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 Betreff des Beitrags: Re: Fredy Bickel - Sportchef
 Beitrag Verfasst: Sonntag 11. Dezember 2016, 23:50 
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Fredy Bickels Präsentation bei Rapid Wien

Das Fussballblut kocht wieder

Fredy Bickel geht nach vielen Jahren in der Schweiz zu Rapid Wien. Dort ist er früher als gedacht wieder Sportchef. Es ist auch eine Chance, sein Image zu ändern.

Der Gedanke ans Ausland kam immer wieder einmal. Aber Fredy Bickel verwarf ihn stets in den letzten Jahren, und einmal sagte er sogar: «Ich weiss nicht, ob der Zeitpunkt für den Wechsel in eine andere Liga jemals stimmen wird.»

Die Super League war sein Revier, er arbeitete lange bei GC, dem FC Zürich und YB, den FCZ führte er zu drei Meistertiteln. Im Schweizer Fussball kennt er alle und alles, und es ist der dritte Adventssonntag 2016, als Bickel sagt, er wolle nicht überheblich sein, aber in der Schweiz wisse er, wie es laufe und welche Telefonnummer er wann wählen müsse – doch «hier» sei es anders. «Hier» ist Wien, wo Bickel am dritten Adventssonntag 2016 als neuer Sportchef des österreichischen Rekordmeisters Rapid vorgestellt worden ist.

Vertrieben und verletzt

Bickel, 51 Jahre alt, kennt Wien im Advent, eine Grossmutter stammte aus der Stadt – und es sei ihr wichtig gewesen, dass «Österreich» und «Wien» und Traditionen gelebt würden. Die Familie reiste früher jährlich nach Wien, Stephansdom, Prater, Weihnachtsmarkt. Bickel hat Wiener Blut, diese Fussnote gab's schon im Communiqué, das Rapid am Samstag zur Ernennung versandte – und vielleicht brauchte es diesen Hinweis nicht zuletzt für Bickel selber, der wissen will, warum es sich für ihn an einem Ort leben lässt. Als er 2012 über die Rückkehr vom FCZ zu YB informierte, sagte er, in den letzten zehn Jahren sei kaum ein Tag vergangen, an dem er nicht an YB gedacht habe. In den Worten lag allzu viel Kitsch – doch vielleicht hatte sie Bickel primär für sich selber gewählt, um zu spüren, dass es richtig war, wieder an diesen Platz zu gehen, wo er 2002 vertrieben worden war.

Im September 2016 folgte die nächste Vertreibung. Bickel fiel einem Mix aus Sparkurs und Intrigen zum Opfer; manchmal schimmerte durch, er habe übermässig viel Geld ausgegeben – wobei der Verwaltungsrat jeden Vertrag genehmigt hatte. Der neue Sportchef Christoph Spycher, dem Vorgänger durchaus gut gesinnt, deutete zuletzt in Interviews an, dass er beim Studium der Spielerverträge auch Überraschungen angetroffen habe. Das Erstaunen betraf wohl vor allem die Entlöhnung des Mittelstands, dieser Spieler, die weder besonders herausragend noch besonders jung sind. Jedenfalls zeigt sich über das Ende des YB-Engagements hinaus, wie streitbar Bickel hierzulande ist.

Erst die zweite Vertreibung aus Bern führte dazu, dass er ernsthaft erwog, das Super-League-Revier zu verlassen. Wer in den letzten Wochen mit Bickel redete, hörte noch immer Verletztheit heraus, ein Hadern und Fragen. Doch Bickel spürte vermutlich auch, dass in der Schweiz nicht so rasch wieder ein Klub zu ihm passen würde. Er versteht es, Teams zu bauen; aber der Ruf des Hochpreis-Sportchefs haftet ihm auch an.

Vor dem Hintergrund der Infrastruktur und der finanziellen Möglichkeiten erscheint Rapid als passender Partner. Im Juli bezog der Klub ein neues Stadion; Mitte November vermeldete er für die Saison 2015/16 einen Rekordumsatz von rund 48 Millionen Euro und einen Gewinn von 11,6 – bemerkenswerte Zahlen, die für alle Schweizer Vereine ausser Basel aus einer Traumwelt stammen. Es erstaunt nicht, dass Rapid auch sportlich mehr möchte als die zweiten Plätze der letzten drei Jahre, stets hinter Red Bull Salzburg. Derzeit liegt das Team auf Rang 5, nach nur zwei Siegen aus den vorangegangenen zehn Spielen waren Anfang November der Trainer Mike Büskens und der Sportchef Andreas Müller entlassen worden. Büskens ersetzten die Wiener kurzerhand durch Damir Canadi vom Überraschungsteam Altach, für die Regelung der Müller-Nachfolge liessen sie sich mehr Zeit.

«Seien wir ehrlich»

Der eine oder andere Klub fragte im Herbst bei Bickel an, «doch ich fühlte mich nicht bereit», das Hadern und Fragen überwog den Reiz des Neuen – bis sich wieder Gerhard Höckner meldete, ein Präsidiumsmitglied von Rapid. Höckner hatte schon 2013 angefragt, als Bickel erst ein knappes Jahr bei YB war, und auch der Stadtrivale Austria war zu YB-Zeiten an Bickel herangetreten.

«Dieses Beziehungsnetz habe ich in Österreich nicht wieder, ich muss zuerst etwas aufbauen.»

Doch erst diesmal liess er sich auf ein Evaluationsverfahren ein. Vor zwei Wochen erfuhr er, dass ihn Rapid auf die Short List genommen hatte, und machte einen Online-Test. Später führte er in Wien Gespräche, am letzten Donnerstag redete er auch mit Adi Hütter, dem Österreicher, den er als Trainer zu YB geholt hatte; am Samstag unterschrieb er bis 2019. Er fühle «Respekt» vor der Aufgabe, sagt Bickel, weil er weiss, dass sein Netzwerk der letzten zweieinhalb Jahrzehnte an Wert verliert. «Seien wir ehrlich», sagte er an einer Pressekonferenz am Sonntag, «dieses Beziehungsnetz habe ich in Österreich nicht wieder, ich muss zuerst etwas aufbauen.»

