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 Betreff des Beitrags: Re: (1) Marco Wölfli
 Beitrag Verfasst: Dienstag 4. August 2020, 11:27 
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Zitat:
Marco Wölfli macht Schluss

«Ich musste aufpassen, dass ich nicht zu weinen begann»

Nach über 20 Jahren bei den Young Boys hat der Torhüter gegen St. Gallen wohl seine letzte Partie bestritten.

Marco Wölfli, hinter Ihnen liegt Ihre 462. und höchstwahrscheinlich letzte Partie für YB…

… das ist so.

Und wie fühlt es sich an?

Ich sehe es mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Es war sehr emotional heute. Ich erhielt den ganzen Tag Nachrichten. Dann schaute ich plötzlich nach 60 Minuten hoch auf die Uhr und wusste: Wenn im Cup nichts mehr passiert, spielst du nur noch 15 Minuten in deiner Karriere.

Sie wussten also, dass der Trainer Sie zu Beginn der YB-Viertelstunde vom Feld nehmen würde?

Ja, das war abgesprochen.

Wie war es für Sie, als Sie vom Platz liefen und von sämtlichen Teamkollegen geherzt wurden?

Ich musste aufpassen, dass ich nicht zu weinen begann. Aber es ging einigermassen. Ich freute mich auf diesen Moment, auf der anderen Seite ist es schade, ist meine Karriere nun vorbei. Aber wenn man aufhört, soll das so sein. Jetzt freue ich mich auf das neue Kapitel, aber ich begreife es wohl erst, wenn wirklich mein letzter Tag hier vorbei ist.

Apropos neues Kapitel: Was werden Sie als nächstes tun?

Es ist noch zu früh, etwas darüber zu sagen. Ich geniesse jetzt den Moment – es gibt nichts Schöneres für einen Fussballer, als mit einem Titel aufhören zu können. Wenn du nach 20 Jahren zum ersten Mal Meister wirst und dann gleich drei Titel nacheinander gewinnst, dann ist das einfach schön.

Und mit dem Cup könnte sogar noch ein weiterer Pokal dazu kommen.

Den wollen wir unbedingt holen. Es wird nicht einfach in Luzern, aber wir glauben daran.

Double-Gewinner, das wäre ein wahrlich toller Abschluss.

Ich hätte nichts dagegen einzuwenden (lacht).

Über 20 Jahre spielten sie für YB. Was werden Sie am meisten vermissen?

Das wird mir wohl erst bewusst, wenn ich ganz aufgehört habe. Nun geniesse ich einfach den Moment, und dann bereite ich mich auf den Cup vor. Aber klar, das Kabinenleben, die Sprüche mit den Teamkollegen, das alles wird mir schon fehlen. Andererseits kann ich nun wieder mehr Zeit mit meinen Kollegen und meinen beiden Jungs verbringen. Darauf freue ich mich auch sehr.


https://www.bernerzeitung.ch/ich-musste ... 1285255400

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 Betreff des Beitrags: Re: (1) Marco Wölfli
 Beitrag Verfasst: Samstag 8. August 2020, 12:02 
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Wölfe und Blaubärte

Ob der Wolf in die Schweiz gehört oder nicht, darüber streiten sich seit Jahren nicht nur die Experten. Ein «Exemplar» zumindest mögen die allermeisten: «Unseren» Marco Wölfli, der bei YB konsequent «Wouf» gerufen wird. Bei der Krönung zum dritten Meistertitel in Folge hütete der 38-Jährige, der schon vor einiger Zeit seinen Rücktritt auf Ende Saison verkündet hat, noch einmal das Berner Tor. Und spielte erneut seine Stärken aus: Unaufgeregt die Mannschaft dirigierend, hielt er, was es zu halten galt. Stupende dazu seine fussballerischen Fähigkeiten. Gefühlte 95 Prozent seiner Pässe und Auskicke fanden den Mitspieler in den eigenen Reihen.

