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 Betreff des Beitrags: Re: (31) Ezgyan Alioski
 Beitrag Verfasst: Freitag 28. Dezember 2018, 02:02 
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27.12.2018

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Ein bisschen verrückt

Der frühere YB-Junior Ezgjan Alioski ist mit Leeds United auf Erfolgskurs. Vielleicht spielt der 26-Jährige bald in der Premier League. Es wäre die vorläufige Krönung einer erstaunlichen Karriere.

Weihnachten und Altjahreswoche als besinnliche, fussballfreie Zeit? Seit Ewigkeiten bekanntlich nicht in England. Der Ball rollt über die Festtage, und wie, Leeds United etwa bestreitet innerhalb von neun Tagen vier Partien! «Man gewöhnt sich an vieles», sagt Ezgjan Alioski, «aber das geht schon an die Substanz. Vor allem in unserer Liga.»

Alioski spielt bei Leeds United in der Championship, das ist die höchste Liga unterhalb der Premier League, in der Fussball manchmal noch recht rustikal vorgetragen wird. Mit hohen, langen Bällen, intensiven Zweikämpfen, Applaus für knackige Grätschen.

Am 23. Dezember setzte sich Leeds im Duell zweier Traditionsclubs und Aufstiegsaspiranten nach 0:2-Pausenrückstand spektakulär 3:2 bei Aston Villa durch. Der Villa Park war mit 41500 Besuchern ausverkauft, Alioski bereitete den Siegtreffer in der 95. Minute durch Torjäger Kemar Roofe vor. Und so überweihnachtete Leeds auf Rang 1, gestern kam es bereits zum Heimspiel gegen Blackburn, wie Leeds ein dreifacher englischer Champion auf dem Weg zurück nach oben.

Glorreiche Vergangenheit

Der Championship geht es dank üppigen Einnahmen aus TV-Verträgen, Sponsoring und Stadioneintritten prächtig, es ist nach den Top-5 die grösste Liga Europas. «Der Verdrängungskampf ist riesig», sagt Alioski, «alle wollen in die Premier League.»

«Die Erwartungshaltung ist hoch. Wir werden regelmässig daran erinnert, wie erfolgreich Leeds einmal war.»

Der Zuschauerdurchschnitt in der Liga beträgt knapp 20'000, Leeds hat nach Aston Villa (34'500) mit 32'000 den zweithöchsten, die Stimmung an der Elland Road ist grandios, auch auswärts wird das Team stets von mehreren Tausend Supportern begleitet. «Die Erwartungshaltung ist hoch», sagt Alioski, «wir werden regelmässig daran erinnert, wie erfolgreich Leeds einmal war.»

1969, 1974 und zuletzt 1992 (unter anderem mit Eric Cantona) wurde der Verein Meister, in den Siebzigerjahren erreichte er Finals in Landesmeistercup und Pokalsiegercup, Leeds besitzt nach wie vor die drittgrösste Fangemeinde des Landes nach Manchester United und Liverpool. «Fussball ist wie Religion hier», sagt Alioski beim Gespräch Ende November in Leeds, «die Menschen identifizieren sich enorm stark mit uns.»

Keine Chance bei YB

Ezgjan Alioski hat als Treffpunkt den Starbucks bei sich im modernen Wohnturm mitten in der Studentenstadt mit etwas mehr als einer halben Million Einwohnern vorgeschlagen. Es ist der Tag vor dem Champions-League-Auftritt der Young Boys im nahen Old Trafford gegen Manchester United, den Alioski, ehemaliger YB-Junior, gerne besucht hätte.

Aber er spielt an diesem Dienstagabend ebenfalls, das 1:0 gegen Reading ist der zweite von sechs Siegen in Serie bis Weihnachten. «Nun kommt eine entscheidende Phase», sagt Alioski im Starbucks, «im Dezember werden die Weichen gestellt.»

Alioski ist einen weiten Weg gegangen, um als Fussballer glücklich zu werden. Er hat sich durchgesetzt, obwohl er in einer dunklen YB-Zeit in den Jahren 2011 bis 2013 von den Verantwortlichen der Young Boys mehrmals mitgeteilt erhielt, er genüge den Ansprüchen an einen Super-League-Spieler niemals. Der damalige YB-Sportdirektor Hansruedi Hasler sagte Alioski, dessen Vater und dem Berater sogar einmal: «Das reicht bestenfalls für die 1. Liga Classic.»

«Ich erhielt nie eine faire Chance bei YB. Aber ich verlor den Glauben nie, den Durchbruch noch zu realisieren.»