Aber er weiss ebenfalls, dass er die Chance hat, sich ein etwas anderes Label und Image zu geben. Bei allen Stärken galt Bickel auch stets als Sportchef, der gern alte Weggefährten wieder zu sich rief. Diese Strategie lasteten ihm Kritiker unermüdlich an, so gut gewisse Personalentscheide auch waren; so sehr Bickel auch dagegen anredete und betonte, es sei schwierig, in der Schweiz Leute zu engagieren, die er nicht schon kenne.

Nun lässt er sich auf Neues ein. Nach den ersten Gesprächen mit Rapid sei «das alte Fussballblut aufgekocht», sagt Bickel, sein Wiener Fussballblut.


http://www.nzz.ch/sport/fussball/fredy- ... -ld.134008

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 Betreff des Beitrags: Re: Fredy Bickel - Sportchef
 Beitrag Verfasst: Sonntag 11. Dezember 2016, 23:52 
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«Ich habe keine Skrupel, auch Leute von YB zu holen»

Fredy Bickel spricht über seine neue Stelle als Geschäftsführer Sport bei Rapid Wien.

Im September musste er Knall auf Fall seinen Posten als Sportchef der Young Boys verlassen. Jetzt hat Fredy Bickel eine neue Stelle: Als Geschäftsführer Sport hat er bis 2019 beim österreichischen Traditionverein Rapid Wien unterschrieben.

Fredy Bickel, was wollen Sie bei Rapid Wien. Den Wiener Schmäh kennenlernen?
(schmunzelt) Das steht nicht zuvorderst. Rapid interessiert mich, weil der Club ein grosses Potential hat. Und ich denke, es ist für mich ein guter Schritt, zum ersten Mal ins Ausland zu gehen. Die Österreicher sind mir nahe, nicht nur wegen dem Schmäh, den ich liebe, sondern auch, was die Mentalität, die Kultur des Landes, die Musik, die Menschen betrifft. Ich kann mir vorstellen, dass wir auf einer ziemlich ähnlichen Linie sind.

Sie müssen sich also kaum gross anpassen?
Irgendwie passt es einfach. Ich hatte stets eine Verbindung zu Österreich, zu Wien schon in familiärer Hinsicht.

Inwiefern?
Meine beiden Grossmütter kommen aus Österreich, die eine aus Wien, die andere aus Vorarlberg und ich hatte mit beiden eine enge Beziehung.

Was wussten Sie vor vier Wochen über Rapid?
Dass ich auf einer Kandidatenliste als Sportchef bin.

Aber mit dem Club und der Mannschaft haben Sie sich ja kaum beschäftigt?
Ich habe Rapid immer verfolgt, weil mich die Verantwortlichen vor drei Jahren bereits einmal angefragt haben und es schon damals gute Gespräche gewesen waren….

…. war das nicht mit Austria Wien?
…. das war vor zwei Jahren. Mit Rapid waren es schon gute Gespräche, aber es kam damals überhaupt nicht in Frage, weil ich erst ein Jahr bei YB war. Die Führung machte mir jedoch einen so guten Eindruck, dass ich Rapid seither immer, natürlich nur aus der Ferne und nur am Rande, mitverfolgt habe. Ich habe auch die Trainerentlassungen und sonstigen Veränderungen im Club immer mitbekommen.

Jetzt wissen Sie schon einiges mehr.
Ich habe in den letzten Wochen sehr viel über Rapid gelesen, vor allem viele Interviews, um herauszuspüren, wie Trainer, Spieler, Funktionäre reden und funktionieren.

Es ist ein Verein mit einer grossen Tradition, Rekordmeister in Österreich, aber es ist kein einfacher Verein, der seit Jahren erfolglos ist. Das kennen Sie ja von Bern...
(lacht) Ja, das hatte ich seinerzeit beim FCZ kennengelernt, und das habe ich bei YB kennengelernt. Es ist mir nicht fremd. Aber wenn man in einem Club etwas bewegen will, dann kann es gar nichts Einfaches sein.

Weshalb sind Sie der richtige Mann, um Rapid wieder den Erfolg zu bringen?
Was ich von den Verantwortlichen gehört habe, deckt sich mit meinen Ideen vom Fussball, und ich meine jetzt nicht das, was auf dem Platz passiert, das ist Sache des Trainers, da rede ich nicht drein. Aber die Ausrichtung des Clubs, wie er sich positionieren will, was er im Nachwuchsbereich machen will - da waren wir uns schon im ersten Gespräch nahe.

Sie mussten die Wiener sehr überzeugen. Sie hatten vor einer Woche ein langes Bewerbungsgespräch.
Ja, das Ganze lief wie ein Assessment ab.

Etwas Neues für Sie, bisher wurden sie jeweils einfach vom neuen Club geholt?
Ja, das war neu. Ich musste von zu Hause aus erste Tests durchführen, wurde schon online ausgefragt. Aber ich machte mir nicht wirklich Gedanken über ein neues Engagement, dachte, ich sei einer von vielen Kandidaten. Aber plötzlich ging es schnell, waren wir nur noch drei Kandidaten. Und dann war es eine schwierige Hürde, ich musste mich zwei Stunden lang vor zehn Leuten präsentieren.

Es gab in Wien auch Vorbehalte gegenüber Ihnen aufgrund der letzten Ereignisse in Bern.
Sie haben sich sehr gut vorbereitet, wussten vieles, auch Dinge, die nicht einfach bekannt waren. Sie haben sich in der Schweiz offenbar sehr genau über mich erkundigt.

Belasten Sie selber die Vorwürfe von YB noch? Stichwort: Teure Mannschaft zusammengestellt, Spieler zu gut bezahlt.
Man muss sich immer selber hinterfragen, nach Fehlern suchen, die man vielleicht gemacht hat. Ich denke aber, dass inzwischen in Bern sehr vieles bewusst gestreut wird, und ich bei aller Objektivität und Selbstkritik sagen muss, das kann nicht sein. Im Sommer 2015 wollten wir bei YB alle zusammen, zwei, drei Schritte nach vorne machen, in die Mannschaft investieren. Und heute sagt man, es sei zu viel Geld ausgegeben worden. Geld konnte ich nie alleine ausgeben, für Verträge hat es nicht nur meine Unterschrift gebraucht.