Einzigartig auch seine Ausstrahlung. Inzwischen ein geerdeter zweifacher Familienvater lässt er immer noch hie und da den ihm eigenen Schalk spielen, versprüht dieses «Lausbubenhafte», das ihm so viele Sympathien eingetragen hat. Die Merchandising-Abteilung von YB liess sich nicht lumpen und erstellte ein Shirt mit der Aufschrift «1998-2020-Merci Wouf». Darauf ist stilisiert diese Penalty-Parade aus dem April 2008 gegen Luzern zu erkennen, mit welchem er den Weg zum solange ersehnten Meistertitel ebnete. Der Stadtbummler erinnert sich auch heute noch mit wohligem Schaudern an das Stossgebet und den Dank von Marco Richtung Himmel und seinem kurz vorher verstorbenen Vater, den viele in unserer Stadt als «Ede» kannten.

Dank oder wegen seines nicht mehr ganz jugendlichen Alters hat der Stadtbummler schon so manche Modeströmung bei Kleidern wie Frisuren kommen und wieder verschwinden gesehen. Die jetzige wird jedoch an Extravaganz kaum mehr zu überbieten sein. In und absolut hip sind nämlich blaue Bärte, gerne auch schräg geschnitten, unter oder knapp über das Kinn reichend, getragen von Damen wie Herren. Besonders beliebt ist der Look übrigens bei Pendlern und Rauchenden und natürlich in der entsprechenden Kombination. Intellektuelle und Nostalgiker werden bei diesem «Blaubart» an das Grimmsche Märchen (Original aus dem Französischen) oder an die Erzählung von Max Frisch erinnert sein. «Holzweg» widerspricht da der Bummler, denn Vereinzelte scheren aus dem Blauen aus und tragen den Kinnschmuck in Weiss, Schwarz oder Farben, die ihnen gerade passen.

Nun, werte Leserin, werter Leser, Sie werden wohl längst gemerkt haben, worauf ich hinaus will und mit mir einig sein im Wunsch: «Möge dieser Trend so rasch wie möglich der Vergangenheit angehören!»


https://www.grenchnertagblatt.ch/soloth ... -138690079

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 Betreff des Beitrags: Re: (1) Marco Wölfli
 Beitrag Verfasst: Dienstag 18. August 2020, 11:34 
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WÖLFLI BIS ENDE AUGUST, FAIVRE NEUER ERSATZGOALIE

Der auslaufende Vertrag mit YB-Ersatzgoalie Marco Wölfli ist nochmals kurzfristig verlängert worden – bis zum Cupfinal am 30. August. Die Nachfolge der YB-Legende als Goalie-Nummer 2 ist derweil geklärt: Guillaume Faivre kommt ablösefrei vom FC Thun, nachdem sein Vertrag bei den Berner Oberländern ausgelaufen ist. Die Young Boys und der 33-jährige Neuenburger haben einen Kontrakt über eine Saison unterschrieben. Guillaume Faivre durchlief die Junioren-Stationen von Xamax und spielte 2007 erstmals für die erste Mannschaft der Neuenburger. Später folgten leihweise Gastspiele bei Vaduz und Wil, ehe er 2012 zum FC Thun wechselte.


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 Betreff des Beitrags: Re: (1) Marco Wölfli
 Beitrag Verfasst: Samstag 29. August 2020, 11:16 
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Wölfli im Abschiedsinterview

«Meine Karriere ist so kitschig wie ein schlechter Hollywoodfilm»

Nach dem Cupfinal gegen Basel tritt die Goalielegende ab. Im Interview blickt Marco Wölfli zurück auf zwei Jahrzehnte im Club – und sagt, in welcher Rolle er sich künftig bei YB sieht.

Marco Wölfli, es handelt sich wohl um Ihr letztes grösseres Interview als Fussballprofi…

…ich habe schon einige Male gedacht, nun komme mein letztes Spiel (lacht) – und dann ging es doch noch weiter. Aber ja, ich gehe davon aus…

...und deshalb dürfen Sie die erste Frage wünschen.

(überlegt) Ich wünsche mir keine Frage, ich stelle Ihnen eine: Welches war oder ist der mühsamste Interviewpartner bei YB? (lacht) Und nennen Sie einfach nicht mich.

Das ist schwierig zu beantworten. Aber…

...schon gut, ich erwarte keine Antwort. Doch Sie sehen: Es gibt gewisse Fragen, zu denen sollte man in der Öffentlichkeit besser nicht Stellung nehmen.

