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BZ, 27.11.2004
Rochat und der Traum vom Ausland
Alain Rochat ist in dieser Saison der beständigste YB-Spieler. Die guten Vorstellungen des U21-Nationalspielers sind gefährlich für die Young Boys. Rochats Kontrakt läuft aus – und er träumt vom Ausland.
Stéphane Chapuisat flankt, Alain Rochat trifft mit einem spektakulären Fallrückzieher ins hohe Eck. Das YB-Training am Freitagmorgen ist zu Ende, und die beiden Spieler üben noch ein wenig weiter. Mit vertauschten Rollen. Normalerweise ist es Rochat, der an der linken Seite entlang rauscht und die Offensivspieler wie Chapuisat mit Flanken und Pässen beliefert. «Er spielt eine sehr gute und sehr solide Saison», sagt Hans-Peter Zaugg. Der Trainer hat in der Vergangenheit moniert, dass Rochat zu wenig Biss und Leidenschaft zeige. «Er ist derart talentiert, dass er zu oft den Weg des geringsten Widerstands gegangen ist», erklärt Zaugg, «aber diese Zeiten sind vorbei. Rochat hat sich stabilisiert und schöpft sein Potenzial besser aus.»
Ziel: Meistertitel!
Nach dem Training sitzt Rochat an einem Tisch in Schönbühl vor dem YB-Container mit den Garderoben. Freundlich und witzig gibt der Linksverteidiger Auskunft. In deutscher Sprache, denn seit bald zweieinhalb Jahren wohnt der Romand in Bümpliz. «Wir haben eine starke Mannschaft», sagt Rochat, «und jetzt kehren die Verletzten langsam wieder zurück.» Also fragt Rochat: «Warum sollten wir nicht Meister werden?» Basel sei nicht mehr dominant und gewiss in Reichweite der Young Boys. «Wenn wir eine gute Rückrunde spielen, können wir Erster werden.» Aus dem schüchternen und zurückhaltenden Jugendlichen, der vor drei Jahren zu YB gewechselt hat, ist ein selbstbewusster und forscher Mann geworden, der sich nicht scheut, seine Ziele direkt zu formulieren.
Ziel: Ausland
Und so spricht der 21-Jährige auch offen über seine Zukunft. «Mir gefällt es ausgezeichnet in Bern», sagt Rochat, «und wenn ich in der Schweiz bleibe, dann ist YB natürlich der erste und wichtigste Ansprechpartner.» Basels Trainer Christian Gross verfolgt den Werdegang Rochats seit vielen Jahren. Doch derzeit ist der helvetische Champion mit dem Brasilianer Kleber auf der linken Abwehrseite glänzend besetzt. «Und sowieso», gibt Rochat unumwunden zu, «mein Ziel ist das Ausland.» Das müsse nicht heute und nicht morgen sein, aber doch «so schnell und so früh wie möglich». Eine neue Kultur, eine neue Sprache, eine neue Erfahrung, auch fussballerisch, das alles spreche für einen Sprung in eine grosse europäische Liga. Aber auch wenn es immer wieder einmal eine Anfrage aus dem Ausland gebe, derzeit will sich Rochat ganz aufs Fussballspielen konzentrieren. «In der Winterpause werde ich mir Gedanken machen, wie es weitergeht.»
Ziel: Mehr Tore schiessen
In New York und Kanada, wo er in den ersten beiden Lebensjahren gelebt hat und Verwandte besucht, wird Alain Rochat die Festtage zusammen mit seiner Freundin verbringen. «Ich lasse mich dort auch nicht stressen», sagt er ruhig, «sondern muss ganz sicher sein, was für mich richtig ist.» Die Young Boys jedenfalls sollten gewarnt sein – eine Vertragsverlängerung mit Rochat steht auf der Prioritätenliste von Reto Gertschen denn auch ganz oben. «Wir wollen Rochat als Eckpfeiler im neuen Wankdorf», sagt der YB-Sportchef, und Zaugg ergänzt: «Es wäre für Rochat sinnvoll, wenn er noch bei YB bleibt und später ins Ausland wechselt.»
Zaugg ist der Meinung, dass Rochat mit seinen fussballerischen Fähigkeiten im linken Couloir besser aufgehoben ist. «Aber offensiv hat er noch Steigerungsmöglichkeiten.» Rochat pflichtet ihm bei: «Ich muss aggressiver und direkter den Zug Richtung Tor suchen und mehr in den Abschluss gehen.» Es muss ja dann nicht immer gleich ein Fallrückzieher ins hohe Eck sein.Fabian Ruch
Alles zum Spiel Servette – YB Seite 25
Baykal, der talentierte Mittelfeldspieler des FC Thun, wird derzeit von vielen Vereinen umworben. Meister Basel hat sein Interesse angemeldet – auch aus dem Ausland, insbesondere aus der Türkei, stapeln sich die Anfragen. Und nun sollen auch die Young Boys den zweikampfstarken und robusten Aufbauer auf der Wunschliste haben. Der Bümplizer könnte im neuen Stadion eine der YB-Säulen werden. «Ich möchte mich dazu nicht äussern», sagt Baykal, «ich will mich aufs Spielen konzentrieren.»fdr
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