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 Betreff des Beitrags: Fanarbeit Bern
 Beitrag Verfasst: Montag 16. März 2009, 13:56 
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Berner Zeitung, 12.03.2009

YB-Fanarbeit: Zahl der Fans stark zugenommen

Die YB-Fanarbeit Bern zieht eine positive Bilanz ihrer bisher anderthalbjährigen Tätigkeit.

Die Zahl der YB-Fans habe in den letzten Jahren stark zugenommen, die Anzahl Vorfälle aber nicht im gleichen Verhältnis.

Nicht wegzudiskutieren seien diverse Vorfälle der letzten Monate. «Durch Dialog können wir viel erreichen und haben auch schon viel verhindert», sagte Fanarbeiter Lukas Meier am Donnerstag vor den Medien. Alle Fans liessen sich aber nicht erreichen, denn die Kooperation mit der Fanarbeit sei freiwillig.

Stefan Stauffiger, Fanverantwortlicher bei YB, untermauerte die Befunde der Fanarbeit. Auch er habe den Eindruck, dass die negativen Vorfälle in den letzten Jahren nicht zahlreicher geworden seien. Sie stünden aber vermehrt im Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit.

Zweite Chance für Verbannte

Ein wichtiges Projekt der Fanarbeit ist die sogenannte «2. Chance». Damit sollen Personen, die mit einem Stadionverbot belegt wurden, eine zweite Chance erhalten. Mit einem «Götti» können sie unter bestimmten Voraussetzungen Heimspiele besuchen und sich bewähren.

Bei den auf Privatrecht basierenden Stadionverboten gebe es kein rechtliches Gehör und keine Rekursmöglichkeiten. Die Repressionsschraube sei in den letzten Jahren angezogen worden, sagte die ehemalige Grüne Berner Stadträtin und Co-Präsidentin des Trägervereins Fanarbeit Catherine Weber.

50 Personen mit Stadionverbot

So komme es auch schon mal vor, dass Stadionverbote in der Hitze des Gefechts wegen Bagatellvorfällen ausgesprochen würden. Hier wolle die «2. Chance» ansetzen.

Bisher gab es 18 Anmeldungen, 12 Personen haben die zweite Chance gepackt, vier wurden abgelehnt, eine Person brach den Versuch ab und eine Person war mit einem Rayonverbot belegt, so dass sie gar nicht zum Stadion konnte, wie Clemens Friedli vom Trägerverein Fanarbeit ausführte.

Derzeit sind nach Angaben der Fanverantwortlichen in Bern rund 40 bis 50 Personen mit einem Stadionverbot belegt.

Fanzüge an Auswärtsspiele

Bewährt haben sich nach Angaben der Fanarbeit auch die Extrazüge für YB-Fans an die Auswärtsspiele. Bis zu 800 Fans machten jeweils von dem Angebot Gebrauch. Jüngst startete die Fanarbeit ein Littering-Projekt in den Fanzügen. Freiwillige sorgen für Ordnung in den Bahnwagen und übernehmen eine erste Grobreinigung nach der Ankunft.

Die Fanarbeit Bern will auf eine positive Fankultur hinwirken. Sie steht nach eigenen Angaben «in einem anwaltschaftlichen Verhältnis» mit den Fans. «Es braucht ein Vertrauensverhältnis zu den Fans, sonst können wir zusammenpacken», betonte Urs Frieden, Co- Medienchef der Fanarbeit.

Die Fanarbeit versteht sich als Vermittlerin zwischen Fans, Verein, Behörden, Stadionbetreibern, Polizei und Öffentlichkeit. Derzeit arbeiten bei der Berner Fanarbeit zwei Personen zu je 40 Prozent. Nötig wären indessen rund 150 Stellenprozente, wie die Verantwortlichen am Donnerstag sagten.

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 Betreff des Beitrags: Re: Fanarbeit Bern
 Beitrag Verfasst: Montag 16. März 2009, 14:05 
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Berner Zeitung, 13.03.2009

«Wir sind die Anwälte der YB-Fans»

Seit September 2007 begleiten zwei Fanarbeiter die YB-Fans an Heim- und Auswärtsspiele. Gestern zogen sie Bilanz.

