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 Betreff des Beitrags: Re: (31) Ezgyan Alioski
 Beitrag Verfasst: Freitag 28. Dezember 2018, 02:02 
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Ein bisschen verrückt

Der frühere YB-Junior Ezgjan Alioski ist mit Leeds United auf Erfolgskurs. Vielleicht spielt der 26-Jährige bald in der Premier League. Es wäre die vorläufige Krönung einer erstaunlichen Karriere.

Weihnachten und Altjahreswoche als besinnliche, fussballfreie Zeit? Seit Ewigkeiten bekanntlich nicht in England. Der Ball rollt über die Festtage, und wie, Leeds United etwa bestreitet innerhalb von neun Tagen vier Partien! «Man gewöhnt sich an vieles», sagt Ezgjan Alioski, «aber das geht schon an die Substanz. Vor allem in unserer Liga.»

Alioski spielt bei Leeds United in der Championship, das ist die höchste Liga unterhalb der Premier League, in der Fussball manchmal noch recht rustikal vorgetragen wird. Mit hohen, langen Bällen, intensiven Zweikämpfen, Applaus für knackige Grätschen.

Am 23. Dezember setzte sich Leeds im Duell zweier Traditionsclubs und Aufstiegsaspiranten nach 0:2-Pausenrückstand spektakulär 3:2 bei Aston Villa durch. Der Villa Park war mit 41500 Besuchern ausverkauft, Alioski bereitete den Siegtreffer in der 95. Minute durch Torjäger Kemar Roofe vor. Und so überweihnachtete Leeds auf Rang 1, gestern kam es bereits zum Heimspiel gegen Blackburn, wie Leeds ein dreifacher englischer Champion auf dem Weg zurück nach oben.

Glorreiche Vergangenheit

Der Championship geht es dank üppigen Einnahmen aus TV-Verträgen, Sponsoring und Stadioneintritten prächtig, es ist nach den Top-5 die grösste Liga Europas. «Der Verdrängungskampf ist riesig», sagt Alioski, «alle wollen in die Premier League.»

«Die Erwartungshaltung ist hoch. Wir werden regelmässig daran erinnert, wie erfolgreich Leeds einmal war.»

Der Zuschauerdurchschnitt in der Liga beträgt knapp 20'000, Leeds hat nach Aston Villa (34'500) mit 32'000 den zweithöchsten, die Stimmung an der Elland Road ist grandios, auch auswärts wird das Team stets von mehreren Tausend Supportern begleitet. «Die Erwartungshaltung ist hoch», sagt Alioski, «wir werden regelmässig daran erinnert, wie erfolgreich Leeds einmal war.»

1969, 1974 und zuletzt 1992 (unter anderem mit Eric Cantona) wurde der Verein Meister, in den Siebzigerjahren erreichte er Finals in Landesmeistercup und Pokalsiegercup, Leeds besitzt nach wie vor die drittgrösste Fangemeinde des Landes nach Manchester United und Liverpool. «Fussball ist wie Religion hier», sagt Alioski beim Gespräch Ende November in Leeds, «die Menschen identifizieren sich enorm stark mit uns.»

Keine Chance bei YB

Ezgjan Alioski hat als Treffpunkt den Starbucks bei sich im modernen Wohnturm mitten in der Studentenstadt mit etwas mehr als einer halben Million Einwohnern vorgeschlagen. Es ist der Tag vor dem Champions-League-Auftritt der Young Boys im nahen Old Trafford gegen Manchester United, den Alioski, ehemaliger YB-Junior, gerne besucht hätte.

Aber er spielt an diesem Dienstagabend ebenfalls, das 1:0 gegen Reading ist der zweite von sechs Siegen in Serie bis Weihnachten. «Nun kommt eine entscheidende Phase», sagt Alioski im Starbucks, «im Dezember werden die Weichen gestellt.»

Alioski ist einen weiten Weg gegangen, um als Fussballer glücklich zu werden. Er hat sich durchgesetzt, obwohl er in einer dunklen YB-Zeit in den Jahren 2011 bis 2013 von den Verantwortlichen der Young Boys mehrmals mitgeteilt erhielt, er genüge den Ansprüchen an einen Super-League-Spieler niemals. Der damalige YB-Sportdirektor Hansruedi Hasler sagte Alioski, dessen Vater und dem Berater sogar einmal: «Das reicht bestenfalls für die 1. Liga Classic.»