Einen neuen Sparkurs könne man nicht mit einem Sportchef Bickel durchführen, sagen sie in Bern.
Mit mir hat niemand über eine Neuorientierung und Neuausrichtung diskutiert.

In Österreich mischen sich jeweils viele Namen von früher in die Clubpolitik ein. Hans Krankl bei Rapid beispielsweise. Als Marcel Koller österreichischer Nationalcoach wurde, hat es viele negativen Stimmen gegeben.
Ich weiss, sie haben ihn damals belächelt.

Jetzt kommt wieder ein Schweizer in den österreichischen Fussball. Haben Sie keine Angst?
Ich habe die Interviews von Krankl auch gelesen.

Und?
Die Österreicher äussern sich gerne pointiert und manchmal polemisch. Angst zu haben, wäre falsch. Aber sicher: Es ist mein erster Schritt ins Ausland, ich habe Respekt, und es ist ein grosser Traditionsverein. Ich weiss, es lauern Gefahren, und ich muss gewissen Vorurteilen entgegenwirken.

Der Name Fredy Bickel war in Wien nicht allen bekannt.
Das ist mir bewusst. Aber es ist wichtig zu spüren, dass der Verein ganz hinter einem steht.

Muss Rapid auch sparen?
Wir haben lange über Zahlen gesprochen.

Rapid hat mehr Geld als YB, ein 50-Millionen-Euro-Budget.
Sie haben ein grösseres Budget, das stimmt. Aber für sie ist wichtig, dass sie ihr Budget einhalten, und zwar mit Einkünften aus dem nationalen Wettbewerb, sie wollen nicht auf den Europacup oder Transfers angewiesen sein.

Rapid machte zuletzt gar Gewinn.
10 Millionen in der letzten Saison.

Ihre erste Aufgabe wird also nicht sein, neue Spieler zu verpflichten?
Sie haben 30 Spieler im Kader, es geht eher darum, die Mannschaft zu verkleinern als zu vergrössern.

YB muss somit im Moment keine Angst haben, dass Sie in Bern Spieler abwerben? Sie holen ja gerne Spieler bei ihren früheren Vereinen.
Wenn ich von Spielern oder Funktionären überzeugt bin, dann hat das nicht mit mir zu tun, sondern mit deren Qualitäten. Und wenn ich spüre, dass sie einen Verein weiterbringen können, dann habe ich keine Skrupel, solche Leute auch in der Schweiz und sogar bei YB zu holen. Es muss einfach stimmen.

Harald Gämperle ist Ihnen überall hin gefolgt, und sie sagen über ihn, er sei der beste Assistenztrainer, den man sich vorstellen kann. Ist Gämperle bald auch in Wien?
Rapid hat ein sehr gutes Trainerteam.

Kannten Sie den Namen Damit Canadi vorher (neuer Rapid-Trainer seit dem 11.11.)?
Der sagte mir etwas, und das hatte auch mit Adi Hütter zu tun, denn wir redeten oft über Altach, wo er ja auch Trainer war. Als wir im Sommer mit YB ein Testspiel hatten, kam es zu einem kurzen Gespräch mit Damit Canadi.

Rapid ist momentan nur Fünfter, 12 Punkte hinter dem Ersten, 10 hinter dem Vierten und in der Europa League ausgeschieden. Viel ist in dieser Saison nicht mehr zu erreichen?
Es wäre auch falsch, wenn ich bereits jetzt Ziele formulieren würde, das muss ich mit den Verantwortlichen absprechen. Aber ein Club wie Rapid muss das Ziel haben, europäisch dabei zu sein. Wir wollen also noch Dritter werden.

Hat sich Marcel Koller für Sie eingesetzt?
Keine Ahnung. Ich erhoffe mir, dass er, sollte er angefragt worden sein, nicht das schlechteste Wort eingelegt hat. Wir haben ja einen sehr guten Kontakt. Aber in den letzten vier Wochen habe ich ihn bewusst nicht angerufen.
Kennen Sie schon Namen von Rapid-Spielern?
Sicher. Ich hatte bei meinem Besuch grosse Freude an Sonnleitner, wenn ich gelesen habe, in was für einem Loch er war und wie er die Mannschaft jetzt führt. Schaub ist ein Mittelfeldspieler, wie es wenige gibt, intelligent, technisch stark. Und Joelinton, der Stürmer, machte mir grossen Eindruck, er erinnerte mich an Hoarau, macht jedoch nicht so viele Tore wie Guy. Und wahrscheinlich singt er auch nicht so gut.


http://www.tagesanzeiger.ch/sport/fussb ... y/15979636

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 Betreff des Beitrags: Re: Fredy Bickel - Sportchef
 Beitrag Verfasst: Montag 12. Dezember 2016, 19:59 
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Bickel neuer Sportchef bei Rapid Wien

«Habe keine Skrupel, auch Leute von YB zu holen»

Drei Monate nach seiner Entlassung bei YB hat Fredy Bickel einen neuen Arbeitgeber. Den Zürcher zieht es in die österreichische Hauptstadt.

Bei Rapid Wien machen sie Nägel mit Köpfen. Seit November befindet sich der österreichische Rekordmeister im Umbruch. Coach Mike Büskens und Sportchef Andreas Müller mussten den Hut nehmen. Der neue Mann an der Seitenlinie heisst: Damir Canadi. Und seit Samstag ist auch klar, wer Müller beerbt: Fredy Bickel.

Der Zürcher heuert beim Traditionsverein an. Er soll Rapid Wien wieder an die Spitze Österreichs führen. Im Interview mit «Tages-Anzeiger» verleiht er diesem Begehren Nachdruck: «Ein Klub wie Rapid muss das Ziel haben, europäisch dabei zu sein.» Aktuell steht das Team auf dem enttäuschenden fünften Tabellenplatz. Um zumindest in der Europa League mit von der Partie zu sein, muss Rang drei her.

Dass Bickel nach Ämtern beim FCZ und YB erstmals im Ausland den Part als Sportchef einnimmt, ist wenig überraschend. Insbesondere in Anbetracht des Interesses, das die Wiener schon vor längerer Zeit bekundeten. «Ich habe Rapid immer verfolgt, weil mich die Verantwortlichen vor drei Jahren bereits einmal angefragt haben und es schon damals gute Gespräche waren.»

