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 Betreff des Beitrags: Re: (Trainer) - Adi Hütter
 Beitrag Verfasst: Samstag 22. Dezember 2018, 02:40 
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Ein letzter Höhepunkt

Adi Hütters Traumjahr geht mit dem Heimspiel gegen Bayern München zu Ende. Der YB-Meistertrainer arbeitet nach schwierigem Start auch bei Eintracht Frankfurt erfolgreich.

Auf dem sehr grossen, sehr ­unaufgeräumten Tisch im Büro in der Commerzbank-Arena liegt eine Packung Tabletten. Adi Hütter ist erkältet. Es sind intensive Zeiten, die letzte englische Woche der Vorrunde läuft, bald ist Weihnachten, ein Spiel noch für den Trainer Eintracht Frankfurts, heute Abend gegen Bayern München. Am Freitagmittag empfängt der Österreicher zum Gespräch, er wirkt keineswegs geschwächt, spricht munter über seine Zeit in Bern und den Titel mit YB, den Start in Frankfurt und das Ab und Auf – und zieht irgendwann prägnant Bilanz: «2018 ist das beste Jahr meiner Karriere.» Die Meisterschaft mit den Young Boys sei das schönste Erlebnis gewesen. «YB wartete 32 Jahre darauf – diese Fest­wochen im Frühling in Bern ­werde ich nie mehr vergessen.»

Am Samstag wartet auf Hütter in der Commerzbank-Arena ein letzter Höhepunkt 2018. Für ihn schliesst sich mit dem Heimspiel gegen die Bayern ein Kreis. ­Etwas mehr als vier Monate ist es erst her, als Frankfurt das erste von bisher 24 Pflichtspielen in dieser Saison gegen den Meister 0:5 verlor. Das war im Supercup, den Frankfurt bestreiten durfte, weil Bayerns Coach Niko Kovac die Eintracht ein paar Wochen ­vorher zum Pokalsieg geführt hatte. «Das waren damals zwei ganz andere Mannschaften», sagt Hütter am Freitag, «wir ­waren überhaupt nicht bereit. Nun wollen wir die Bayern ­fordern.» Das wird er gleich auch an der live am TV übertragenen Pressekonferenz vor über ­zwei Dutzend Medienvertretern ­sagen. In Bern waren am Freitag jeweils zwei, drei Journalisten zum Gespräch mit dem Trainer erschienen. Hütter nimmt sich wie immer vor, eine Botschaft zu platzieren; es wird die Aussage sein, dass Bayern gegen Frankfurt immer Favorit sei. In seinem Büro schmunzelt er, als er meint, es sei schön, ohne Druck ins Spitzenspiel steigen zu können.

Mit Mut und Leidenschaft

Die Entwicklung Frankfurts zum Teilnehmer an einem Bundesliga-Spitzenspiel ist beinahe märchenhaft. Eine Woche nach dem Debakel gegen die Bayern im Supercup schied Hütter mit dem Titelverteidiger im DFB-Pokal beim viertklassigen Ulm 1:2 aus. Das war eine Blamage, und weil nach 5 Runden erst 4 Punkte auf dem Konto lagen, wehte Hütter im Spätsommer ein scharfer Wind entgegen. «Bild» ernannte ihn trotz Vertrag bis 2021 zum am meisten gefährdeten Coach der Liga. Heute sagt Hütter, die Situation sei schon heikel gewesen: «Starke Fussballer wurden verkauft, wir hatten viele Verletzte, das Team spielte vorher viel defensiver und musste sich an mich gewöhnen, zudem waren die Erwartungen nach der tollen letzten Saison sehr hoch.»

Hütter hat den Turnaround spektakulär realisiert, dabei ist er sich und seinen Prinzipien treu geblieben. «Es wäre absurd gewesen, hätte ich auf einmal den Bus am Strafraum parkiert», sagt der 48-Jährige. Er stellte um auf ein forsch interpretiertes 3-5-2-System, das 4:1 gegen Hannover war der Startschuss zu einem bemerkenswerten Herbst, seither fliegt Frankfurt durch die Wochen. Aggressiv und leidenschaftlich, mit hohem Pressing und mutiger Spielweise. Die ­Defensive vor dem starken Torhüter Kevin Trapp, Leihgabe von Paris Saint-Germain, räumt ab, die Aufbauer, zu denen der Schweizer Gelson Fernandes ­gehört, rennen und kämpfen wie verrückt, vorne brilliert ein Trio.

«2018 ist das beste Jahr meiner Karriere – der Titel ist das schönste Erlebnis.»