Alioski, der Bern-Freiburger mit mazedonischen Wurzeln, kam mit seiner Familie als Vierjähriger in die Schweiz und wechselte bereits mit 11 von Flamatt zu den Young Boys. Er stand im Kader der ersten Mannschaft, war als Linksverteidiger Ersatz des heutigen YB-Sportchefs Christoph Spycher. «Ich erhielt nie eine faire Chance bei YB», sagt er. Ironischerweise war es ein Stadtberner, der seine Karriere rettete. Coach Maurizio Jacobacci, damals bei Schaffhausen, setzte auf Alioski, und nach dem Wechsel zu Lugano startete der flinke Fussballer durch.

Zemans zündende Idee

Es war ein Trainer mit Weltruf, der Alioski umfunktionierte vom stürmischen Linksverteidiger mit taktischen Mängeln zum Flügelflitzer, der weiss, wie ein Verteidiger denkt. Zdenek Zeman, heute 71, ein oft verrückter Kauz, erkannte in Lugano das Offensivpotenzial Alioskis. «Ich habe Jacobacci und Zeman viel zu verdanken», sagt Alioski, «aber ich verlor den Glauben sowieso nie, den Durchbruch noch zu realisieren.»

Nach einer überragenden Saison mit Lugano als bester Skorer der Super League (16 Tore, 14 Assists) standen die Interessenten im Sommer 2017 Schlange. Vereine aus Deutschland und Italien und weiteren Ländern sowie die nationale Prominenz wie Basel, YB, Sion und Zürich – aber für die Super League war Alioski auf einmal zu gross geworden. «Mich reizte eine spezielle Herausforderung», sagt der heute 26-Jährige, «und als ich von Leeds hörte, war ich sofort fasziniert.»

Und so wechselte Alioski vor eineinhalb Jahren nach England. «Ezgjan Who?», schrieben die bissigen Boulevardgazetten der Stadt. Bald hatte Alioski die Skeptiker überzeugt, heute wird er mit einem Duracellhasen verglichen, der läuft und läuft und läuft – und dabei mit seinen Dribblings wertvolle Dienste leistet.

Er trägt die Nummer 10 wie einst bei Leeds der grossartige Australier Harry Kewell. Das verpflichtet. In seiner Premierensaison gelangen ihm in 42 Ligaeinsätzen 7 Tore und 5 Assists, das ist ordentlich, aber nicht überragend. Dank Fleiss, Einsatz, Leidenschaft definiert sich der Status des Flügels aber nicht nur über Skorerpunkte. Auch in dieser Spielzeit (bisher 3 Treffer und 3 Assists) ist er Stammkraft, was anstrengend sein kann bei 24 Teams und 46 Begegnungen allein in der Meisterschaft.

Dazu kommen zwei Cupwettbewerbe und damit fast nur englische Wochen im Sinn der Bezeichnung. «Manchmal tut einem der Körper schon sehr weh bei so kurzer Erholungszeit», sagt Alioski, «aber da muss man durch. Zumal wir ein Team sind, das spielerisch den Sieg sucht, was es in dieser Liga nicht immer leicht macht.»

Erfolg mit «El Loco»

In der Leeds-Offensive stehen fast nur kleingewachsene Akteure wie Alioski (171 Zentimeter). Das gefällt dem Trainer, der wie Zeman weltbekannt ist und eine Art Guru (manche sagen: ein Spinner!). Der 63-jährige Marcelo Bielsa ist ein hochdekorierter Fussballlehrer mit Vergangenheit unter anderem als Coach von Argentinien und Chile, Marseille und Lazio Rom. Der Argentinier setzt auf eine gepflegte Spielweise und trägt seit langem den Übernamen «El Loco» (der Verrückte). Laut Alioski hochverdient. «Er will immer mehr, ist unfassbar akribisch, das kann mühsam sein, ist aber lehrreich für uns. Und die Resultate sprechen für ihn.»

Alioski erzählt von der Vorbereitung im Sommer, in der Bielsa nach seiner Ankunft das Team nahezu kasernierte und immer wieder stundenlange Einheiten einbaute, in denen er die Fussballer wie Schachfiguren auf dem Platz hin und her schob. «Der Trainer ist ein riesengrosser Taktiker, alles muss perfekt sein, sonst gibt er keine Ruhe.» Auch die Ansprachen seien feurig, Eins-zu-eins-Kontakt mit dem Mister gebe es aber selten, dessen Assistenten würden viele Gespräche führen.