Der Mettmenstetter, mit dem der FC Zürich zwischen 2006 und 2009 drei Meistertitel einheimste, scheut sich nicht, ehemalige Mitarbeiter in die Hauptstadt unseres östlichen Nachbars zu lotsen – wenn es ihm dienlich ist. «Wenn ich von Spielern oder Funktionären überzeugt bin, dann hat das nichts mit mir zu tun, sondern mit deren Qualitäten.» Er habe keine «Skrupel, solche Leute auch in der Schweiz oder sogar bei den Young Boys zu holen.»


http://www.blick.ch/sport/fussball/inte ... 85996.html

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 Betreff des Beitrags: Re: Fredy Bickel - Sportchef
 Beitrag Verfasst: Freitag 23. Dezember 2016, 03:23 
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Der ehemalige YB-Sportchef Fredy Bickel: «Singen war gut für die Ablenkung»

Fredy Bickels persönlicher Rückblick auf ein emotionales Jahr: Bei YB entlassen, nun Hoffnungsträger von Rapid Wien. Und er spricht über die Unterschiede zwischen dem österreichischen und dem schweizerischen Fussball.

«Irgendwie fühlt es sich an wie ein Direktflug. Von Bern nach Wien. Ohne Pause. Drei Monate ist mein Abschied nun her, aber ich habe das Gefühl, als wäre ich noch gar nicht weg gewesen. Und Zeit für mich selbst habe ich mir auch nicht wirklich genommen.

Immer wieder war ich in Bern. Immer wieder mit dem Bau eines Hauses beschäftigt. Und zwischendurch produzierte ich mit meinen Freunden Helga Schneider, Halunken Häni und Beat Schlatter einen Song. Das Singen, meine alte Passion, das war gut für die Ablenkung. Ich hoffe nur, die Leute nehmen uns nicht allzu ernst – weil wir uns selbst auch nicht allzu ernst nahmen.

Das Gefühl Anfang Jahr stimmt – doch plötzlich ändert alles

Ich habe ein Jahr der Achterbahnfahrt hinter mir. Als ich am 13. Januar meinen Vertrag bei YB verlängerte, war die Stimmung im Verein gut. Wir hatten den schwierigen Herbst mit der Trainerentlassung von Uli Forte und dem Europa-Aus verarbeitet. Der FCB zahlte uns doch noch etwas für Renato Steffen. Wir konnten Yoric Ravet von GC verpflichten. Das Gefühl stimmte.

Im März kam Urs Siegenthaler in den Verein. Ich spürte vom ersten Tag an: Da ändert sich etwas. YB wollte eine Sportkapazität im Verwaltungsrat. Auch ich präsentierte Namen, Berner, ehemalige Spieler zum Beispiel.

Als wir uns zum ersten Mal sahen, sagte er: ‹Siegenthaler, Grüezi Herr Bickel.› Wir kennen uns seit 25 Jahren und sind seit 20 Jahren per Du. Mein Bauchgefühl liess mich nicht im Stich. Aber das konnte ich damals noch nicht wissen. Denn ich habe nie auch nur einen einzigen Satz gehört, der meine Zweifel bestätigt hätte.

Der Vertrag mit meinem Nachfolger Paul Meier wurde lange im Voraus unterschrieben. Anscheinend hätte ich erst im Oktober entlassen werden sollen. Doch plötzlich kam Unsicherheit auf, dass alles an die Öffentlichkeit kommen könnte. Dann aber gab Siegenthaler sein legendäres Interview im St. Jakob-Park mit der Muttenzerkurve im Hintergrund. Und alles wurde wieder anders.

Die Geschichte hat etwas sehr Gutes. Nämlich, dass Christoph Spycher mein Nachfolger wurde. Das ist das Beste, das YB passieren konnte. ‹Wuschu› hat einige Male mit mir gesprochen seither. Er wird mit YB einen guten Weg gehen.

Die Liebe zur Stadt macht den Abschiedsschmerz gross

Im Sommer habe ich in Ihrer Zeitung den Satz gesagt, dass sich das Versagen bei YB im Unterbewusstsein eingenistet habe. Ist es ein Fluch? Vielleicht. Überwinden kann man ihn, indem man Erfolge erlebt. Die Meistertitel beim FC Zürich waren nur möglich, weil das Team zuvor den Cup gewann. Wer weiss, vielleicht erlebt Bern 2017 einen Cup-Triumph. Der könnte dem ganzen Verein enorm viel bringen.

Ich habe keine Angst, den lang ersehnten Titel zu verpassen. Ich freue mich noch heute über jedes gute YB-Resultat. Weil ich mich mit dem Verein identifiziere. Und ich liebe die Stadt. Darum hat mich der Abschied grausam getroffen. Und jetzt bin ich schon wieder im Geschäft. Verrückt, wie schnell es gegangen ist.

Ich weiss nicht mehr, wie Rapid Wien auf mich gekommen ist. Zum ersten Mal Kontakt hatten wir vor vier Jahren. Sie riefen mich an, als ich gerade eben zu YB gekommen war. ‹Schade um den Zeitpunkt›, dachte ich, ‹das hätte durchaus spannend sein können›. Nun klappt es doch noch. Und ich bin fasziniert von Stadt und Verein.

Ein Test-Fragebogen mit vielen erstaunlichen Erkenntnissen

Als die Liste der möglichen Kandidaten noch drei Personen umfasste, durfte ich einen Test-Fragebogen ausfüllen. 50 Fragen habe ich beantwortet. Es ging immer darum, fünf Begriffe zu ordnen nach Wichtigkeit für mich selbst. Wobei es immer ähnliche Begriffe sind, manchmal fünf positive, manchmal fünf negative.

Als sie mir die Auswertung zeigten, konnte ich es fast nicht glauben. Es war, als würden sie mich seit 30 Jahren kennen. Selbst meine Eltern waren ziemlich überrascht. Beispielsweise stand da, wie man mit mir am besten kommuniziert. Oder dass ich schon ziemlich stur und abweisend oder arrogant reagieren kann, wenn man mich nicht in Entscheidungen einbezieht oder etwas zu wenig ausdiskutiert.