Sébastien Haller ist einer wie YB-Torjäger Guillaume Hoarau, gross und wuchtig und dennoch spielstark – einer, der die «Bälle festmacht», wie Hütter formuliert. Ante Rebic, der kroatische WM-Finalist, ist der Techniker mit enormer Geschwindigkeit, und mit Luka Jovic steht ein ­herausragender Skorer im Team. Der Serbe ist erst 20, galt früh als Riesentalent, scheiterte aber bei Benfica Lissabon, nun reüssiert er bei der Eintracht aus allen ­Lagen. «Ich habe noch nie einen derart kaltblütigen, präzisen Stürmer gesehen», sagt Hütter, «Luka trifft mit dem Kopf, mit rechts, mit links, er kann alles.» 12 Tore in 14 Bundesligaspielen sind es diese Saison, zuletzt erzielte Jovic am Mittwoch beide Treffer beim 2:2 in Mainz, fünfmal hat er in sechs Europa-League-Einsätzen getroffen.

Auf Rang 5 ist Frankfurt angelangt, ein Punkt vom Vierten Leipzig und der Champions-League-Qualifikation entfernt, in der Europa League gewann das Team in der schwierigen Gruppe mit Lazio Rom, Marseille und Limassol alle sechs Partien, total schoss die Eintracht 52 Pflichtspieltore. Hütter sagt, es sei schön, zu sehen, wie begeistert und stolz die Menschen in Frankfurt auf den Club seien. Er ist in der Bundesliga angekommen, kürzlich war er Gast im «Aktuellen Sportstudio» im ZDF, seine fein konzipierte Laufbahn wird kaum bei der Eintracht zu Ende gehen. Morgen reist Hütter vorerst in die kurzen Winterferien zu Frau und Tochter nach Salzburg, Anfang 2019 kehrt er zurück nach Frankfurt, Mitte Januar schon startet die Rückrunde.

Traum Champions League

Und was muss passieren, damit Hütter in 12 Monaten sagen wird, 2019 sei das beste Jahr seiner Karriere gewesen? «Das wird sehr schwierig. Es wäre ein ­riesiger Erfolg, Eintracht in die Champions League zu führen, dann hätten wir als Mittelfeldteam einige Clubs mit deutlich besseren wirtschaftlichen Möglichkeiten hinter uns gelassen. Und in der Europa League wollen wir unseren Lauf fortsetzen.»

In den Sechzehntelfinals trifft Frankfurt auf Schachtar Donezk, dieses Team kennt Hütter, mit YB setzte er sich 2016 in der 3. Qualifikationsrunde zur Champions League nach Elfmeterschiessen gegen den ukrainischen Spitzenclub durch. In der Königsklasse aber war er als Trainer noch nie.


https://www.bernerzeitung.ch/sport/fuss ... y/18981309

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 Betreff des Beitrags: Re: (Trainer) - Adi Hütter
 Beitrag Verfasst: Samstag 29. Dezember 2018, 17:51 
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«Ich ziehe es durch - friss oder stirb»

Mit YB wurde Adi Hütter Meister, mit Eintracht Frankfurt hält er vorne mit. Er sagt wie die Berner in der Bundesliga abschneiden würden und warum ihm im Fussball immer alles zu schnell geht.

Können Sie Ihr Trainerjahr 2018 in ein paar Sätzen zusammenfassen?
Es war das beste Jahr meiner Karriere. Der Titel mit YB, der Wechsel in die Bundesliga, die Steigerung mit Frankfurt nach schwierigem Start, die sechs Siege in der Europa League.

Und was war Ihr Höhepunkt?
Die Entwicklung in Frankfurt ist überragend. Am Ende ist das aber schon der Schweizer Meistertitel, weil man da etwas in der Hand hat und wir darauf fast drei Jahre hingearbeitet haben. Mit Red Bull Salzburg Meister und Cupsieger zu werden, dass haben andere Trainer auch geschafft. YB wartete 32 Jahre.

Sie hatten im November 2017 Bremen abgesagt. Wie nahe waren Sie bereits da an einem Wechsel nach Deutschland?
Damals war es einfach der falsche Zeitpunkt für eine Veränderung, das galt auch für das österreichische Nationalteam. Die Arbeit bei YB war nicht beendet. Es wäre ein falsches Zeichen gewesen, den Club zu verlassen.

Gegen Ende Saison waren dann nicht viele Plätze in der Bundesliga, ihrer erklärten Traumliga, frei. Sie pokerten hoch.
Nicht unbedingt. Es war nicht so, dass ich meinen Berater jeden Tag anrief und mich erkundigte, wie viele Angebote es gebe. Ich hatte bei YB noch ein Jahr Vertrag, es gefiel mir sehr in Bern, die Champions League lockte.

