Bieler Tagblatt, 30.8.2004
«Meine Chance kommt bestimmt»
Paolo Collaviti ist bei Servette hinter Schweizer Nationaltorhüter Sebastien Roth nur zweite Wahl. Der 26-jährige Lysser verfolgte auf der Ersatzbank das 1:1 gegen seinen ehemaligen Verein YB mit.
Francisco Rodríguez
Paolo Collaviti erlebte gestern bei der Rückkehr an die Stätte seiner grössten Erfolge bewegende Momente. «Es war nicht einfach, ruhig auf der Bank zu sitzen», meint der Servette-Ersatztorhüter nach dem Spiel der Genfer gegen die Young Boys. «Ich habe mitgefiebert und bis am Schluss um den Sieg gezittert.» Allzu gerne wäre der Lysser gegen seinen langjährigen Verein zwischen den Pfosten gestanden. Doch Schweizer Nationaltorhüter Sebastien Roth ist derzeit bei Servette die unbestrittene Nummer 1. In der 92. Minute musste aber auch er kapitulieren und den Berner Platzherren durch Thomas Häberli den Ausgleich zum 1:1 zugestehen. «Wir können in dieser Saison einfach nicht zu Null spielen», ärgert sich Collaviti. «Dabei haben wir eine gute Partie gezeigt und waren lange Zeit dem 2:0 näher als YB dem 1:1.» Ganz unzufrieden über den Zähler war er allerdings doch nicht. «Jeder Punkt ist wertvoll und gibt uns Auftrieb, um vom Tabellenende weg zu kommen.»
«Schöne Erinnerungen»
Beim Einlaufen wurde Collaviti freundschaftlich vom Berner Publikum empfangen. «Diese schönen Gesten sind die Anerkennung für elf Jahre harte Arbeit beim BSC Young Boys.» In den Katakomben des Neufeld-Stadions fanden sich Collaviti und seine ehemaligen YB-Teamkameraden vor dem Spiel zu einem kleinen Schwatz ein. «Wir haben viel gelacht und alte Erinnerungen ausgetauscht.» Seit 2001 war er die Nummer 1 im YB-Tor, ehe ihm der Grenchner Marco Wölfli den Platz wegschnappte. Letzte Saison totalisierte Collaviti bloss zwei Einsätze. Als auch noch Torhüter Patrick Bettoni von Xamax kam, sah der 26-jährige Seeländer keine Perspektiven mehr. Trainer Marco Schällibaum, der von YB nach Genf wechselte, nahm seinen Goalie gleich mit. «Ich habe ihm sehr viel zu verdanken. Er hat meine Fussballkarriere voran gebracht», ist sich Collaviti bewusst.
Inzwischen ist Schällibaum in Genf entlassen worden, womit auch Collavitis Einsatzchancen gesunken sind. Servettes ehemaliger Assistenztrainer Adrian Ursea hat die alleinige Verantwortung für das Team übernommen und steht voll hinter Sebastien Roth. «Er spielt im Moment sehr gut und hat sich mit seinen Leistungen auch einen Platz im Schweizer Nationalteam gesichert», unterstreicht Ursea seine Wahl. «Obwohl Paolo Collaviti nicht zum Einsatz gelangt, bringt er dem Team sehr viel. In jedem Training gibt er alles und trägt dazu bei, die Intensität hoch zu halten. Er ist ein Kämpfer, der nie aufgibt. Sein Tag wird kommen.»
«Ich muss unten durch»
Collaviti bringt viel Geduld auf. «Es gefällt mir sehr gut bei Servette und in Genf. Im Moment muss ich halt unten durch. Doch ich kämpfe weiter. Schliesslich habe ich bislang 100 Partien in der höchsten Spielklasse bestritten und weiss, was ich kann. Meine Chance kommt bestimmt...» Collaviti besitzt einen Einjahresvertrag. «Über meine Zukunft habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Jetzt zählt nur, dass wir mit Servette definitiv aus dem Loch finden und uns nach vorne orientieren können.»
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