Drei Tage nach dem Test bin ich zum letzten Gespräch nach Wien geflogen. Danach ist alles schnell gegangen. Ich hätte gleich beginnen können. Aber zuerst musste ich meine Vertragsmodalitäten mit YB regeln. Ich habe mich natürlich auch intensiv mit Adi Hütter ausgetauscht und mit Marcel Koller unterhalten.

Als österreichischer Nationaltrainer kennt er den Fussball rund um Wien perfekt. Er hat mir Rapid wärmstens empfohlen. Die Stadt lebt den Verein. 2008 war Rapid zuletzt Meister. Nun lechzen die Fans nach einem nächsten Erfolg. Man hat mir erzählt, es wären sofort eine halbe Million Menschen auf der Strasse bei einem Titel.

Die ersten 1500 Vereinsmitglieder dürfen bei der Weihnachtsfeier dabei sein. Um das zu erleben, haben viele sogar draussen vor dem Eingang übernachtet. Nach 10 Minuten waren alle Tickets weg.

Der Blick von der Schweiz auf den österreichischen Fussball ist immer noch geprägt vom Denken des kleinen Nachbars. Dabei sind die Vereine, was Marketing und Werbung angeht, gut aufgestellt. Weiter gar als die Schweizer Vereine.

Dafür ist der Sport etwas weniger professionell aufgestellt als in der Schweiz. Ob Altach oder Rapid Wien – Unterschiede gibt es kaum. Die Spieler kommen direkt von zu Hause zur Besammlung, einfach irgendwie angezogen. Im Training fehlen manchmal Überzieher oder Hütchen, fast wie bei einem 2.-Liga-Unihockeyverein.

Eine Antwort mit mehr Cleverness als einst bei YB

Als ich vorgestellt wurde, kam natürlich sofort die Frage, wann denn endlich der Titel komme. Ich habe aus meinen Fehlern bei YB gelernt, mich etwas cleverer verhalten und nicht gleich den Pokal versprochen.

Es gibt auch andere Ziele, um erfolgreich zu sein. Momentan stehen wir auf Rang 5. Unter die Top 3 zu kommen, wäre super. Am 9. Januar nehme ich meinen neuen Job offiziell auf. Das Schönste ist: Ich spüre, die Leute freuen sich auf mich.»


http://www.basellandschaftlichezeitung. ... -130806671

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 Beitrag Verfasst: Samstag 11. Februar 2017, 11:38 
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Fredy Bickels Zeit in Wien beginnt mit dem 320. Derby

Mit dem 320. Derby bei Austria am Sonntag beginnt für Rapid Wiens neuen Schweizer Sportchef Fredy Bickel die sportliche Amtszeit.

Ein Wiener Fussball-Derby zum Start der Rückrunde ist gerade in der aktuellen Situation von Rapid ein zweischneidiges Schwert. Im Falle einer Niederlage im Happel-Stadion gegen die Austria wurde die herbstliche Tristesse verlängern. Ein Sieg hingegen könnte neue Kräfte freisetzen, die für einen positiven Saisonabschluss benötigt werden - und genau darauf hofft man im Lager der Hütteldorfer.

Deshalb sieht Trainer Damir Canadi das 320. Kräftemessen mit dem Erzrivalen vor allem als Chance. "Die Mannschaft wird alles daran setzen, um zu gewinnen", versprach der Wiener. Man wolle "selbstbewusst und zielorientiert" auftreten und "die richtige Balance zwischen Offensive und Defensive" finden.

Den Druck, der auf seinen Spielern lastet, bewertet Canadi positiv. "Wir wollen eine Meistermannschaft aufbauen und da werden wir schauen, ob die Spieler auch unter Druck ihre Leistungen abrufen können."

Meistertitel wohl weg

In dieser Saison wird es aber ziemlich sicher nichts mit dem Meistertitel für Rapid - der Tabellenfünfte liegt 16 Runden vor Schluss 15 Punkte hinter Winterkönig Altach, die viertplatzierten "Veilchen" sind auch schon 10 Zähler entfernt. "Der Rückstand auf die Austria ist so, wie er ist, wir haben das zu akzeptieren. Doch ein Derby hat eigene Gesetze, da ist die Tabellensituation nicht immer entscheidend", erklärte Canadi.

Bickels Vorfreude

Der neue Sport-Geschäftsführer Fredy Bickel verspürt schon grosse Vorfreude auf den Frühjahresstart. "Seit ich hier bin, spricht man nur von diesem Auftaktspiel", erzählte er. "Derbys kenne ich auch, in Zürich waren die Derbys auch immer sehr heiss. Ich habe aber gehört, dass es hier noch etwas intensiver zugeht, von dem her freue ich mich richtig darauf." Allerdings merkte der 51-Jährige auch an: "Die Austrianer wissen, dass sie unsere Hoffnungen mit einem Schlag zunichtemachen können."

Im Falle einer Niederlage wäre nämlich eine Qualifikation für die Europa League via Meisterschaft in weiter Ferne. "Wir wollen in der nächsten Saison unbedingt europäisch spielen, wissen aber auch, dass wir auf die Gegner angewiesen sind", sagte der im letzten September bei den Young Boys entlassene Sportchef. Als weitere Zutrittsmöglichkeit zu einem internationalen Bewerb bliebe der Cup, wo Rapid im Viertelfinal steht. "Aber einfach nur auf den Cup zu setzen, ist schwierig", warnte Bickel.