«Ich hätte gerne Kevin Mbabu geholt. Aber es war unrealistisch.»

Haben Sie lange überlegt, als sich das Interesse von Frankfurt konkretisierte?
Irgendwann im Frühling hat es sich abgezeichnet, dass wir Meister werden würden. Ein Trainer, der in Österreich und in der Schweiz Titel gewinnt, wird automatisch ein Thema in der Bundesliga. Und wie viele Chancen erhält man im Leben? Zudem überzeugten mich die Gespräche mit Eintracht Frankfurt.

Sie hätten auf noch grössere Clubs warten können.
(lacht) Bayern und Dortmund wären unrealistisch gewesen. Im Ernst: Frankfurt ist ein Topclub, bestens aufgestellt, ein Traditionsverein. Aber natürlich war mir klar, dass die Nachfolge von Niko Kovac schwierig werden würde. Er hatte hervorragend gearbeitet und wechselte zu Bayern. Und als ich bereits als neuer Trainer feststand, gewann Frankfurt noch den Pokalfinal gegen die Bayern. Das freute mich sehr, aber gleichzeitig wurde der Druck nicht kleiner.

Was ist denn in der täglichen Arbeit der grösste Unterschied zwischen YB und Frankfurt?
In Bern hatten wir 13 Nationen im Kader, hier sind es 17, die Teamzusammenstellung ist ähnlich. Allerdings hat es in Frankfurt deutlich mehr Spieler, in der Summe ist einfach alles viel grösser. Wir hatten im Trainingslager 29 Fussballer und 24 Staffmitglieder dabei, bei den Young Boys waren es insgesamt etwas mehr als 30 Personen.

Und wer ist besser?
Im Sommer hätte ich nicht gesagt, dass Frankfurt von fünf Spielen gegen YB drei gewinnt. Heute sehe ich das anders. (schmunzelt) Wir haben eine richtig starke Mannschaft mit viel Power und herausragenden Einzelspielern wie Torhüter Kevin Trapp oder den Stürmern Ante Rebic und Luka Jovic, der gerade 21 geworden ist, aber unfassbar komplett ist. Im Mittelfeld mussten wir ein wenig experimentieren. Mittlerweile klappt das ganz ordentlich, auch dank dem Schweizer Gelson Fernandes. Er ist ein unglaublich verlässlicher Spieler, immer positiv, er ist wie ein Spielertrainer, spricht sechs Sprachen, geht voran. Teams zu vergleichen, ist aber immer schwierig, beide haben eine herausragende Mentalität. YB würde in der Bundesliga problemlos mithalten.

Was hat sich für Sie verändert?
Die Dimensionen in der Bundesliga sind in jeder Beziehung gigantischer. Am Freitag vor einem Spiel beispielsweise kommen nicht mehr zwei, drei Journalisten an das Pressegespräch wie in Bern, sondern 10, 15, manchmal 20. Das Interesse ist riesig, es gibt Boulevardmedien, Fachzeitschriften, regionale Zeitungen, TV, Radio, Online. Viele Menschen, auch Journalisten, sind sehr leidenschaftlich dabei.

Wie äussert sich das konkret?
Bern ist eine tolle Fussballstadt, aber ich sage immer: In Österreich und in der Schweiz ist Fussball kein Teil der Kultur. Das ist in Deutschland ganz anders. Hier geht es um Fussball, Fussball, Fussball. Unsere Fans reisen in der Europa League überall mit, in Zypern waren über 5000, alle im grauen Pulli, beim Spiel in Rom gegen Lazio kürzlich wollten 17000 dabei sein, obwohl wir schon als Gruppensieger feststanden. Nun sind wir im Sechzehntel final, theoretisch aber sind alle Heimspiele bis zum Final bereits ausverkauft.

Sie waren im Herbst Studiogast im «Aktuellen Sportstudio» des ZDF. War das für Sie der Moment, in dem Sie realisierten, dass Sie es auch in Deutschland geschafft haben?
In erster Linie war es eine grosse Ehre, eingeladen zu sein. Das «Aktuelle Sportstudio» habe ich schon als Bub geschaut. Ich bin aber bald 49 und erfahren genug, um solche Dinge einordnen zu können. Als neuer Trainer aus dem Ausland ist man spannend, wenn es einem Team läuft.

«Die Dimensionen in der Bundesliga sind in jeder Beziehung gigantischer.»

