Berner Zeitung, 08.04.2010
Roy Maybud: «Es geht auch um die Härte des Schlages»Der 31-jährige Anwalt Roy Maybud aus Freiburg spricht darüber, wie er zu seinem Urteil im «Fall Doumbia» gekommen ist.
Herr Maybud, Ihr Urteil im «Fall Doumbia» ist überraschend mild. Warum wird der YB-Stürmer nur ein Spiel gesperrt?
Mir ist bewusst, dass das Interesse an diesem Urteil gross ist und jeder eine eigene Meinung hat. Aber ich habe nur die Tat bewertet. Dabei wird unterschieden, ob es sich bei der Aktion um eine Tätlichkeit oder eine grobe Unsportlichkeit oder eine Unsportlichkeit handelte.
War Doumbias Ellbogenschlag in den Nacken von Aarau-Spieler Martin Stoll keine Tätlichkeit, wie man auf den TV-Bildern sieht?
Der Begriff Tätlichkeit wird in der Umgangssprache anders definiert als in der Rechtsprechung. Und im Fussball gehen wir grundsätzlich nur von einer Tätlichkeit aus, wenn die Aktion abseits des Spielgeschehens und mit Vorsatz passiert ist. Das war bei Doumbia nicht der Fall, der Ball war noch im Spiel. Doumbia versuchte sich mit einer raschen Bewegung zu lösen und traf dabei Martin Stoll.
Also war es eine grobe Unsportlichkeit?
Nein. Da geht es auch um die Härte des Schlages. Und Martin Stoll hat ausgesagt, der Schlag habe ihn nicht geschmerzt, er konnte ja auch weiterspielen. Also ist es letztlich eine Unsportlichkeit, die mit zwei Spielsperren belegt wird. Aber es ist davon auszugehen, dass Doumbia provoziert worden war. Und so gibts ein Spiel Reduktion.
Seydou Doumbia sagte aber, er sei nicht provoziert worden.
Es geht nicht um die klassische Provokation im Sinn einer verbalen Attacke. Es ist juristisch gesehen auch eine Provokation, wenn ein Fussballer mehrere Sekunden lang zurückgehalten wird. Wichtig ist aber, dass die Provokation unmittelbar vor der Handlung erfolgt. Beides war bei Doumbia der Fall.
Fühlten Sie sich unter Druck, weil Valentin Stocker vom FCB am Dienstag erstaunlicherweise von Ihrem Kollegen Urs Studer nach seinem harten Tritt gegen Marc Zellweger freigesprochen wurde?
Nein, das durfte für mich keine Rolle spielen.
Bereits vor Ihrer Urteilsverkündung tauchte gestern Nachmittag eine heikle Aussage von Ihnen auf der «Blick»-Onlineseite auf. Dabei wurden Sie zitiert, die TV-Bilder würden ja für sich sprechen. War das nicht eine Vorverurteilung Doumbias? Und war es deshalb danach schwierig für Sie, eine hohe Strafe auszusprechen?
Nein, absolut nicht. Dieser Vorfall war unglücklich. Aber ich habe keinem Journalisten etwas über das mögliche Strafmass gesagt. Ich erklärte bloss, jeder könne die Aktion am TV anschauen. Meine Aussage wurde leider falsch interpretiert. Das tut mir leid, ich erhielt danach auch einige E-Mails erboster YB-Fans. Für mich war das eine Lehre, das nächste Mal werde ich vorsichtiger sein und mich erst nach dem Urteilsspruch äussern.
Das Vorgehen der Fussballliga bei Disziplinarfällen wirkte zuletzt eher unprofessionell. Finden Sie nicht auch, es wäre sinnvoller, wenn ein einzelner, von allen Klubs gewählter Disziplinarrichter sämtliche Fälle in der Super League sofort nach einem Spieltag untersuchen würde?
Es ist so, wie es ist. Ich bin nicht der richtige Ansprechpartner, um das in der Öffentlichkeit beurteilen zu dürfen. Urs Studer ist der Hauptrichter, Marc Juillerat und ich sind seine Stellvertreter. Wir versuchen, alle Fälle nach bestem Wissen und Gewissen zu beurteilen. Ob es andere, bessere Möglichkeiten gäbe, will ich nicht kommentieren.
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