Blick nach vorne

Der Zuger mit Vertrag bis 2019 schwärmte noch einmal von seinen bisherigen Eindrücken bei Rapid und betonte, man müsse den Blick ungeachtet der Herbst-Ergebnisse nach vorne richten. Dazu passend veröffentlichte Rapid am Freitag unter dem Motto "Alle gemeinsam. Jetzt erst recht" ein Foto-Projekt, das Spieler, Betreuer, Funktionäre, Fans und Club-Legenden dabei zeigt, wie sie versuchen, einen im Rasen des eigenen Stadions feststeckenden Karren aus dem Dreck zu ziehen. Damit solle laut Wirtschafts-Geschäftsführer Christoph Peschek symbolisiert werden, "dass der im letzten Jahr etwas verfahrene grün-weisse Karren nur mit Teamgeist und Zusammenhalt wieder in erfolgreiche Bahnen gelenkt werden kann".


http://www.aargauerzeitung.ch/sport/fus ... -130966371

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 Betreff des Beitrags: Re: Fredy Bickel - Sportchef
 Beitrag Verfasst: Sonntag 19. März 2017, 02:36 
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Bickel: «Es ist derzeit nicht angenehm als Rapidler»

Rapid Wien steckt in der Krise. Der frühere YB-Sportchef Fredy Bickel spricht über seine schwierige Aufgabe beim österreichischen Rekordmeister, über eine Alpenliga und die Young Boys.

Welchen Platz würde YB in der österreichischen Liga belegen?
Fredy Bickel: YB würde um den Titel kämpfen. Mindestens Rang 2 hinter Red Bull Salzburg.

Also wie in der Schweiz. Und wo würde Ihr Verein Rapid Wien in der Super League landen?
Normalerweise auf Rang 3 bis 5, auf Augenhöhe mit Sion und Luzern. Aber so, wie wir zuletzt spielten, wohl weiter hinten.

Rapid Wien, Rekordmeister mit 32 Titeln, liegt nur auf Rang 6 und verlor dreimal in Serie ...
... die Situation ist unschön. Es ist eine sehr unruhige Saison, ich bin der zweite Sportchef seit dem letzten Sommer, das Team hat den dritten Trainer seither, es ist verunsichert, in der Vorrunde wurden nach Europa-League-Ein­sätzen Punkte bitter abgegeben, es gab viele Verletzte. In so einer Krise führt immer das eine zum anderen. Und nun stecken wir tief im Schlamassel drin.

Wie unterscheidet sich eine ­Rapid-Krise von einer YB-Krise?
Das ist relativ ähnlich, zumal sich die Vereine ja vom Profil her wenig unterscheiden. Es sind grosse Klubs mit einer langen Tradition, die im Schatten eines überragenden Vereins stehen. Auch Rapid kann Salzburg kaum angreifen, so wie das YB bei Basel erlebt. Aber wir müssen und wollen genau wie die Young Boys bereit sein, falls der Favorit schwächelt.

Wien ist eine deutlich grössere Stadt als Bern. Spüren Sie das?
Der Druck ist noch einmal grösser, es leben deutlich mehr Menschen in Wien, Rapid interessiert fast die ganze Stadt. Die Medien berichten jeden Tag über uns, die Spieler und der Klub werden hart attackiert, teilweise sicher berechtigt, es lief vieles schief. Der mediale Fokus ist gewaltig. Und es ist unter diesen Umständen schwierig, die Verunsicherung abzulegen. Der Zusammenhalt im Team aber ist bemerkenswert, da ist viel Charakter vorhanden. Die Jungs und die Trainer kassieren von Medien und Öffentlichkeit viel Schelte. Sie stehen trotzdem immer wieder auf, versuchen alles, um das Schiff zu wenden.

Wann kommt der vierte Trainer in dieser Saison?
An diesen Gedanken verschwende ich keine Zeit. Trainer Damir Canadi geniesst das Vertrauen, er war der Wunschkandidat der Vereinsführung und erhält Zeit, etwas aufzubauen. Es ist kompliziert, weil bis zu dieser Saison inklusive Vorbereitung drei Jahre ein anderer, beliebter Trainer hier war. Dann kam Mike Büskens mit neuen Ideen und Spielerwünschen, seit November ist nun Canadi da. Wieder mit anderen Vorstellungen.

Man weiss, dass Sie nicht gerne Trainer entlassen. Aber bleibt Rapid die nächsten zwei, drei Wochen sieglos, werden Sie handeln müssen.
Nochmals, daran denke ich nicht. Auch wenn ich weiss, wie es im Fussball läuft. Zudem gehen wir ja nicht davon aus, weitere zwei, drei Wochen sieglos zu bleiben.

«Die Leute kommen ans Training, sie sprechen uns überall an, leiden mit, das ist eine Verpflichtung.»

Sie haben wie zuletzt bei YB ein sehr grosses Kader mit 31 Spielern und müssen vorerst Akteure verkaufen. Das muss für einen Sportchef frustrierend sein.
Nein, wir konnten im Winter zwei Spieler ohne Kostenfolge ausleihen und einen verkaufen. Zudem hat man mir in den Gesprächen vor der Anstellung klar gesagt, wie die Spielregeln aussehen und was mich erwartet. Es ist eine gewal­tige Herausforderung, hier zu arbeiten, Rapid ist ein grosser Klub, wir haben über 20'000 Zuschauer im Schnitt, obwohl es sportlich überhaupt nicht läuft. Die Leute kommen ans Training, sie sprechen uns überall an, leiden mit, das ist eine Verpflichtung.

Wie ist Rapid Wien aufgestellt im Vergleich zu YB?
Als ich in Zürich beim FCZ war, schimpfte ich über die Trainingsbedingungen. Dann kam ich nach Bern und dachte, es könne nicht schlimmer sein! Es war schlimmer. Viel schlimmer! Nun bin ich bei Rapid – und es ist noch einmal eine Kategorie schlechter. Im Prater stehen elf Trainingsplätze, die Nationalmannschaft trainiert auf einem, die fünf besten gehören dem Wiener Verband, Rapid hat die fünf anderen. Das ist viel zu wenig für 17 Teams. Auch der Schweizer Marcel Koller, Coach der Nationalmannschaft, ist nicht zufrieden mit den Trainingsmöglichkeiten. Und bei Rapid befinden sich zudem die Büroräumlichkeiten der sportlichen Abteilung in einem anderen Teil der Stadt als jene der Administration, da fährt man locker einmal eine Stunde. Immerhin: Das im Sommer eröffnete Al­lianz-Stadion ist toll, modern, die Zuschauer sind treu, lieben es.