«Ich erhielt nie eine faire Chance bei YB. Aber ich verlor den Glauben nie, den Durchbruch noch zu realisieren.»

Alioski, der Bern-Freiburger mit mazedonischen Wurzeln, kam mit seiner Familie als Vierjähriger in die Schweiz und wechselte bereits mit 11 von Flamatt zu den Young Boys. Er stand im Kader der ersten Mannschaft, war als Linksverteidiger Ersatz des heutigen YB-Sportchefs Christoph Spycher. «Ich erhielt nie eine faire Chance bei YB», sagt er. Ironischerweise war es ein Stadtberner, der seine Karriere rettete. Coach Maurizio Jacobacci, damals bei Schaffhausen, setzte auf Alioski, und nach dem Wechsel zu Lugano startete der flinke Fussballer durch.

Zemans zündende Idee

Es war ein Trainer mit Weltruf, der Alioski umfunktionierte vom stürmischen Linksverteidiger mit taktischen Mängeln zum Flügelflitzer, der weiss, wie ein Verteidiger denkt. Zdenek Zeman, heute 71, ein oft verrückter Kauz, erkannte in Lugano das Offensivpotenzial Alioskis. «Ich habe Jacobacci und Zeman viel zu verdanken», sagt Alioski, «aber ich verlor den Glauben sowieso nie, den Durchbruch noch zu realisieren.»

Nach einer überragenden Saison mit Lugano als bester Skorer der Super League (16 Tore, 14 Assists) standen die Interessenten im Sommer 2017 Schlange. Vereine aus Deutschland und Italien und weiteren Ländern sowie die nationale Prominenz wie Basel, YB, Sion und Zürich – aber für die Super League war Alioski auf einmal zu gross geworden. «Mich reizte eine spezielle Herausforderung», sagt der heute 26-Jährige, «und als ich von Leeds hörte, war ich sofort fasziniert.»

Und so wechselte Alioski vor eineinhalb Jahren nach England. «Ezgjan Who?», schrieben die bissigen Boulevardgazetten der Stadt. Bald hatte Alioski die Skeptiker überzeugt, heute wird er mit einem Duracellhasen verglichen, der läuft und läuft und läuft – und dabei mit seinen Dribblings wertvolle Dienste leistet.

Er trägt die Nummer 10 wie einst bei Leeds der grossartige Australier Harry Kewell. Das verpflichtet. In seiner Premierensaison gelangen ihm in 42 Ligaeinsätzen 7 Tore und 5 Assists, das ist ordentlich, aber nicht überragend. Dank Fleiss, Einsatz, Leidenschaft definiert sich der Status des Flügels aber nicht nur über Skorerpunkte. Auch in dieser Spielzeit (bisher 3 Treffer und 3 Assists) ist er Stammkraft, was anstrengend sein kann bei 24 Teams und 46 Begegnungen allein in der Meisterschaft.

Dazu kommen zwei Cupwettbewerbe und damit fast nur englische Wochen im Sinn der Bezeichnung. «Manchmal tut einem der Körper schon sehr weh bei so kurzer Erholungszeit», sagt Alioski, «aber da muss man durch. Zumal wir ein Team sind, das spielerisch den Sieg sucht, was es in dieser Liga nicht immer leicht macht.»

Erfolg mit «El Loco»

In der Leeds-Offensive stehen fast nur kleingewachsene Akteure wie Alioski (171 Zentimeter). Das gefällt dem Trainer, der wie Zeman weltbekannt ist und eine Art Guru (manche sagen: ein Spinner!). Der 63-jährige Marcelo Bielsa ist ein hochdekorierter Fussballlehrer mit Vergangenheit unter anderem als Coach von Argentinien und Chile, Marseille und Lazio Rom. Der Argentinier setzt auf eine gepflegte Spielweise und trägt seit langem den Übernamen «El Loco» (der Verrückte). Laut Alioski hochverdient. «Er will immer mehr, ist unfassbar akribisch, das kann mühsam sein, ist aber lehrreich für uns. Und die Resultate sprechen für ihn.»

Alioski erzählt von der Vorbereitung im Sommer, in der Bielsa nach seiner Ankunft das Team nahezu kasernierte und immer wieder stundenlange Einheiten einbaute, in denen er die Fussballer wie Schachfiguren auf dem Platz hin und her schob. «Der Trainer ist ein riesengrosser Taktiker, alles muss perfekt sein, sonst gibt er keine Ruhe.» Auch die Ansprachen seien feurig, Eins-zu-eins-Kontakt mit dem Mister gebe es aber selten, dessen Assistenten würden viele Gespräche führen.