Sie haben das während Ihrer ganzen Karriere so gehandhabt, waren häufig ein gefragter Mann, liessen sich aber kaum je auf die Äste raus. Bewusst?

Ja. Kritik gehört in die Kabine, auf den Platz, aber sehr selten in die Öffentlichkeit. Zudem: Als Torhüter wirst du besonders häufig kritisiert. Ich habe auch deshalb immer eine gewisse Distanz zu den Medien gehalten und es auf diese Weise geschafft, Kritik nicht allzu persönlich zu nehmen. Ich sagte mir: Sie kritisieren den Goalie Wölfli, nicht den Menschen Marco.

«Wenn es in der Mannschaft und im Verein nicht harmoniert, kannst du keinen Erfolg haben – ganz egal, wie viele Bälle du als Goalie abwehrst.»

War es wirklich so einfach, mit Kritik umzugehen?

Nein. Erst recht nicht nach einem verlorenen Cupfinal oder einer verpassten Meisterschaft. Aber wenn du in einer solchen Situation bist, gibt es bereits genügend Angriffsfläche. Diese musst du nicht noch mit Worten in die falsche Richtung vergrössern. Die Frage, die ich Ihnen zum Auftakt gestellt habe: Was sollten Sie darauf auch antworten? Es ist besser, solche Dinge nicht in die Öffentlichkeit zu tragen. Ich sprach die Dinge immer intern an. Das hat auch mit Respekt zu tun.

In welchen Phasen waren Sie speziell gefordert?

Das war häufig der Fall (lacht). Nach verlorenen Cupfinals, Finalissimas, dem Verpassen der Europa League, oder wenn wir im Cup an einem Unterklassigen gescheitert waren... Läuft es gut, ist es einfach, ein Leader zu sein. Läuft es nicht, muss jeder zuerst selber schauen, dass er damit zurechtkommt. Aber genau in solchen Phasen zählt der Zusammenhalt, musst du Verantwortung übernehmen. Bei den einen musst du laut werden, andere brauchen Streicheleinheiten. Das Zwischenmenschliche war mir immer sehr wichtig.

Wie meinen Sie das?

Geht es deinen Nächsten gut, geht es dir automatisch besser. Diesen Gedanken möchte ich auch meinen Kindern mitgeben. Auf den Fussball bezogen: Wenn es in der Mannschaft und im Verein nicht harmoniert, kannst du keinen Erfolg haben – ganz egal, wie viele Bälle du als Goalie abwehrst. YB ist das beste Beispiel hierfür: Wir hatten häufig individuell stark besetzte Mannschaften. Aber es hat immer ein Puzzlestück gefehlt. Mal auf dem Platz, mal in den oberen Etagen: Irgendwo fehlte die Harmonie. So kriegst du das Bild nicht zusammen. Ich bin dankbar, haben wir in den letzten Jahren vieles besser gemacht – so darf ich als dreifacher Meister abtreten (lacht).

Ein wichtiges Puzzleteil, welches häufig gewechselt wird, ist der Trainer. Wie viele Trainer hatten Sie bei YB in der ersten Mannschaft?

Ich schätze 10 bis 12.

Stark! Es sind 11, die Interimslösungen Piserchia und Gämperle eingerechnet sogar 13.

Das waren einige.

Welcher Trainer hat Sie am stärksten geprägt?

Mit Vladimir Petkovic hatte ich eine intensive Beziehung. Er machte mich auch zum Captain. Die Zeit mit Adi Hütter war ebenfalls intensiv. Er war sehr fordernd, legte aber wie ich viel Wert auf das Zwischenmenschliche. Wir hatten es zu Beginn nicht immer einfach miteinander.

«Zwischen Adi Hütter und mir hat es auch mal ‹gchlepft› – aber am nächsten Morgen konnten wir uns immer in die Augen schauen.»

Weshalb nicht?

