.ch/sport/fussball/De ... y/30390496