Der Bund, 09.12.2010
Meier: «Das ist unfair und billig»Im Interview mit dem «Bund» wehrt sich Schiedsrichterchef Urs Meier gegen die Kritik aus Bern: «Mit Circhetta haben wir einen Spitzenschiedsrichter für Basel–YB nominiert. Im Eishockey spielt der Wohnort des Schiedsrichters auch keine Rolle.»
Urs Meier, der Basler Schiedsrichter Claudio Circhetta hat sich Basel - YB als Abschiedsspiel gewünscht. Sie gaben das Okay. Würden Sie es wieder machen?
Absolut. Wir sollten das schon lange so machen, wie das im Eishockey üblich ist. Dort spielt der Kanton oder Wohnort, aus dem der Schiedsrichter stammt, keine Rolle. Weshalb soll das im Fussball nicht möglich sein. Schiedsrichter sind unparteiisch. Ich finde diesen Kantönligeist blöd. Ich habe nie verstanden, weshalb ich keine Spiele des FC Aarau leiten durfte. Dabei wohne ich weiter von Aarau entfernt, als von Zürich. Spiele des FCZ und GC dagegen durfte ich leiten.
Was sind denn für Sie die Kriterien?
Ist der Schiedsrichter mit dem entsprechenden Klub verbunden oder nicht. Ist er verbunden mit dem Verein, leitet er selbstverständlich keine Spiele dieses Klubs. Claudio Circhetta wird neuer Schiedsrichter-Chef und unsere Strategie für die Zukunft ist, mehr Schiedsrichter, die aus dem gleichen Kanton wie die Klubs stammen, für solche Spiele einzusetzen. Wir haben drei Schiedsrichter aus dem Tessin, wir haben vier oder fünf Schiedsrichter aus dem Kanton Bern, die müssen auch irgendwie eingesetzt werden.
Tatsache ist, dass Circhetta während vier Jahren kein Spiel des FCB gepfiffen hat. Die YB-Spieler regen sich darüber auf, weil sich Circhetta Basel - YB als Abschiedsspiel gewünscht hat.
Fakt ist: Wir haben für dieses Spitzenspiel der Super League einen Spitzenschiedsrichter nominiert. Und nach einer langen Karriere dürfen sich Schiedsrichter solche Abschiedsspiele wünschen. Bruno Grossen hatte an diesem Wochenende auch sein Abschiedsspiel und er hat sein Wunschspiel mit Sion - GC auch bekommen.
Grossen stammt aus dem Berner Oberland. Wie hätten Sie entschieden, wenn er auch Basel - YB hätte pfeifen wollen?
Nun gut, Circhetta ist der Schiedsrichter Nummer 2 in der Schweiz. Das ist eine andere Kategorie.
Sie sind aber in der Defensive: Denn der Penalty war ungerechtfertigt und beim Basler Tor zum 1:1 stand Frei im Abseits.
Das 1:1 war kein Abseits. Wenn man die Szene auf dem Video genau betrachtet, sieht man, dass hinten bei der Cornerfahne ein YB-Spieler steht, der das Abseits aufhebt. Es war ein sensationeller Entscheid des Assistenten.
Die Gelbe Karte gegen Abraham, ist die auch korrekt? Hätte er nicht die Rote Karte sehen müssen? Er war doch bei seinem Foul der letzte Mann?
Es gibt sicher Entscheide in diesem Spiel, die man diskutieren kann. Doch die Niederlage von YB nur dem Schiedsrichter zuschieben zu wollen, das ist unfair und auch billig.
http://www.derbund.ch/bern/Meier-Das-ist-unfair-und-billig/story/19754375