Hütter trat sofort sehr bestimmt auf und merkte danach, dass er noch näher mit dem Team zusammenarbeiten muss, dass es Zeit benötigt, die Mannschaft kennen zu lernen. Es gab einige Gespräche zwischen uns, es hat auch mal «gchlepft» – aber am nächsten Morgen konnten wir uns immer in die Augen schauen. Je näher wir dem Titel kamen, desto stärker wollte er die Mannschaft spüren, war pingelig und fragte immer wieder, wie die Stimmung sei (schmunzelt). Mich beeindruckte, wie gut er gegen innen und aussen kommunizierte. In dieser Hinsicht möchte ich auch Ottmar Hitzfeld erwähnen. Ich war im Nationalteam die Nummer zwei. Aber wenn er zum Gespräch bat, gab er mir das Gefühl, ich sei ein Spieler von Bayern München. Das macht einen grossen Trainer aus.

Dass er jedem das Gefühl gibt, wichtig zu sein?

Du kannst nie alle 25 Spieler zufriedenstellen. Aber du kannst erreichen, dass Harmonie herrscht. Hierfür musst du wissen, bei welchem Spieler welche Schraube zu drehen ist. So viele Nationalitäten, so viele Typen: Die Unterschiede in einem Team sind extrem. Der eine braucht einen Freitag mehr, weil er nicht der grosse Läufer ist, der andere braucht übertrieben gesagt vielleicht den besten Platz im Parkhaus und und und. Die grosse Herausforderung als Trainer und als Führungsspieler ist es, die richtigen Dinge zu tun und die richtigen Worte im passenden Moment zu finden, damit du aus jedem Spieler seine Stärken rausholen kannst.

Bei welchem Trainer gab es die grösste Diskrepanz zwischen Schein und Sein?

Ich habe vor jedem Trainer Respekt, egal ob ich ihn gut fand oder nicht. Mehr sage ich nicht dazu.

Und wie steht es in Bezug auf Ihre Mitspieler in all den Jahren: Möchten Sie einen hervorheben?

Es gab sehr viele intensive Momente. Ein Beispiel: Mit Steve von Bergen habe ich mich 2018 sehr häufig ausgetauscht. Wir sagten uns: Hey, jetzt schaffen wir es gegen Ende unserer Karriere doch noch, mit YB Meister zu werden. Solch gemeinsame Emotionen gab es viele. Es ist schwierig, da etwas rauszupicken.

Auch mit Guillaume Hoarau verbinden Sie spezielle Emotionen. Sie beide haben YB geprägt, werden das Team verlassen. Wird das gut kommen?

Gui war spielerisch ein Topshot, vor allem aber ist er ein sehr liebenswerter, positiv denkender Mensch. Er strahlt immer Optimismus und Fröhlichkeit aus. Klar wird dem Team nach unserem Abgang «chli öppis fähle» – das hoffe ich sogar (lacht).

Ihr früherer Teamkollege Raphaël Nuzzolo hat vor kurzem gesagt, der Schweizer Liga kämen die Identifikationsfiguren abhanden. Stimmt das?

Für junge Fussballer gibt es heutzutage viele Versuchungen: andere Ligen, mehr Geld, und all die Berater. Ich bin in Europa derjenige Spieler, der am längsten beim selben Profiverein geblieben ist. Allerdings gab es auch früher viele Wechsel. Wahrscheinlich hat Nuzzolo auch gemeint, es gebe weniger Charakterspieler. Das sehe ich auch so. Der Spieler, der durchdreht, wie das Thomas Gravesen und Gennaro Gattuso getan haben, den gibt es kaum mehr.

«Das Handy zerstört viele Gespräche. Die Ablenkung ist enorm, das Zwischenmenschliche kommt viel zu kurz.»

Weshalb nicht?

Weil er früh aus dem Raster fällt. Weil er nicht mehr in die heutige Zeit passt. Weil sofort alles aufgebauscht wird. Weil wir zu häufig am Handy sind, zu viel Ablenkung haben. Das führt dazu, dass die uneingeschränkte Leidenschaft für den Fussball zwar nicht gerade verloren geht, aber anders interpretiert wird. Die Ablenkung ist enorm, das Zwischenmenschliche kommt viel zu kurz. Deshalb werde ich meinen Kindern später einmal sagen: Wollt ihr gamen? Okay, aber dann bringt die Kollegen nach Hause mit, statt online zu gamen. Tauscht euch nicht nur per Whatsapp aus, sprecht zusammen, interagiert. Diese Veränderung spüre ich extrem.

Auch bei YB im Team?