Alioski ist also bei seinem Jugend- und Herzensclub YB gescheitert, realisierte über beschwerliche Umwege seinen Traum vom Profifussballer, hatte das Privileg, unter Zdenek Zeman und Marcelo Bielsa Spieler zu sein – und steht mit 26 immer noch mitten in seiner Karriere. In Leeds gefällt es ihm, die Premier League reizt ihn, und doch kann man sich vorstellen, dass der feingliedrige Techniker noch in einem anderen Land spielen wird – und irgendwann bei YB Versäumtes nachholt. «Ich habe gelernt, dass man nicht zu viel planen sollte», sagt er, «es kommt, wie es kommen muss.»

Mit Mazedonien an die Euro?

Aktuell läuft es Ezgjan Alioski, der von allen einfachheitshalber «Gianni» gerufen wird. Das gilt auch für das mazedonische Nationalteam, in dem er Stammspieler ist – und in der Nations League in die Division C aufstieg. Das bedeutet, dass die Aussichten gar nicht so schlecht sind, die Euro 2020 zu erreichen.

Im übernächsten Frühling muss Mazedonien dazu das Playoff gegen Georgien, Weissrussland und den Kosovo gewinnen, sollte es nicht bereits in der EM-Qualifikation mit einem Ticket geklappt haben. «Wir haben eine sehr talentierte Generation», sagt der 21-fache Nationalspieler, «und natürlich träumen alle im Land von der ersten Teilnahme an einem Turnier.»

Vielleicht wird Alioski 2020 ein Premier-League-Spieler sein. Nach dem 3:2 gestern gegen Blackburn, dem siebten Sieg in Serie, liegt Leeds weiter auf Rang 1. An der ausverkauften Elland Road geriet das überlegene Leeds in der 90. Minute 1:2 in Rückstand, doch Kemar Roofe schlug erneut in der Nachspielzeit zu, diesmal sogar zweimal! Schon am Sonntag geht es mit dem Heimspiel gegen Hull weiter, 2019 wird am 1. Januar mit der Begegnung in Nottingham eingeläutet. «Eine Partie nach der anderen», sagt Alioski zum Motto in diesen Tagen. «Und vor allem: Nicht zu oft auf den Spielplan gucken.»

Gute Aussichten in der Liga

Leeds United steht nach 15 Jahren jedenfalls vor der Rückkehr in die Premier League. Die ersten zwei Teams steigen direkt auf, jene auf den Rängen 3 bis 6 bestreiten in Wembley Aufstiegsspiele um zwei weitere begehrte Plätze in der Eliteliga. Der Dritte West Bromwich liegt mittlerweile schon 6 Punkte hinter Leeds, der Siebte Birmingham gar 14. «Wir sind gut unterwegs», sagt Alioski, «doch der Modus mit Playoffs nach einer so langen Saison ist schon ein wenig verrückt.»

Das passt ganz gut zu seiner eigenen Geschichte.


https://www.bernerzeitung.ch/sport/fuss ... y/30296797

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 Betreff des Beitrags: Re: (31) Ezgyan Alioski
 Beitrag Verfasst: Sonntag 17. Mai 2020, 21:28 
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Der ehemalige YB-Junior Ezgjan Alioski ist Marcelo Bielsas Lieblingsschüler

Unser Kolumnist Pedro Lenz über den fussballverrückten argentinischen Trainer Marcelo Bielsa und seinen Einfluss auf die Spieler.

Neulich wurde der 35-jährige Leeds-United-Spieler Pablo Hernández gefragt, wie es sei, unter dem legendären Trainer Marcelo Bielsa zu spielen. Hernández, der zuvor unter anderem an der Seite von David Villa für Valencia gekickt hatte und eine lange Profikarriere hinter sich hat, bezeichnete Bielsa als mit Abstand besten Trainer seiner gesamten Laufbahn. Eigentlich habe er als 35-jähriger Routinier geglaubt, er wisse mehr oder weniger alles, was man über Fussball wissen könne. Beim Argentinier Bielsa, der in seiner Heimat «der verrückte Bielsa» genannt wird, lerne er nun aber jeden Tag dazu. Es komme ihm fast vor, als beginne er dank Bielsa erst jetzt zu verstehen, wie schön und wie vielfältig der Fussball ist.