Dabei war Ihr Start in Deutschland miserabel: 0:5 im Supercup gegen die Bayern, Aus im Pokal gegen das viertklassige Ulm, 4 Punkte nach 5 Runden.
Das waren harte Wochen. Die Eintracht verlor einige Stammspieler, wie waren Anfang Saison nicht bereit, zudem liess ich das Team viel offensiver agieren als letzte Saison. Wir hatten schwierige Begegnungen, etwa in Dortmund und Gladbach.

Die Kritiken waren hart, Sie wurden trotz Dreijahresvertrag heftig attackiert. Wie sind Sie damit umgegangen?
Es ist nicht schön, wenn man liest, man sei Topkandidat für die erste Trainerentlassung. Aber so läuft das in der Bundesliga, und mir war ja auch klar, dass ich nicht noch wochenlang verlieren darf. Dann kam das 4:1 unter Druck gegen das ebenfalls schlecht gestartete Hannover, das war der Befreiungsschlag, seither läuft es, wir stehen auf Rang 6, das ist top.

Hatten Sie in der schwierigen Phase Bedenken, es nicht schaffen zu können?
Nein. Wir haben die Ruhe bewahrt, der Verein stand immer hinter mir, keiner liess sich verrückt machen. Und ich glaube an das, was ich tue, und ziehe es durch. Entweder man schafft es - oder nicht. Friss oder stirb. Ich wäre ja nicht mehr ich selber, wenn ich komplett meine Linie verlassen hätte. Was hätten Zuschauer und Journalisten gesagt, wenn wir gemauert hätten, nachdem ich immer gesagt hatte, dass wir attraktiven Fussball bieten wollen? Entscheidend ist, dass die Spieler an den Weg glauben, den ihnen der Trainer aufzeigt.

Nun haben Sie sich in Deutschland etabliert und gelten bereits als Kandidat für Topteams.
Mir geht das im Fussball alles immer viel zu schnell. Hätten wir vor drei Monaten noch ein paarmal mehr verloren, wäre es für mich richtig eng geworden. Dann wäre ich heute vielleicht der Trainer, der zwar in der Schweiz und in Österreich erfolgreich sein kann, aber in der Bundesliga kläglich scheiterte.

Wie nahe war eigentlich YB-Rechtsverteidiger Kevin Mbabu im Sommer an einem Transfer nach Frankfurt?
Ich hätte ihn gerne geholt, es gibt ohnehin einige richtig starke Spieler bei YB, die jung, talentiert und entwicklungsfähig sind. Aber der französische Stürmer Sébastien Haller ist Eintrachts Rekordtransfer, er kostete rund 8 Millionen Franken. Da ist es unrealistisch, für einen rechten Verteidiger aus der Schweiz 10Millionen oder mehr auszugeben. Darüber habe ich auch mit YB-Sportchef Christoph Spycher gesprochen. Wir müssen seine Vorstellungen akzeptieren.

Sie sagten zu Beginn des Gesprächs, 2018 sei das beste Jahr Ihrer Karriere gewesen. In der Wahl zum Schweizer Trainer und Team des Jahres wurden Sie und YB aber von Patrick Fischer und seiner Eishockey-Nationalmannschaft geschlagen. Können Sie das nachvollziehen?
Die Schweiz hat den WM-Final erreicht, das ist stark. Ich habe mit Patrick Fischer an der Ehrung gesprochen, er ist ein sympathischer Kerl, der die Wahl verdient hat. Mich hätte es gefreut, wenn YB zum Team des Jahres gewählt worden wäre, aber es ist normal, dass eine nationale Auswahl mehr Stimmen erhält.

Und was muss passieren, damit Sie in einem Jahr sagen können, 2019 sei das beste Jahr Ihrer Karriere gewesen?
Dann müssten wir wohl in die Champions League einziehen, das wäre ein Coup, Rang 4 ist vier Punkte entfernt. Entscheidend wird auch sein, was in der Europa League passiert. Es geht schnell im Fussball. Man sollte nicht träumen, sonst wird man von der Realität eingeholt.


Meister und Überflieger

Kurz vor Ende eines intensiven, ereignisreichen Jahres empfängt Adi Hütter zum ausführlichen Gespräch in seinem Büro in der Commerzbank-Arena in Frankfurt. Mit den Young Boys wurde der 48-jährige Trainer im Frühling Meister, im Herbst führte der Österreicher seinen neuen Verein Eintracht Frankfurt nach äusserst schwierigem Saisonstart mit attraktivem Fussball in die Spitzengruppe der Bundesliga. Zuletzt ging Hütters Mannschaft ein wenig die Puste aus, Rang 6 zur Winterpause ist für die Eintracht aber eine starke Leistung.



https://www.derbund.ch/sport/fussball/I ... y/20685715

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