weiterer BZ Bericht:
«Bund»: Stefan Niedermaier, was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie am Samstagabend die Bilder von den wüsten Ausschreitungen im St.-Jakob-Park in Basel gesehen haben?
Stefan Niedermaier: Ich war fassungslos und betrübt. Ich dachte aber auch an meinen Kollegen, St.-Jakob-Park-Betriebsleiter Christian Kern, mit dem ich freundschaftlich verbunden bin.
Könnte es auch im Stade de Suisse Wankdorf zu einem solchen Zwischenfall kommen?
Es kann in jedem Stadion etwas passieren, egal welche Sicherheitsmassnahmen getroffen werden. Wir hatten bisher Glück, dass nichts passiert ist.
Letzten Mittwoch war der FC Basel zu Gast bei YB im neuen Wankdorfstadion. Sie haben schon im Voraus von einem Hochsicherheitsspiel gesprochen und entsprechende Vorkehrungen getroffen. Was haben Sie anders gemacht als die Stadionverantwortlichen in Basel?
Wir haben den 2,20 Meter hohen Zaun im Gästesektor und hinter dem Tor unserer Fans hochgezogen, wie wir das schon beim Cupfinal zwischen YB und Sion getan haben. Wir haben aber auch die Gitter zwischen den Sektoren montiert, damit es zu keinem Sektorentourismus kommt.
Ist das ein Wink an die Basler, die nur den Zürcher Fan-Sektor mit einem Zaun absperrten?
Hören Sie: Ich will den Baslern nicht am Zeug herumflicken. Das bringt überhaupt nichts. Die Probleme sind zu ernst, um besserwisserisch aufzutreten. Die Basler haben bisher auf eine liberale Linie gesetzt, wie sie bei uns im Normalfall auch angewendet wird. Doch es gibt nun mal Spiele und Spiele. Jedes Mal in dieser Saison, wenn der FCB oder der FCZ ins Stade de Suisse kam, waren wir auf viele Eventualitäten vorbereitet, haben wir auch Worst-Case-Szenarien durchgespielt. Im einen oder anderen Fall mag das Aufgebot von Sicherheitsleuten übertrieben gewirkt haben. Doch wir haben uns gesagt: Lieber etwas zu viel tun als etwas zu wenig.
Nach den jüngsten Krawallen wird der Ruf nach einer sofortigen Inkraftsetzung des Hooligan-Gesetzes laut. Was halten Sie von Zwangsmassnahmen gegen Randalierer?
Ich bin für das Hooligan-Gesetz, gebe aber zu bedenken, dass das Gesetz allein nicht ausreichen wird.
Sie wollen also, dass Krawallmacher härter angepackt werden?
Gegen jenes Promille von Matchbesuchern, das im Stadion Radau macht, muss gezielt und hart vorgegangen werden. Übeltäter müssen herausgepickt und durch einen Richter sofort verurteilt werden können. Und es muss hart sanktioniert werden.
Welche Sanktionen schlagen Sie vor?
Geldbussen in der Grössenordnung von 5000 bis 10 000 Franken und ein lebenslanges Stadionverbot in sämtlichen Stadien der Schweiz.
Lässt sich ein Stadionverbot überhaupt umsetzen? Wer die Eingangskontrolleure überlisten will, wird ein Schlupfloch finden, auch wenn sein Name auf einer schwarzen Liste steht und gegen ihn ein Verfahren wegen Hausfriedensbruch eröffnet werden kann.
Das Verbot ist sehr schwierig umzusetzen, das ist richtig. Eine Person mit Stadionverbot kann sich verkleiden oder ein Ticket für einen Sektor kaufen, wo man sie nicht erwartet. Damit es nicht zu einem ewigen «Fang mich, ich bin der Dieb» kommt, braucht es einen harten Strafenkatalog.
Wie beim FCB oder beim FCZ gibt es auch im Umfeld von YB gewaltbereite Fans, die vor allem an Auswärtsspielen ihr Unwesen treiben.
Unbestritten. Unsere Fans sind nicht alle Lämmer. Doch die Leute, die ich kenne, sind keine Hooligans. Es sind Ultras, die den Fussball lieben, die für eine gute Stimmung sorgen, die für die Choreografien verantwortlich sind, die in fremden Stadien auch Feuerwerk zünden und sich auch mal mit anderen Fans anlegen.
Verharmlosen Sie nicht ein wenig?
Das tue ich nicht. Ich verurteile jede Art von Gewalt. Was wir in den Fussballstadien zu sehen bekommen, ist meiner Meinung nach ein gesellschaftliches Problem. Deshalb müssen sich Stadionbetreiber, Swiss Football League, Klubs und Fangruppen unverzüglich zusammensetzen und ernsthaft überlegen, was zu machen ist, damit Fussballspiele von einer kleinen Minderheit nicht weiter für Krawalle und Ausschreitungen missbraucht werden können.
Quelle:
http://www.espace.ch/artikel_213030.html