Das Interview, das die spanische Fachzeitung «Marca» mit dem Leeds-Spieler führte, ist eine einzige Hommage an Marcelo Bielsa. Leeds United ist der gegenwärtige Leader der englischen Championship, der zweitobersten Liga im Mutterland des Fussballs. Der Club hat eine grosse Geschichte und gehörte in den 1960er- und 1970er-Jahren zum Besten, was Europas Fussball zu bieten hatte. Den letzten Meistertitel holte Leeds United im Jahr 1992. Seinen Tiefpunkt erlebte der Club mit dem erstmaligen Abstieg in die drittoberste Liga im Jahr 2007.

Leeds ist wieder aufgestanden und zurzeit sind die Ambitionen riesig. Der Wiederaufstieg in die Premier League wäre diese Saison nur noch Form­sache gewesen, aber jetzt folgt wegen Corona eine Zeit der Ungewissheit: Vielleicht muss Bielsa mit seiner Truppe nächste Saison einen neuen Anlauf nehmen. Es sei ein Privileg, einmal im Leben unter Bielsa gespielt zu haben, sagte Hernández. Und weil der Journalist, der ihn interviewte, offenbar genug hatte, immer nur Bielsas Namen zu hören, bat er Hernández zu sagen, welchen Mitspieler von Leeds United er am meisten bewundere.

Sein zurzeit bester Mitspieler sei zweifellos Ezgjan Alioski, sagte der Spanier. Wir Schweizer Fussballfans hatten den ehemaligen YB-Junior mit Stationen in Schaffhausen und Lugano schon fast vergessen. Aber vielleicht sorgt der mazedonisch-schweizerische Offensivspieler Alioski, von dem es heisst, er sei Bielsas Lieblingsschüler, bald in der Premier League für Furore.


https://www.tagblatt.ch/sport/bielsas-l ... ld.1221080

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 Betreff des Beitrags: Re: (31) Ezgyan Alioski
 Beitrag Verfasst: Dienstag 28. Juli 2020, 01:41 
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Leeds-Star Ezgjan Alioski

Einst bei YB aussortiert – jetzt ein Premier-League-Star

Vor 7 Jahren wurde Ezgjan «Gianni» Alioski (28) von YB für zu wenig gut befunden, trainierte wochenlang mit seinem Vater. Der kleine Bub aus Flamatt FR stürmt nun mit Leeds in die Premier League. «Das wäre ein toller Titel», sagt Alioski und lacht.

BLICK: Gianni Alioski, sind Sie wieder nüchtern?
Ezgjan Gianni Alioski: Ja. Alles klar. Es war aber schon eine wahnsinnige Woche. Erst haben wir gefeiert, als der Aufstieg feststand. Tags darauf dann, weil wir Meister der Championship geworden sind. An beiden Tagen haben wir zwar nicht gespielt, aber unsere direkten Konkurrenten haben Punkte liegen gelassen. Die Partys waren unglaublich. Die Leeds-Fans kann man nicht stoppen, die feiern noch immer und werden wohl noch feiern, wenn wir unser erstes Spiel in der Premier League machen.

Leeds gehörte in den 70er-Jahren zum Besten, was Europas Fussball zu bieten hatte, merkt man das heute noch?
Ja. Es gibt unglaublich viele Leeds-Fans auf der ganzen Welt. In Australien haben sie nach unserem Aufstieg sogar eine Brücke in unseren Vereinsfarben gestrichen.

Nächste Saison spielen Sie Premier League. Dabei kickten Sie vor viereinhalb Jahren noch für Schaffhausen in der Challenge League. Mit 21 waren Sie gar zwei Monate ohne Klub ...
... darüber habe ich in diesen Tagen auch nachgedacht. Es ist einfach unglaublich. Man hat mir damals bei YB gesagt, dass ich zu wenig gut sei für den Profifussball. Dies nachdem ich zehn Jahre im YB-Nachwuchs gespielt habe. Meine Mitspieler waren unter anderen Leonardo Bertone, Michi Frey oder Marco Bürki. Für mich hatte es keinen Platz mehr, ich war sehr enttäuscht und traurig. Die meisten hätten dann wohl etwas anderes gemacht, ich aber liess mich nicht von meinem Traum abbringen.

Was taten Sie?