Alioski ist also bei seinem Jugend- und Herzensclub YB gescheitert, realisierte über beschwerliche Umwege seinen Traum vom Profifussballer, hatte das Privileg, unter Zdenek Zeman und Marcelo Bielsa Spieler zu sein – und steht mit 26 immer noch mitten in seiner Karriere. In Leeds gefällt es ihm, die Premier League reizt ihn, und doch kann man sich vorstellen, dass der feingliedrige Techniker noch in einem anderen Land spielen wird – und irgendwann bei YB Versäumtes nachholt. «Ich habe gelernt, dass man nicht zu viel planen sollte», sagt er, «es kommt, wie es kommen muss.»

Mit Mazedonien an die Euro?

Aktuell läuft es Ezgjan Alioski, der von allen einfachheitshalber «Gianni» gerufen wird. Das gilt auch für das mazedonische Nationalteam, in dem er Stammspieler ist – und in der Nations League in die Division C aufstieg. Das bedeutet, dass die Aussichten gar nicht so schlecht sind, die Euro 2020 zu erreichen.

Im übernächsten Frühling muss Mazedonien dazu das Playoff gegen Georgien, Weissrussland und den Kosovo gewinnen, sollte es nicht bereits in der EM-Qualifikation mit einem Ticket geklappt haben. «Wir haben eine sehr talentierte Generation», sagt der 21-fache Nationalspieler, «und natürlich träumen alle im Land von der ersten Teilnahme an einem Turnier.»

Vielleicht wird Alioski 2020 ein Premier-League-Spieler sein. Nach dem 3:2 gestern gegen Blackburn, dem siebten Sieg in Serie, liegt Leeds weiter auf Rang 1. An der ausverkauften Elland Road geriet das überlegene Leeds in der 90. Minute 1:2 in Rückstand, doch Kemar Roofe schlug erneut in der Nachspielzeit zu, diesmal sogar zweimal! Schon am Sonntag geht es mit dem Heimspiel gegen Hull weiter, 2019 wird am 1. Januar mit der Begegnung in Nottingham eingeläutet. «Eine Partie nach der anderen», sagt Alioski zum Motto in diesen Tagen. «Und vor allem: Nicht zu oft auf den Spielplan gucken.»

Gute Aussichten in der Liga

Leeds United steht nach 15 Jahren jedenfalls vor der Rückkehr in die Premier League. Die ersten zwei Teams steigen direkt auf, jene auf den Rängen 3 bis 6 bestreiten in Wembley Aufstiegsspiele um zwei weitere begehrte Plätze in der Eliteliga. Der Dritte West Bromwich liegt mittlerweile schon 6 Punkte hinter Leeds, der Siebte Birmingham gar 14. «Wir sind gut unterwegs», sagt Alioski, «doch der Modus mit Playoffs nach einer so langen Saison ist schon ein wenig verrückt.»

Das passt ganz gut zu seiner eigenen Geschichte.


https://www.bernerzeitung.ch/sport/fuss ... y/30296797

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 Betreff des Beitrags: Re: (31) Ezgyan Alioski
 Beitrag Verfasst: Sonntag 17. Mai 2020, 21:28 
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16.05.2020

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Der ehemalige YB-Junior Ezgjan Alioski ist Marcelo Bielsas Lieblingsschüler

Unser Kolumnist Pedro Lenz über den fussballverrückten argentinischen Trainer Marcelo Bielsa und seinen Einfluss auf die Spieler.

Neulich wurde der 35-jährige Leeds-United-Spieler Pablo Hernández gefragt, wie es sei, unter dem legendären Trainer Marcelo Bielsa zu spielen. Hernández, der zuvor unter anderem an der Seite von David Villa für Valencia gekickt hatte und eine lange Profikarriere hinter sich hat, bezeichnete Bielsa als mit Abstand besten Trainer seiner gesamten Laufbahn. Eigentlich habe er als 35-jähriger Routinier geglaubt, er wisse mehr oder weniger alles, was man über Fussball wissen könne. Beim Argentinier Bielsa, der in seiner Heimat «der verrückte Bielsa» genannt wird, lerne er nun aber jeden Tag dazu. Es komme ihm fast vor, als beginne er dank Bielsa erst jetzt zu verstehen, wie schön und wie vielfältig der Fussball ist.

Das Interview, das die spanische Fachzeitung «Marca» mit dem Leeds-Spieler führte, ist eine einzige Hommage an Marcelo Bielsa. Leeds United ist der gegenwärtige Leader der englischen Championship, der zweitobersten Liga im Mutterland des Fussballs. Der Club hat eine grosse Geschichte und gehörte in den 1960er- und 1970er-Jahren zum Besten, was Europas Fussball zu bieten hatte. Den letzten Meistertitel holte Leeds United im Jahr 1992. Seinen Tiefpunkt erlebte der Club mit dem erstmaligen Abstieg in die drittoberste Liga im Jahr 2007.