Hatten Sie sich die Aufgabe in Wien leichter vorgestellt?
Nicht unbedingt. Hätte es keine Schwierigkeiten gegeben, hätte man ja im Dezember auch nicht einen neuen Sportchef gesucht. Die Leute sind sehr hilfsbereit, sehr freundlich, sehr positiv, sie helfen mir, wo sie können. Doch es wird einige Zeit benötigen, bis wir voll auf Kurs sein werden. Rapid Wien ist ein grosser Klub, da reden viele Leute mit. Politik und Tradition sind wichtig. Deshalb kann es dauern, bis man etwas verändern kann. Das ist manchmal ermüdend, aber es ist vor allem äusserst interessant.

Wie viele Rapid-Spieler hätten denn einen Stammplatz bei YB?
(überlegt lange) Das kann ich so nicht sagen. Lassen Sie es mich so formulieren: Bei einem Duell mit YB würde ich einem Freund im Moment nicht empfehlen, auf Rapid Wien zu setzen.

Und welcher Verein hat die ­höhere Lohnsumme?
Wie in der Wirtschaft sind in Österreich die Löhne auch im Sport tiefer. Wobei: Welten liegen nicht zwischen den Vereinen.

Wenn man Ihnen zuhört, muss man davon ausgehen, dass die Super League die bessere Liga ist.
Das ist so. Sportlich sind die ­Vereine in der Schweiz besser ­geführt, es wird mehr Gewicht in den Fussball, das Umfeld, die Trainingsbedingungen gelegt. Aber hier in Österreich sind dafür die Vermarktung, die PR, das Sponsoring, auch das ganze Drumherum bei einem Spiel viel professioneller. Die Betreuung und Pflege dieser Gruppierungen, aber auch der anderen Spielbesucher ist ausgezeichnet, da wird ein Riesenaufwand be­trieben. Unter dem Strich wäre eine Mischung aus beiden Ligen ideal.

Und wie beurteilen Sie die Ligen im wirtschaftlichen Vergleich?
Da liegt Österreich klar vorne. Hier hat letzte Saison nur ein ­Verein Verluste gemacht, in der Schweiz schreibt ja nur der FCB regelmässig Gewinne. Rapids Budget ist demjenigen von YB gleichzusetzen, der Profit letzte Saison betrug hier jedoch rund elf Millionen Franken ...

... so viel verlor YB in den letzten Jahren fast pro Saison ...
... in der Super League ist man viel stärker vom Sport abhängig. Man generiert weniger Einnahmen ausserhalb des Fussballs. Vielleicht liegt es daran, dass in vielen Klubs Investoren sind, man somit vielleicht einen geringeren finanziellen Druck hat. Hier in Österreich hat wohl einzig Salzburg mit Red-Bull-Besitzer Didi Mateschitz einen Geldgeber. Alle anderen Vereine müssen ihr Budget selber erwirtschaften und somit in der Vermarktung sehr innovativ und kreativ sein.

Dann bleibt noch die Frage nach der höheren Lebensqualität.
Ich hing und hänge sehr an Bern, es ist eine traumhafte Stadt, die ich vermisse. Aber Wien ist selbstverständlich auch fantastisch, es ist ein Privileg, hier leben zu dürfen. Die kulturellen Möglichkeiten sind herausragend, es ist eine Weltstadt, in der es nie langweilig ist. Zuletzt ging ich allerdings nicht gross raus, man wird überall erkannt. Es ist derzeit nicht angenehm als Rapidler, weil die Menschen mitfiebern und einen sofort ansprechen.

«Hier wird unfassbar deftig gekocht. Ich frage mich, wieso nicht jeder Österreicher 150 Kilo schwer ist.»

Aber die kulinarischen Optionen in Wien dürften Ihnen gefallen.
(lacht) In der Tat, da gibt es nichts zu meckern. Ausser vielleicht, dass man sich als Schweizer extrem umstellen muss. Hier wird unfassbar deftig gekocht. Ich frage mich, wieso nicht jeder Österreicher 150 Kilogramm schwer ist. Manchmal habe ich bereits nach der Hälfte der Vorspeise genug für den ganzen Abend gegessen, weil zum Beispiel die Knoblauchsuppe derart schwer ist, dass der Löffel fast stecken bleibt.

Haben Sie zugenommen?
Nein, ich versuchte von Anfang an, sehr diszipliniert zu sein beim Essen. Bisher ist mir das einigermassen gelungen. Doch das ist nicht immer einfach, weil die Speisen sehr lecker und die Lokale sehr gemütlich sind.

Und wie steht es um Ihren ­Kontakt zu YB?
Der ist immer noch da, das wird hoffentlich so bleiben. Ob mit Trainern, einzelnen Spielern, Funktionären, Angestellten, Fans oder Sponsoren. Ich möchte diese Saison auch unbedingt noch ein YB-Heimspiel besuchen, ich habe es diesen Leuten versprochen. Zudem verfolge ich die Spiele auf Radio Gelb-Schwarz, wenn sie nicht im Schweizer Fernsehen kommen. Ich leide noch immer mit, wenn es nicht läuft. Als die Young Boys im Cup gegen Winterthur ausschieden, hätte ich am liebsten meine Wohnung kurz und klein geschlagen. Ich hänge nach wie vor an YB, habe überhaupt nichts gegen diesen Verein. Höchstens zwei, drei Personen möchte ich nicht mehr unbedingt begegnen.

Was würden Sie bei YB im Rückblick anders machen?
Das ist eine schwierige Frage. Ich will nicht nachträglich schlecht reden und Öl ins Feuer giessen, das ist nicht meine Art. Aber ich war zu naiv, zu gutgläubig. Ich bin ein Mensch, der Menschen Vertrauen schenkt. Leider wurde das missbraucht. Ich wurde angelogen, hintergangen, benutzt. Ich liess es aber mit mir geschehen, also ist es auch meine Schuld. Nicht auf mich nehme ich jedoch Geschichten, die wenige Personen über mich erzählen und so nicht stimmen.

Denken Sie an die Storys, die bei YB erzählt werden, wonach Sie viel zu viel Geld für Verträge und Ablösesummen ausgaben?
Ich weiss, was über mich erzählt wird. Dabei geht es diesen Herren nur darum, die völlig falsche Berufung von Urs Siegenthaler, der mich vom ersten Tag an ersetzen wollte, in den Verwaltungsrat zu vertuschen. Nun, dies wurde ja danach schnell korrigiert, mit Ernst Graf ein wunderbarer Mensch in den Verwaltungsrat geholt und mit Wuschu Spycher der beste Mann, mein absoluter Wunschnachfolger, als Sportchef installiert.