Zusammen mit meinem Vater und meinem älteren Bruder habe ich auf dem Fussballplatz Flamatt trainiert. Wir haben irgendwelche Übungen gemacht, die ich noch von meiner YB-Zeit kannte. Dann hat mir zum Glück der FC Schaffhausen eine Chance gegeben, der Klub war damals noch in der 1. Liga Promotion. Dafür bin ich dem damaligen Schaffhausen-Trainer Maurizio Jacobacci noch immer wahnsinnig dankbar. Er hat mir die Chance für ein neues FussballerLeben gegeben.

Von dem, was Sie in Schaffhausen verdient haben, konnten Sie kaum leben, oder?
Nein. Meine Eltern mussten mich unterstützen. Sie haben für mich in Schaffhausen eine kleine Wohnung gemietet und mir ein kleines Auto gekauft, damit ich ab und zu auch nach Hause fahren konnte.

Haben Sie das Geld Ihren Eltern zurückbezahlt?
Das ist nicht so einfach (lacht). Meine Eltern würden nie Geld von mir annehmen, das wollen sie einfach nicht. Sie arbeiten beide, mein Bruder auch. Sie sind alle sehr bodenständig, wollen unter keinen Umständen im Mittelpunkt stehen. Irgendwann habe ich meinem Vater aber ein schönes Auto geschenkt. Das konnte er ja nicht zurückgeben.

Wie haben Ihre Eltern nach dem Aufstieg reagiert?
Mein Vater ist natürlich sehr stolz und glücklich. Er weiss auch noch genau, wie ich damals gelitten habe. Wie wir kämpfen mussten, damit ich überhaupt in einem Klub Fussball spielen durfte. Und meine Mutter ist in solchen Dingen sehr emotional: Sie hatte Tränen in den Augen.

Der kleine Bub aus Flamatt, der einst bei YB aussortiert wurde, stürmt in die Premier League. Tönt nach einem Märchen?
Tönt nach einem guten Titel für dieses Interview (lacht). Flamatt bleibt immer meine Heimat. Irgendwann nach meiner Karriere würde ich gerne zurückkehren. Meine Familie wohnt noch immer da, beim FC Flamatt habe ich als Knirps mit Fussballspielen begonnen. Irgendwie ist meine Geschichte schon verrückt.

Als verrückt gilt auch Ihr Trainer Marcelo Bielsa. Seine Ansprachen sollen oft über eine Stunde dauern und dabei soll er nicht mal über Fussball reden. Stimmt das?
Ach wissen Sie: Marcelo Bielsa kann man nicht beschreiben, ihn muss man erleben. Menschen wie ihn gibt es wohl nur sehr selten. Er erzählt manchmal private Geschichten, allgemeine Sachen und am Ende bist du brutal motiviert. Stellen Sie sich vor: Gegen Derby County ging es eigentlich um gar nichts mehr, und wir sind Mannschafts-Rekord gelaufen. Jeder Spieler rannte zwölf Kilometer und mehr. Das ist Bielsa.

Es heisst, dass er jeden Spieler besser mache. Sind Sie besser als vor drei Jahren, als Sie den FC Lugano mit 14 Toren und 16 Assists quasi im Alleingang auf Rang drei geschossen haben?
Bei Bielsa lernt man in jedem einzelnen Training, in jedem Gespräch etwas Neues. Aber im Alleingang war das damals beim FC Lugano überhaupt nicht, wir hatten ein tolles Team: Da waren auch meine Freunde Davide Mariani, Armando Sadiku und viele andere ...

Sie sind als Einjähriger in die Schweiz gekommen. Warum spielen Sie eigentlich für die mazedonische und nicht für die Schweizer Nationalmannschaft?
Es macht mich glücklich und stolz, für Mazedonien auflaufen zu dürfen. Das Land hat mich kontaktiert und unterstützt, als ich noch in der Challenge League spielte und andere nicht auf mich setzten. Es macht mir grosse Freude, für Mazedonien zu spielen.

Sie scheinen in Ihrer Karriere alles richtig gemacht zu haben?
Sagt sich jetzt leicht nach dem Aufstieg. Aber ich hatte auch davor das Gefühl, mit Leeds das grosse Los gezogen zu haben. Dieser Klub ist wahnsinnig toll und die Fans sind einfach der Wahnsinn. Wir haben alle vom Aufstieg geträumt und der Traum ist jetzt wahr geworden. Man sagt ja: «Im Fussball ist alles möglich.» Ich kann nur sagen: Es stimmt.


