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 Betreff des Beitrags: Gabriel Urdaneta
 Beitrag Verfasst: Mittwoch 8. November 2017, 13:05 
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Registriert: Mittwoch 21. April 2004, 01:08
Beiträge: 13613
08.11.2017

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Gegner der Weltbesten

Der ehemalige YB-Spieler Gabriel Urdaneta ist als Nationalspieler Venezuelas den Stars von Brasilien und Argentinien gegenübergestanden. Seit zwei Monaten trainiert er den FC Köniz in der Promotion League.

Ein Stichwort reicht, dann sprudelt es aus Gabriel Urdaneta heraus wie aus einem Wasserfall. Die Erinnerungen sind präsent, als lägen sie kaum eine Woche ­zurück. Und nicht zehn oder fünfzehn Jahre. Der Trainer des FC Köniz sitzt auf der Tribüne am Sportplatz Liebefeld und denkt zurück an seine Zeit als Nationalspieler Venezuelas. «Ronaldinho war unglaublich.

In seinem zweiten Länderspiel verblüffte er schon alle», erzählt Urdaneta aufgeregt. «Schau dir auf Youtube das Video an!» An der Copa América 1999 wurde der spätere Weltfussballer gegen Venezuela eingewechselt. Cafú passte ihm den Ball zu, Ronaldinho überlupfte elegant den Verteidiger und liess dem Torhüter keine Chance.

Auch gegen den jungen Lionel Messi hat Urdaneta gespielt. Urdaneta hält das Panini-Album der WM 2006 in der Hand, blättert von den Brasilianern nach vorne zur Auswahl Argentiniens – die Gauchos scheint er gar noch mehr zu bewundern. Zigfach ist der heute 41-Jährige den beiden Topnationen begegnet. Urdaneta absolvierte achtzig Länderspiele, dreimal die Copa América, drei WM-Qualifikationen. Jetzt wirkt er im Liebefeld.

Luzern, Lugano, YB

Die Geschichte beginnt vor siebzehn Jahren: Urdaneta spielt um die Jahrtausendwende noch in der venezolanischen Hauptstadt Caracas und ist 23, als er sich für den Schritt ins Ausland entscheidet. Der Transfer zum FC Luzern kommt dank Geschäftsbeziehungen des Caracas-Präsidenten zur Schweizer Pharmaindustrie zustande – professionelles Scouting ist noch nicht weit verbreitet. Als er mit dem Zug am Bahnhof in Luzern direkt am See ankommt, ist der Venezolaner «sofort verliebt» in sein neues Zuhause.

Sportlich präsentiert sich die Situation allerdings bald kom­pliziert. Der FCL hat finanzielle Probleme, Trainer Andy Egli nimmt Urdaneta mit zu Waldhof Mannheim. Nach einem Jahr zieht Urdaneta bereits weiter zum FC Lugano, der aber kurze Zeit später in Konkurs geht. Via Kriens landet der Südamerikaner im Sommer 2004 bei YB. Unter Trainer Hans-Peter Zaugg spielt er in der Champions-League-Qualifikation gegen Roter Stern Belgrad, erlebt den Umzug ins neue Stade de Suisse. Und verliebt sich in eine Bernerin.

Liebhaber legendärer Stadien

Doch auch bei den Young Boys wird der Mittelfeldspieler nicht sesshaft. Nach einem Abstecher zu Vaduz wechselt Urdaneta zurück in sein Geburtsland. «Ich wollte meiner Freundin meine Heimat zeigen», erklärt der klein gewachsene, aufgeweckte Mann. Mit seinem neuen Verein Maracaibo kann er zudem in der Copa Libertadores antreten – und erfüllt sich zwei lang ersehnte Wünsche.

Urdaneta erzählt vom Spiel gegen Flamengo Rio de Janeiro im Maracanã und schildert begeistert den Auftritt im Hexenkessel «La Bombonera», der Pralinenschachtel, dem Zuhause der Boca Juniors in Buenos Aires. Als sich seine Karriere dem Ende zuneigt, kehrt der Südamerikaner in die Schweiz zurück, bezieht mit der Frau, die er inzwischen geheiratet hat, ein Haus im seeländischen Kallnach. Der ambitionierte FC Köniz bietet sich als finale Karrierestation an – Urdaneta verbringt drei Saisons unter anderen mit Carlos Varela und Miguel Portillo.

Vater und Juniorentrainer

Die Vorstädter beschäftigen Urdaneta sogleich als Ausbildner weiter – heute profitieren Junioren wie Spieler der ersten Mannschaft vom Erfahrungsschatz des Venezolaners. Vor knapp zwei Monaten hat der Vater von zwei Mädchen das Traineramt des Könizer Fanionteams übernommen. Das notwendige A-Diplom muss der Coach des Promotionsligisten noch absolvieren, «das wird schwierig» – Deutsch spricht er nur bruchstückhaft. Daneben leitet Urdaneta für die Junioren des Teams Köniz dreimal wöchentlich ein Fördertraining.

So auch an diesem Herbstmorgen. Die ersten Spieler trudeln auf dem Sportplatz ein, und Gabriel Urdaneta vergisst vor lauter Erzählen beinahe, dass die Arbeit ruft.


https://www.bernerzeitung.ch/sport/fuss ... y/22494714

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