Klar. Sind die Jungs am Handy, frage ich jeweils: Hey, schreibt ihr euch gerade gegenseitig? Sprecht doch zusammen, das ist schöner und wichtiger im Leben. Das Handy zerstört viele Gespräche. Du sprichst mit jemandem, nimmst rasch das Handy hervor, checkst die Mails, die neuen Mitteilungen in deinen 1000 Whatsapp-Gruppen, guckst die Nachrichten, noch kurz Instagram, Facebook... und über was haben wir schon wieder gesprochen? Diese Werte gehen leider verloren – und mit ihnen vielleicht auch der Respekt.

Erinnern Sie sich an Ihr Handy, als Sie bei YB anfingen?

(lacht) Ich bestritt im Oktober 1999 als 17-Jähriger das erste Spiel. Wahrscheinlich war es ein kleines Motorola, später eines von Sony Ericsson mit Klappe. Das ist so lange her.

«Mache ich einen Blödsinn auf dem Platz, muss ich dazu stehen können und nicht sagen, die Sonne habe mich geblendet.»

Sie sind YB – bis auf eineinhalb Leihjahre in Thun – stets treu geblieben. Was entgegnen Sie Leuten, die sagen, der Wölfli habe den bequemen Weg gewählt?

Ich hatte nie ein Gärtchen bei YB. Ich bin seit Jahrzehnten im Club. War das der einfache Weg? Schwierig zu sagen. 20 Jahre lang habe ich mit YB keinen Titel gewonnen, viele Veränderungen erlebt, den ganzen Prozess mit dem Stadionbau, die Diskussionen mit den Fans, wenn es nicht lief: Das war nicht einfach. Ich hätte es mir leichter machen können, indem ich eine andere Herausforderung angenommen hätte.

Vor allem zu jenem Zeitpunkt, als Sie den Nummer-eins-Status an Yvon Mvogo abgeben mussten.

Wäre der eingeschlagene Weg ein bequemer gewesen, hätte ich ihn nicht mit meinem Ehrgeiz vereinbaren können. Ich spielte 50 Partien pro Jahr, plötzlich waren es noch 3: Diesen Umstand zu akzeptieren, das war nicht einfach. Vor allem auch, wenn du merkst, dass du mithalten kannst. Aber für mich passte der Weg, ich sah die Herausforderung bei YB und war bei jeder Vertragsverlängerung glücklich.

Sie galten während Jahren als Symbol des freundlichen Verliererclubs. Ging Ihnen das nahe?

Auch hier gelang es mir, die Sache mit Distanz zu betrachten. Ich habe 2018 den Meistertitel nicht alleine gewonnen, genauso wenig habe ich die Finalissimas und Cupfinals nicht alleine verloren. Speziell für den Goalie ist die psychische Komponente enorm wichtig.

Inwiefern?

Oftmals erhält man während eines Spiels kaum Möglichkeiten, sich auszuzeichnen, muss bei den wenigen Szenen voll konzentriert sein. Und dann gibt es Phasen, in denen du nur einen Ball aufs Tor kriegst und erst noch unglücklich aussiehst. Ich lernte früh, meine Leistungen mit dem Goalietrainer kritisch zu analysieren. Mache ich einen Blödsinn auf dem Platz, muss ich dazu stehen können und nicht sagen, die Sonne habe mich geblendet oder der Ball sei rutschig gewesen. Viele Leute haben Mühe mit Kritik, ich nicht.

Vor dem Gewinn der Meisterschaft 2018 hatten Sie gesagt: «Ich würde auch ohne Titel von einer schönen Karriere sprechen.» Und doch veränderte der Erfolg vieles – einverstanden?

Meine Karriere ist so kitschig verlaufen wie ein schlechter Hollywoodfilm. So etwas ähnlich Emotionales wie den Titelgewinn 2018 wird es wahrscheinlich nie mehr geben. Dass ich dieses Ereignis miterleben konnte, dafür bin ich enorm dankbar. Aber ich bleibe dabei: Ich hätte auch sonst eine schöne Karriere gehabt. Ich war sechs Jahre lang im Nationalteam, war bei einer Weltmeisterschaft dabei und habe mit YB einige unvergessliche Partien im Europacup erlebt. Das i-Tüpfelchen hätte ohne Titelgewinn gefehlt, aber darüber muss ich mir ja keine Gedanken mehr machen (schmunzelt).