Über Ezgjan Alioski

Bei YB schaffts Ezgjan Alioski (28) bis in die U21. Dann wird er in die Promotion League zu Schaffhausen ausgeliehen, wo der Aufstieg gelingt. Nach drei Jahren FCS holt ihn Lugano 2016 in die Super League. Dort macht Trainer Zdenek Zeman aus dem Linksverteidiger einen Flügelspieler: Alioski wird zum Knipser und wechselt 2017 zu Leeds, wo er in drei Jahren 125 Ligaspiele bestreitet. Mal als Verteidiger, mal im Mittelfeld, mal als Flügel. Für die Nati von Nordmazedonien ist Alioski bisher 33 Mal aufgelaufen (5 Tore).


https://www.blick.ch/sport/fussball/int ... 13711.html

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 Betreff des Beitrags: Re: (31) Ezgyan Alioski
 Beitrag Verfasst: Samstag 14. November 2020, 18:50 
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«Historisch für unser Land»

Alioski und das EM-Wunder von Nordmazedonien

Als Ezgjan Alioski (28) vor sieben Jahren für Nordmazedonien debütiert, ist das Land sportliches Kanonenfutter. Nun erobert das Team sensationell die europäische Bühne.

Nein, mit einer EM-Quali hätte Ezgjan Alioski nicht gerechnet, als er damals im Oktober 2013 für das Land seiner Eltern debütiert. 0:1 verliert Nordmazedonien gegen Wales, vier Tage später gibts von Serbien beim 1:5 gar eine Abreibung. In seinen ersten zehn Länderspielen kassiert Alioski neun Pleiten – und holt nur einen Sieg. Gegen Luxemburg.

Nun, sieben Jahre später, qualifiziert sich das Land zum ersten Mal in seiner Geschichte für die EM. Die Nations League machts möglich, am Ende reicht ein 1:0-Sieg gegen Georgien im Playoff-Final. Ein geschenktes EM-Ticket? «Nein», sagt Alioski. «Wir haben in der Qualifikation bereits überzeugt, sind in einer Gruppe mit Polen, Österreich und Slowenien Dritter geworden.» Zudem habe man in der WM-Quali gegen Italien ein Unentschieden geholt, Spanien gefordert, die Türkei geschlagen, Norwegen auch. «Wir haben eine talentierte Generation», sagt Alioski in breitem Berner Dialekt.

Im Alter von vier Jahren kommt er zusammen mit seiner Familie in die Schweiz, beginnt im fribourgischen Flamatt mit Fussball, wechselt mit elf zu den Berner Young Boys, wo ihm aber mehrmals mitgeteilt wird, dass es nicht reichen werde. Der damalige YB-Sportdirektor Hansruedi Hasler sagte: «Das reicht bestenfalls für die 1. Liga Classic.»

Via Schaffhausen und Lugano landet Alioski bei Leeds, steigt mit dem englischen Traditionsklub in die Premier League auf und qualifiziert sich nun, als vorläufiger Höhepunkt seiner Bilderbuchkarriere, für die EM.

Einziger Wermutstropfen: Dass er den grössten, sportlichen Triumph in der Geschichte von Nordmazedonien nicht zusammen mit den Fans feiern kann. «Wir dürfen das Hotel nicht verlassen», so der Flügelflitzer. Corona kennt kein Pardon. Auch in historischen Momenten nicht.


https://www.blick.ch/sport/fussball/his ... 94826.html

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 Betreff des Beitrags: Re: (31) Ezgyan Alioski
 Beitrag Verfasst: Dienstag 5. Januar 2021, 13:06 
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Ezgjan Alioski in Leeds

[b]Er war arbeitslos – nun besingen sie ihn im Stadion


YB hielt ihn für zu schwach. Heute ist Ezgjan Alioski Publikumsliebling in der Premier League, die Menschen feiern ihn. Im Interview singt er die Lieder vor.

Kürzlich stand Ezgjan Alioski im Old Trafford in Manchester und suchte den Spielertunnel. Der Tunnel war ausser Betrieb (weil keine Zuschauer zugelassen waren), und doch rüttelte er daran. Als er 2019 das erste Mal einen Spielertunnel zum Erzittern brachte, aus Jux, hat seine Mannschaft gewonnen. Er wiederholte es, man gewann weiter, und so wurde das Rütteln zum Ritual. Und weil sich die Sicherheitskräfte in fremden Stadien so wunderbar darüber aufregten, hörte Alioski nicht mehr damit auf.