Leeds ist wieder aufgestanden und zurzeit sind die Ambitionen riesig. Der Wiederaufstieg in die Premier League wäre diese Saison nur noch Form­sache gewesen, aber jetzt folgt wegen Corona eine Zeit der Ungewissheit: Vielleicht muss Bielsa mit seiner Truppe nächste Saison einen neuen Anlauf nehmen. Es sei ein Privileg, einmal im Leben unter Bielsa gespielt zu haben, sagte Hernández. Und weil der Journalist, der ihn interviewte, offenbar genug hatte, immer nur Bielsas Namen zu hören, bat er Hernández zu sagen, welchen Mitspieler von Leeds United er am meisten bewundere.

Sein zurzeit bester Mitspieler sei zweifellos Ezgjan Alioski, sagte der Spanier. Wir Schweizer Fussballfans hatten den ehemaligen YB-Junior mit Stationen in Schaffhausen und Lugano schon fast vergessen. Aber vielleicht sorgt der mazedonisch-schweizerische Offensivspieler Alioski, von dem es heisst, er sei Bielsas Lieblingsschüler, bald in der Premier League für Furore.


https://www.tagblatt.ch/sport/bielsas-l ... ld.1221080

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 Betreff des Beitrags: Re: (31) Ezgyan Alioski
 Beitrag Verfasst: Dienstag 28. Juli 2020, 01:41 
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28.08.2020

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Leeds-Star Ezgjan Alioski

Einst bei YB aussortiert – jetzt ein Premier-League-Star

Vor 7 Jahren wurde Ezgjan «Gianni» Alioski (28) von YB für zu wenig gut befunden, trainierte wochenlang mit seinem Vater. Der kleine Bub aus Flamatt FR stürmt nun mit Leeds in die Premier League. «Das wäre ein toller Titel», sagt Alioski und lacht.

BLICK: Gianni Alioski, sind Sie wieder nüchtern?
Ezgjan Gianni Alioski: Ja. Alles klar. Es war aber schon eine wahnsinnige Woche. Erst haben wir gefeiert, als der Aufstieg feststand. Tags darauf dann, weil wir Meister der Championship geworden sind. An beiden Tagen haben wir zwar nicht gespielt, aber unsere direkten Konkurrenten haben Punkte liegen gelassen. Die Partys waren unglaublich. Die Leeds-Fans kann man nicht stoppen, die feiern noch immer und werden wohl noch feiern, wenn wir unser erstes Spiel in der Premier League machen.

Leeds gehörte in den 70er-Jahren zum Besten, was Europas Fussball zu bieten hatte, merkt man das heute noch?
Ja. Es gibt unglaublich viele Leeds-Fans auf der ganzen Welt. In Australien haben sie nach unserem Aufstieg sogar eine Brücke in unseren Vereinsfarben gestrichen.

Nächste Saison spielen Sie Premier League. Dabei kickten Sie vor viereinhalb Jahren noch für Schaffhausen in der Challenge League. Mit 21 waren Sie gar zwei Monate ohne Klub ...
... darüber habe ich in diesen Tagen auch nachgedacht. Es ist einfach unglaublich. Man hat mir damals bei YB gesagt, dass ich zu wenig gut sei für den Profifussball. Dies nachdem ich zehn Jahre im YB-Nachwuchs gespielt habe. Meine Mitspieler waren unter anderen Leonardo Bertone, Michi Frey oder Marco Bürki. Für mich hatte es keinen Platz mehr, ich war sehr enttäuscht und traurig. Die meisten hätten dann wohl etwas anderes gemacht, ich aber liess mich nicht von meinem Traum abbringen.

Was taten Sie?

Zusammen mit meinem Vater und meinem älteren Bruder habe ich auf dem Fussballplatz Flamatt trainiert. Wir haben irgendwelche Übungen gemacht, die ich noch von meiner YB-Zeit kannte. Dann hat mir zum Glück der FC Schaffhausen eine Chance gegeben, der Klub war damals noch in der 1. Liga Promotion. Dafür bin ich dem damaligen Schaffhausen-Trainer Maurizio Jacobacci noch immer wahnsinnig dankbar. Er hat mir die Chance für ein neues FussballerLeben gegeben.