Sie organisieren Extrazüge an YB-Auswärtsspiele und beauftragen mitgereiste Fans, den Abfall nach der feuchtfröhlichen Reise gleich selber aus dem Zugsabteil zu schaffen. Sie geben den mit Stadionverbot belegten Personen eine zweite Chance, sich korrekt aufzuführen, und ermöglichen ihnen, die YB-Heimspiele fortan unter Aufsicht eines sogenannten Göttis zu besuchen. Sie heissen Lukas Meier und Rafael Ganzfried und sie sind professionelle Fanarbeiter in Bern. Ihren Lohn bezahlen die Young Boys, die Stadt Bern und der Kanton Bern sowie private Spender.

Gestern lud die Fanarbeit Bern zur Medienkonferenz, um ein positives Fazit zu ziehen über die ersten zwei Jahre ihres Bestehens. Und um zu sagen: «Wir brauchen mehr Geld.» Damit künftig 150 Stellenprozent besetzt werden können anstatt 80 Prozent wie zurzeit.

Es fiel der Vorwurf, die Ausschreitungen rund um YB-Spiele seien trotz Fanarbeit nicht zurückgegangen. Fanarbeiter Lukas Meier antwortete: «Es gibt leider Leute, die auch wir Fanarbeiter nicht erreichen können.» Urs Frieden, GB-Stadtrat und Mitinitiator der Fanarbeit, fügte an: «Es gibt Probleme, die muss man von verschiedenen Seiten angehen.» Deshalb brauche es neben der «Säule Fanarbeit» ebenfalls die «Säule Repression».

Die Fanarbeiter sehen sich als «Anwälte der YB-Fans», wie Lukas Meier sagte. In dieser Sparte weisen sie einige Erfolge aus: Das Berner Projekt «2. Chance» für Personen mit Stadionverbot wurde vom FC Basel übernommen. Zudem soll noch in diesem Jahr jede in der Schweiz mit Stadionverbot bedrohte Person ein Anhörungsrecht erhalten – die Initiative dazu kam ebenfalls von der Fanarbeit Bern.

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 Betreff des Beitrags: Re: Fanarbeit Bern
 Beitrag Verfasst: Montag 16. März 2009, 14:06 
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http://www.fanarbeit-bern.ch/

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 Betreff des Beitrags: Re: Fanarbeit Bern
 Beitrag Verfasst: Montag 16. März 2009, 14:08 
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Der Bund, 13.03.2009

YB-Fans putzen Extrazüge

Die Fanarbeit Bern zieht eine positive Bilanz ihrer bisher eineinhalbjährigen Tätigkeit. Man sei in der YB-Fanszene gut vernetzt und habe verschiedentlich Schlägereien verhindern können, sagen die zwei Fanarbeiter.

Die Schlagzeilen der letzten Monate lassen aufhorchen. Randalierende Fans während des Spiels YB -Brügge im September 2008, auf FCL-Anhänger einschlagende Protectas-Leute während des Spieles YB - Luzern im November, YB-Supporter, die sich am Rande einer Cup-Partie in Lausanne ungebührlich verhalten, Schlägereien vor dem Café Walter beim Match YB - Basel Anfang Februar, Ausschreitungen im Anschluss an das Cup-Spiel YB - GC letzte Woche. Diese Vorfälle seien nicht wegzudiskutieren, sagte Fanarbeiter Lukas Meier gestern an einer Pressekonferenz. Er habe aber nicht den Eindruck, dass die Gewalttätigkeit unter den Fans zugenommen habe. Im Gegenteil: «Die letzten eineinhalb Jahre habe ich als recht ruhig empfunden.» Stefan Stauffiger, Fanverantwortlicher bei YB, untermauerte die Befunde der Fanarbeit. Auch er habe den Eindruck, dass die negativen Vorfälle in den letzten Jahren nicht zahlreicher geworden seien.

«Die Fans ziehen voll mit»

Lukas Meier und sein Kollege Rafael Ganzfried, die sich eine 80-Prozent-Stelle teilen, befinden sich seit Herbst 2007 an jedem Heim- und Auswärtsspiel in Tuchfühlung mit dem harten Kern der YB-Fans. Meier ist des Lobes voll: «Die Fans ziehen mit, und die Vernetzung mit ihnen ist immer besser.» Anfeindungen mit Repräsentanten aus dem Umfeld der rechten Fanszene habe es nur am Anfang gegeben, sagt der Stadtberner, der selber jahrelang mit der linksorientierten «Halbzeit»-Gruppierung die YB-Spiele besuchte. «Als diese merkten, dass ich mich für sie einsetzte, wenn es Probleme gab, haben sie mich akzeptiert.»