Alioski wird in Leeds «mischief maker in chief» genannt, der liebenswerte Unruhestifter. Er ist in Leeds einer der Publikumslieblinge, Stammspieler und trägt die Nummer 10. Kurz vor Weihnachten schoss er sein erstes Tor in der Premier League, ein zweites folgte sogleich, seine Mannschaft hat sich durch ein paar Siege der Abstiegssorgen entledigt. Sie ist daran, den Ruf von Leeds United neu zu formulieren. Weg vom Image des Clubs der Kalamitäten, hin zum soliden Verein der Premier League. Mittendrin Ezgjan Alioski.

Wissen Sie, was «Doing a leeds?» heisst.

Nein.

Es ist ein Ausdruck dafür, dass etwas schiefgeht. Eine Anlehnung an die Geschichte von Leeds United.

Das muss vor meiner Zeit gewesen sein. Ich habe hier vor allem schöne Momente erlebt. Wir setzten uns in der Championship durch. Wir stiegen in die Premier League auf und erlebten die Euphorie der Leute, die ist gewaltig. Nun spielen wir gegen Chelsea und City. Wenn ich daran denke, wie ich sie früher immer wieder im TV in der Champions League gesehen habe – und auf einmal stehst du gegen sie auf dem Platz. Das ist schon sehr geil.

Die Leute singen Lieder über Sie.

Ich bin nicht der Einzige, über den sie hier singen. Aber es stimmt, es gibt Lieder.

Können Sie mal vorsingen?

Ich habe ja mal eine Zeit lang auf der rechten Seite gespielt. Well. Das tönt dann irgendwie so (beginnt zu singen): «He’s playing on the right. He’s fucking dynamite.»

Sehr schön.

Und dann gibt es noch ein zweites, das gefällt mir auch gut, man findet es auch auf Youtube, es wird aber im Stadion weniger gesungen, momentan schon gar nicht. Das geht so: «Oh you Gjanni Alioski, Gjanni Alioski we love you» und so weiter. Das ist schon sehr schön, wenn man die Wertschätzung der Fans spürt.

Manche Fans sprechen bei Ihnen bereits von einer Legende.

Da braucht es sicher noch viel, bis ich zur Legende werde: Aber ich bin schon eine Zeit lang da, habe viel mit dem Club durchgemacht. Aber es kann sehr schnell in die andere Richtung gehen. Das weiss ich aus eigener Erfahrung.

Tatsächlich. Alioski war in seiner Karriere arbeitslos, ging auf das RAV, musste Tiefschläge einstecken. Zum Beispiel als der damalige YB-Sportdirektor Hansruedi Hasler zu ihm und seinem Vater sagte: «Das reicht bestenfalls für die 1. Liga Classic.» Ein anderer Tiefschlag war, als er zu Hause in Flamatt alleine trainieren musste, kein Club wollte ihn mehr. Doch Alioski gab nicht auf und wechselte via Schaffhausen und Lugano nach England zu Leeds.

Heute wird er in Leeds als eine der grössten Erfolgsgeschichten von Sportchef Victor Orta bezeichnet. Graham Smyth ist Chief Football Writer der «Yorkshire Evening Post» und sagt, dass Alioski zweifellos einen Schlüsselpart gespielt habe beim Weg in die Premier League. «Er ist ein wichtiger Teil der Mannschaft», sagt Smyth. Was ihm besonders auffällt: seine Energie auf dem Platz, sein enormes Pensum. Alioski ist hinten und vorne anzutreffen, nie zu müde, den Sprint zu machen.

Es sind Lobesworte, die Alioski selbst nie sagen würde. Er ist im Gespräch zurückhaltend, vorsichtig, bescheiden.

Sie wirken sehr bodenständig.

Ich bin so aufgewachsen. Ich komme aus Mazedonien, aus einem Dorf mit armen Leuten. Auch Flamatt war ein ganz normales Dorf, dort leben noch immer meine Freunde. Und das beeinflusst mein Denken: Ich bin normal wie alle andern auch. Ich habe einfach einen wunderschönen Beruf. Dazu kommt, dass ich die Erfahrung gemacht habe, ganz unten zu sein. Das erdet. Und hilft wohl auch, immer voll dabei zu sein. Du willst nicht dorthin zurück. Und du denkst auch nicht, dass du etwas erreicht hast. Denn das hilft dir im Jetzt nicht. Auch wenn ich gegen Manchester City spiele, bin ich nicht auf Wolke sieben.