Das i-Tüpfelchen könnte am Sonntag noch bis zum letzten Strich ausgemalt werden, wenn Sie mit YB gegen Basel Ihren ersten Cupsieg holen.

Im allerletzten Spiel der Karriere den Cup zu holen und das Double zu gewinnen: Das wäre genial. Aber unabhängig davon: Es war so vieles genial in den letzten Jahren.

Nehmen Sie vor diesem Spiel bewusst alles wahr im Sinn von: Dies und das tue ich zum letzten Mal in meiner Karriere?

Ich weiss noch, wie ich den Teamkollegen sagte: Noch drei Monate, dann ist meine Karriere zu Ende. Jetzt sind es nur noch wenige Tage. Aber mir geht es gut, ich versuche die letzten Momente einfach zu geniessen.

Sie werden die Partie wahrscheinlich von der Bank aus verfolgen. Wie wichtig wäre dieser Cupsieg für Sie, für Ihre Karriere?

Natürlich wollen wir zum ersten Mal nach 62 Jahren das Double holen. Es gäbe nichts Schöneres. Ich habe grosse Lust, noch einmal ein bisschen Party zu machen. Ab einem gewissen Alter ergeben sich dazu nicht mehr viele Möglichkeiten (lacht).

Die Party wäre eingeschränkt, der Final wird ohne Zuschauer stattfinden. Schmerzt es nicht, in diesem Rahmen abzutreten?

Das sehe ich anders. Es ist für alle Menschen eine spezielle Zeit. Als ich im letzten Ligaspiel gegen St. Gallen spielen durfte, hörte ich jedes Wort meiner Kollegen auf der Tribüne, ihre Sprüche bei jedem Abstoss (lacht). Das war auch schön. Natürlich ist es jammerschade, dass die Zuschauer im Moment nicht ins Stadion dürfen. Das Wankdorf wäre nicht nur am Sonntag bis auf den letzten Platz gefüllt. Aber es bringt nichts, darüber nachzudenken, wie es ohne Pandemie sein könnte.

Steve von Bergen traf in seinem letzten Spiel zum ersten Mal für YB. Wer weiss, vielleicht werden Sie am Sonntag eingewechselt und halten den entscheidenden Penalty…

...ich hätte gegen St. Gallen einen allfälligen Penalty schiessen wollen. Aber meine Kollegen liessen mich im Stich und holten keinen heraus (schmunzelt).

«Ich tendiere zum Bereich Marketing, verbunden mit der Rolle als YB-Botschafter.»

Sie hatten im Sommer mit der Familie eine Reise geplant. Daraus wurde nichts. Was werden Sie nach dem Cupfinal tun?

Es ist nicht der Moment zum Reisen. Die Schweiz ist so schön. Ich habe den Eindruck, wir lernen gerade unser Land neu zu schätzen. Nach dem Final werde ich erst einmal runterfahren, die Zeit mit der Familie geniessen. Ich habe mir kürzlich ein E-Mountainbike gekauft und wurde Fan davon.

Sie bezeichnen sich selbst als «Sicherheitsmenschen». Entsprechend dürften Sie sich viele Gedanken darüber gemacht haben, wie es nach der Karriere weitergeht.

Das stimmt. Ich werde weiterhin für YB tätig sein. Die genaue Position werden wir bald definieren. Ich tendiere zum Bereich Marketing, verbunden mit der Rolle als YB-Botschafter. Daneben werde ich weitere Projekte verfolgen. Das Immobiliengeschäft ist meine zweite Leidenschaft und interessiert mich sehr.

Und den Goalietrainer Marco Wölfli…

...wird es bis auf weiteres nicht geben. Nach so langer Zeit möchte ich erst einmal Abstand vom Tagesgeschäft gewinnen. Aber wer weiss: In zwei Jahren wird es mich vielleicht wieder zurück auf den Platz ziehen.


https://www.bernerzeitung.ch/meine-karr ... 4087566422

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 Betreff des Beitrags: Re: (1) Marco Wölfli
 Beitrag Verfasst: Montag 31. August 2020, 19:03 
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