Meier und Ganzfried konnten auf ihren Ausflügen an Auswärtsspielen schon verschiedentlich heikle Situationen entschärfen. Zuletzt verhinderten sie auf der Zugfahrt nach Sion, dass bei einem längeren Zwischenhalt in Vevey ein paar pöbelnde YB-Supporter sich mit einheimischen Teenagern prügelten. «Durch Dialog können wir viel erreichen», resümierte Meier. Alle Fans liessen sich aber nicht erreichen, denn die Kooperation mit der Fanarbeit sei freiwillig.

Extrazüge sauber halten

Seit dieser Saison fahren die YB-Fans regelmässig mit einem Extrazug an die Auswärtsspiele. Jeweils drei Supporter sammeln den Unrat zusammen, welche die bis zu 800 Fussballreisenden hinterlassen. Initiiert wurde das Littering-Projekt von der Fanarbeit. Die SBB begrüssen die Putzaktionen. «Wir schätzen das sehr», sagt Pressesprecher Roland Binz. Überhaupt funktioniere die Zusammenarbeit mit der Fanarbeit Bern «sehr gut».

Projekt «2.Chance»

Zufrieden ist die Fanarbeit mit der Entwicklung des Projekts «2. Chance». Damit sollen Personen, die mit einem Stadionverbot belegt werden, eine zweite Chance erhalten. Bisher gab es 18 Anmeldungen, 12 Personen haben die zweite Chance gepackt, 4 wurden abgelehnt, eine Person brach den Versuch ab und eine Person war mit einem Rayonverbot belegt, sodass sie gar nicht zum Stadion durfte, wie Clemens Friedli vom Trägerverein Fanarbeit ausführte. YB hat gegen 40 bis 50 Personen ein Stadionverbot ausgesprochen.

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 Betreff des Beitrags: Re: Fanarbeit Bern
 Beitrag Verfasst: Sonntag 26. September 2010, 07:28 
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Der Bund, 25.09.2010

Fanarbeit zwischen den Fronten

Die Berner Fanarbeiter haben sich gegenüber der Stadt Bern verpflichtet, gegen Pyros vorzugehen. Ändern wird sich nichts. Die Meinungen, wie man das Problem angehen sollte, gehen weit auseinander.

«Berner Blödmänner» hätten im Stadion «Böller und Bengalos» gezündet, schrieb die deutsche «Bild»-Zeitung letzte Woche auf ihrer Homepage nach dem Europa-League-Spiel des VfB Stuttgart gegen die Young Boys. Bei YB erwartet man, von der Uefa eine Busse «in der Grössenordnung von 20 000 Euro» zu erhalten, wie Pressesprecher Albert Staudenmann auf Anfrage schreibt.

Da kam die Mitteilung des Berner Sicherheitsdirektors Reto Nause (CVP) gerade recht. Er informierte am Donnerstag über eine Leistungsvereinbarung, die der Gemeinderat vor etwa einem Monat mit der Fanarbeit Bern abgeschlossen hat (siehe «Bund» von gestern). Damit die Stadt die Fanarbeiter auch im laufenden Jahr mit 30 000 Franken unterstützt, haben sie sich im Gegenzug zu bestimmten Leistungen verpflichtet. Die Parteien haben vereinbart, den Inhalt der Vereinbarung nicht zu veröffentlichen. Ein Aspekt scheint der Stadt allerdings derart am Herzen zu liegen, dass sie ihn in der Pressemitteilung explizit aufführt. Dort steht, die Fanarbeiter hätten sich verpflichtet, «aktiv darauf hinzuarbeiten, dass an den Spielen kein pyrotechnisches Material abgebrannt wird.» Doch was heisst das konkret? Was wird sich nun ändern?

Pyros als Teil der Fankultur

«Die Fanarbeit ist auf die finanzielle Unterstützung der Stadt angewiesen», sagt Adrian Werren, Co-Präsident der Fanarbeit Bern. Um den städtischen Beitrag nicht zu gefährden, hätten sich die Fanarbeiter bei den Verhandlungen um den städtischen Beitrag entschieden, die Abmachung inklusive des Passus zu pyrotechnischem Material zu unterschreiben. Es ist nicht zu überhören, dass sie den entsprechenden Absatz lieber nicht in der Vereinbarung gehabt hätten. Das ist verständlich. «Wir arbeiten in erster Linie für die Fans», sagt Werren, «und für die gehören Pyros dazu.»