«Was will ich in England erklären, dass man mir in Bern die 1. Liga Classic nahegelegt hat. Das interessiert die Leute hier doch nicht.»
Ezgjan Alioski

Wissen Ihre Kollegen, dass Sie auf das RAV gingen?

Ich denke nicht. Jeder Spieler hat aber eine Story. Sie wissen, wie schwer es ist, in die Premier League zu kommen. Manche kommen von weit her, haben einen langen Weg hinter sich. Andere spielten als Junioren bei grossen Clubs und sind gescheitert. Das prägt.

Sprechen Sie in der Mannschaft über diese Geschichten?

Nein. Wobei ich schon gerne zuhören würde. Aber das passiert einfach nicht.

Warum?

Es geht um andere Sachen, um den nächsten Match, das nächste Training. Es ist nicht wichtig, was geschehen ist, Mitleid bringt dir nichts. Was will ich in England erklären, dass man mir in Bern die 1. Liga Classic nahegelegt hat. Das interessiert die Leute hier doch nicht.

Ich glaube schon. Sie haben nicht aufgegeben und es darum weit gebracht.

Vielleicht. Aber hier denkt man in erster Linie nach vorne und nicht in der Vergangenheit.

Wenn man über Leeds spricht, dann fällt das Gespräch irgendwann auf den Namen Marcelo Bielsa, den Trainer. Diesen Zauderer und Zauberer im Namen des Fussballs. Über ihn und seinen Fussball wurden Bücher geschrieben, Bielsa gilt als Stilikone, Trainer reisten wie Pilger zu ihm, um von ihm zu lernen. Dieser Bielsa brachte 2018 etwas Fussballkultur in die kalte Industriestadt Leeds. Der Schriftsteller Robert Endacott schrieb einmal, dass Bielsa die Bewohner und Bewohnerinnen einer Stadt zu besseren Menschen mache.

Und offenbar hat dieser Mann Gefallen an Alioski gefunden. «Bielsa vertraut ihm, er mag ihn wirklich», sagt Journalist Smyth. Bielsa und Alioski teilen die Vorliebe fürs Attackieren. «Bei kaum einem anderen Aussenverteidiger habe ich einen so starken Vorwärtsdrang gesehen», sagt Smyth.

Alioskis Auftrag: Magie in die Partie bringen

Alioski hat in den ersten Jahren in Leeds als Flügel gespielt, Bielsa hat ihn zum Aussenverteidiger umfunktioniert und zugleich die Polyvalenz erhalten. Je nach Spiel und Gegner spielt Alioski eine Position weiter vorne, manchmal gar im Zentrum. Und sitzt er einmal auf der Bank und die Mannschaft liegt zurück, so sei es gemäss Smyth oft Alioski, der eingewechselt werde. Der Auftrag: etwas Magie in die Partie bringen.

Wie arbeitet dieser Marcelo Bielsa?

Ich geniesse jeden Tag, freue mich auf das Training und lerne jeden Tag etwas Neues. Er macht jeden Spieler besser. Als Fussballer und Mensch.

Was haben Sie heute gelernt?

Er weiss, dass ich offensiv Qualität habe. Doch dank ihm bin ich vor allem defensiv viel stärker geworden, taktisch habe ich zum Beispiel viele Fortschritte gemacht. Wir sprechen meist Spanisch miteinander, manchmal übersetzt auch ein Dolmetscher. Er zeigt mir Videos, wie ich mich verbessern kann, wie ich mich in bestimmten Situationen verhalten muss. Du spürst sehr schnell, dass seine Ratschläge helfen.

Es gibt die Geschichte, dass er euch Spieler stundenlang zum Abfallsammeln schickte. Wie war das?

Wir gingen fötzelen, um eine Idee dafür zu bekommen, wie viel ein Ticket für einen gewöhnlichen Fan kostet, wie viel er dafür arbeiten muss. Es ging auch darum, dass wir als Team zusammenwachsen. Das hat funktioniert.

Nun läuft Alioskis Vertrag in Leeds aus, er würde gerne bleiben. Journalist Smyth sagt, dass sich der Club Ende Saison verstärken werde, wohl auch auf der linken Seite, von vielen als defensive Schwachstelle bezeichnet. Mehr Konkurrenz sei also möglich, sagt Smyth, er glaube aber nicht, dass das Alioski den Arbeitsplatz kosten könnte: «Da wäre ich sehr überrascht.»[/b]


https://www.bernerzeitung.ch/er-war-arb ... 9689821054

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