Von dem, was Sie in Schaffhausen verdient haben, konnten Sie kaum leben, oder?
Nein. Meine Eltern mussten mich unterstützen. Sie haben für mich in Schaffhausen eine kleine Wohnung gemietet und mir ein kleines Auto gekauft, damit ich ab und zu auch nach Hause fahren konnte.

Haben Sie das Geld Ihren Eltern zurückbezahlt?
Das ist nicht so einfach (lacht). Meine Eltern würden nie Geld von mir annehmen, das wollen sie einfach nicht. Sie arbeiten beide, mein Bruder auch. Sie sind alle sehr bodenständig, wollen unter keinen Umständen im Mittelpunkt stehen. Irgendwann habe ich meinem Vater aber ein schönes Auto geschenkt. Das konnte er ja nicht zurückgeben.

Wie haben Ihre Eltern nach dem Aufstieg reagiert?
Mein Vater ist natürlich sehr stolz und glücklich. Er weiss auch noch genau, wie ich damals gelitten habe. Wie wir kämpfen mussten, damit ich überhaupt in einem Klub Fussball spielen durfte. Und meine Mutter ist in solchen Dingen sehr emotional: Sie hatte Tränen in den Augen.

Der kleine Bub aus Flamatt, der einst bei YB aussortiert wurde, stürmt in die Premier League. Tönt nach einem Märchen?
Tönt nach einem guten Titel für dieses Interview (lacht). Flamatt bleibt immer meine Heimat. Irgendwann nach meiner Karriere würde ich gerne zurückkehren. Meine Familie wohnt noch immer da, beim FC Flamatt habe ich als Knirps mit Fussballspielen begonnen. Irgendwie ist meine Geschichte schon verrückt.

Als verrückt gilt auch Ihr Trainer Marcelo Bielsa. Seine Ansprachen sollen oft über eine Stunde dauern und dabei soll er nicht mal über Fussball reden. Stimmt das?
Ach wissen Sie: Marcelo Bielsa kann man nicht beschreiben, ihn muss man erleben. Menschen wie ihn gibt es wohl nur sehr selten. Er erzählt manchmal private Geschichten, allgemeine Sachen und am Ende bist du brutal motiviert. Stellen Sie sich vor: Gegen Derby County ging es eigentlich um gar nichts mehr, und wir sind Mannschafts-Rekord gelaufen. Jeder Spieler rannte zwölf Kilometer und mehr. Das ist Bielsa.

Es heisst, dass er jeden Spieler besser mache. Sind Sie besser als vor drei Jahren, als Sie den FC Lugano mit 14 Toren und 16 Assists quasi im Alleingang auf Rang drei geschossen haben?
Bei Bielsa lernt man in jedem einzelnen Training, in jedem Gespräch etwas Neues. Aber im Alleingang war das damals beim FC Lugano überhaupt nicht, wir hatten ein tolles Team: Da waren auch meine Freunde Davide Mariani, Armando Sadiku und viele andere ...

Sie sind als Einjähriger in die Schweiz gekommen. Warum spielen Sie eigentlich für die mazedonische und nicht für die Schweizer Nationalmannschaft?
Es macht mich glücklich und stolz, für Mazedonien auflaufen zu dürfen. Das Land hat mich kontaktiert und unterstützt, als ich noch in der Challenge League spielte und andere nicht auf mich setzten. Es macht mir grosse Freude, für Mazedonien zu spielen.

Sie scheinen in Ihrer Karriere alles richtig gemacht zu haben?
Sagt sich jetzt leicht nach dem Aufstieg. Aber ich hatte auch davor das Gefühl, mit Leeds das grosse Los gezogen zu haben. Dieser Klub ist wahnsinnig toll und die Fans sind einfach der Wahnsinn. Wir haben alle vom Aufstieg geträumt und der Traum ist jetzt wahr geworden. Man sagt ja: «Im Fussball ist alles möglich.» Ich kann nur sagen: Es stimmt.


Über Ezgjan Alioski

Bei YB schaffts Ezgjan Alioski (28) bis in die U21. Dann wird er in die Promotion League zu Schaffhausen ausgeliehen, wo der Aufstieg gelingt. Nach drei Jahren FCS holt ihn Lugano 2016 in die Super League. Dort macht Trainer Zdenek Zeman aus dem Linksverteidiger einen Flügelspieler: Alioski wird zum Knipser und wechselt 2017 zu Leeds, wo er in drei Jahren 125 Ligaspiele bestreitet. Mal als Verteidiger, mal im Mittelfeld, mal als Flügel. Für die Nati von Nordmazedonien ist Alioski bisher 33 Mal aufgelaufen (5 Tore).


https://www.blick.ch/sport/fussball/int ... 13711.html

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