Genau das sei das Problem, findet Reto Nause. Er erwarte, dass die Fanarbeiter die Grundhaltung in die Fankurve transportierten, «dass Pyros eben nicht selbstverständlicher Teil der Fankultur sind». «Wir können nicht mehr tun, als die Fans darauf hinzuweisen, dass Pyros verboten sind», sagt Werren. Das hätten sie seiner Meinung nach im Rahmen ihrer Möglichkeiten schon bisher getan und würden es auch zukünftig tun. Ändern wird sich also nichts. «Bei dem, was wir präventiv machen können, schöpfen wir unseren Rahmen aus. Wir arbeiten aber nicht repressiv», erklärt Werren. Das sieht auch Reto Nause so: «Natürlich kann die Fanarbeit nicht in einen Denunziantenstatus gedrängt werden», sagt er. «Wir erwarten aber, dass dieser Passus von der Fanarbeit gelebt wird.»

Nur ein Zwischenfall in Bern

Werren kann Nauses Erwartung nicht ohne weiteres gerecht werden. Er ist nicht nur Fanarbeiter, sondern als Vorstandsmitglied des Fanclub-Dachverbands Gäubschwarzsüchtig auch Fanvertreter. Er findet es nicht richtig, dass das Anzünden von bengalischem Feuerwerk in den Medien immer wieder mit Gewalt in Verbindung gebracht wird. Ihn stört, dass wegen der ständigen Diskussion um Fackeln vergessen geht, was die Fanarbeit alles erreicht hat und dass das Verhältnis zwischen Fans und Verein heute hervorragend ist. Aber darf er das gemäss Vereinbarung jetzt noch sagen? Darf er sagen, dass es in der Fanarbeit eigentlich grössere Probleme als Pyros gibt und dass er eigentlich den Eindruck hat, die Fankurve gehe verantwortungsbewusst mit bengalischem Feuerwerk um? Eine Wahrnehmung, die von YB zumindest nicht widerlegt wird. Nur einmal sei es im Stade de Suisse bisher zu einem kleinen Zwischenfall gekommen, schreibt Staudenmann: «Vor drei Jahren zog sich ein Fan im Gästesektor beim Zünden von Pyro leichte Verbrennungen zu». Nause dagegen sagt: «Pyros sind gefährlich. Wir sollten nicht zuwarten, bis in Bern etwas passiert.» Wie gefährlich sie auch immer sein mögen: Bei der Ahndung von Pyro-Vergehen hat YB keinen Spielraum: «Jede Zündung führt zu Stadionverbot und Anzeige wegen Verstoss gegen das Sprengstoffgesetz durch die Polizei, weil es sich um ein Offizialdelikt handelt», schreibt der Pressesprecher.

Österreich als Vorbild?

Ein weniger repressiver Umgang mit bengalischen Fackeln wird derzeit in Österreich ausprobiert. Eine Verschärfung des Pyrotechnikgesetzes hätte dort eigentlich zu Beginn dieses Jahres dafür sorgen sollen, dass Pyros aus Stadien verschwinden. Doch nach breitem, klubübergreifendem Widerstand der Fans unter dem Motto «Pyrotechnik ist kein Verbrechen» wurde schliesslich eine Ausnahmebestimmung in das Gesetz aufgenommen, dank der nun seit dieser Saison in den österreichischen Bundesliga-Stadien in enger Absprache mit Behören und Vereinen eine bestimmte Anzahl bengalische Fackeln kontrolliert gezündet werden darf.

Die Frage, ob der österreichische Weg auch hierzulande ein gangbarer wäre, stellt sich für Nause nicht: «Wir haben eine geltende Rechtsgrundlage, nach der wir uns richten müssen.» In der Schweiz ist das Pyro-Zünden ein Verbrechen. Und was hält man bei YB von einer kontrollierten Zulassung von pyrotechnischem Material im Stadion? «Die Frage stellt sich aus unserer Sicht derzeit nicht, weil es sich um ein Offizialdelikt handelt», schreibt Staudenmann. Und weiter: «Kommt die Polizei zum Schluss, dass die kontrollierte Form eine Verbesserung der Lage brächte, wäre YB bestimmt nicht dagegen.»

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