Es scheint, als ob Sie sich noch nicht von YB lösen können.
Es war eine wunderschöne Zeit mit vielen unglaublich tollen Erinnerungen. Ich bin froh, sind immer noch viele Leute mit grossen Qualitäten dabei, die ich mag und gut kenne. Und die ich zum Teil auch angestellt habe. Ich arbeite aber nun für Rapid Wien, es gefällt mir hier. Doch YB hat immer einen Platz in meinem Herzen.



Bickel und Bozzetti, Rapid Wien und YB

Fredy Bickel hat erst am späten Abend, kurz vor Mitternacht, Zeit für ein Telefongespräch. Die Arbeitstage bei seinem neuen Verein Rapid Wien sind lang, der Traditionsklub und Rekordmeister (32 Titel) steckt nach drei Niederlagen in Serie weiter in einer tiefen Krise – und liegt nur auf Rang 6, 2 Punkte vor dem Achten, aber 24 hinter Red Bull Salzburg. Und das, obwohl der Klub zuletzt dreimal Zweiter wurde. Allerdings haben die Wechsel auf dem Trainerposten die Fussballer zusätzlich verunsichert, das Kader ist aufgebläht, Bickel muss Spieler loswerden. Seine Arbeit ist also fast wie zuletzt in Bern. Es gilt einen ruhmreichen Klub zu alter Grösse zu führen. Seit 1988 wurde Rapid nur dreimal Meister, zuletzt 2008.

Die Perspektiven des Vereins jedoch sind prächtig, die im letzten Sommer eröffnete Allianz-Arena mit rund 28'000 Plätzen ist gut gefüllt, der Zuschauerschnitt beträgt über 21'000, die VIP- Logen sind ausgebucht, Rapid boomt, letzte Saison erwirtschaftete der Verein rund elf Millionen Franken Gewinn. Bickel ist optimistisch, den sport­lichen Turnaround zu schaffen, weil er spürt, über welchen starken Rückhalt der Wiener Vorzeigeklub in der Öffentlichkeit und beim Publikum verfügt.

In seiner neuen Organisation fühlt sich der Sportchef an die Young Boys und die «YB-Viertelstunde» erinnert. Bei jedem ­Rapid-Spiel wird zu Beginn der letzten 15 Minuten von den Fans die legendäre Rapid-Viertelstunde mit Klatschen angekündigt. Nach Überlieferungen sollen die Anhänger dieses Ritual seit über 100 Jahren praktizieren.

Man spürt im Gespräch, wie stark Fredy Bickel noch an YB, wo er zweimal mehrere Jahre tätig war, denkt. Der 51-Jährige redet ausführlich über die Geschehnisse in Bern, seinen Rauswurf im letzten Herbst und über Menschen, die ihn «angelogen und enttäuscht» hätten. Aber weil er mit den allermeisten Personen im YB-Umfeld einen guten Umgang pflegte und pflegt, möchte er darüber nicht im Detail sprechen. Und zur endgültigen Verurteilung Peter Bozzettis, der Bickel 2013 zu erpressen versuchte, in dieser Woche meint Bickel, das sei ja keine Überraschung. Der Spielervermittler hatte die Straftat anerkannt, mit seinem Rekurs jedoch gehofft, weniger lang ins Gefängnis gehen zu müssen. Das Zürcher Obergericht hat Bozzetti am Dienstag erneut für schuldig befunden. Gegen das erste Urteil hatte Bozzetti vor Bundesgericht Beschwerde erhoben und recht erhalten. Nun wurde Bozzetti wegen versuchter Erpressung und Nötigung zu vierzehn Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. Sechs Monate muss er absitzen, acht Monate werden aufgeschoben.

Die Sache mit Bozzetti und der jahrelange Streit mit dem «Blick» sind für Bickel weit weg. Seine Konzentration gilt Rapid Wien, wo er seit drei Monaten arbeitet, als Hoffnungsträger für bessere Zeiten gilt und vor einer grossen Herausforderung steht.


http://www.bernerzeitung.ch/sport/fussb ... y/11446086

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 Beitrag Verfasst: Dienstag 11. April 2017, 10:23 
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Holt Bickel Hütter nach Wien?

Adi Hütters Name, Trainer bei YB, tauchte auf einer Kandidatenliste für Rapid Wien auf.

In Österreichs Medien tauchte unterdessen YB-Trainer Adi Hütter auf einer Kandidatenliste bei Rapid Wien auf. Dort musste Fredy Bickel, bis Herbst Sportchef der Young Boys, am Wochenende ja Coach Damir Canadi entlassen. Hütter geniesst in seiner Heimat einen guten Ruf. «Ich fühle mich bei YB sehr wohl und habe einen Vertrag bis 2018», sagt Hütter. «Und zu Gerüchten nehme ich keine Stellung.»

Möglicherweise wird sich Bickel an den bei Basel ab Sommer nicht mehr erwünschten Urs Fischer, mit dem er einst bei Zürich zusammenarbeitete, erinnern.


http://www.bernerzeitung.ch/sport/fussb ... y/19077550

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 Betreff des Beitrags: Re: Fredy Bickel - Sportchef
 Beitrag Verfasst: Donnerstag 1. Juni 2017, 10:34 
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Pannen statt Titel

Fredy Bickel steht mit Rapid Wien vor einem ersten Höhepunkt. Im Cupfinal gegen Salzburg geht es für ihn um mehr als den Pokal.

Rapid bewegt, Rapid wühlt auf. Der populäre Verein wird täglich mit der Lupe begutachtet. Für keinen anderen Club in Österreich interessieren sich mehr Anhänger und Kritiker. Der Stammverein der vor zwei Jahrzehnten verstorbenen Ikone Ernst Happel beschäftigte wichtige und klingende Namen der Austria-Szene. Andreas Herzog, die eleganteste Nummer 10 der jüngeren ÖFB-Geschichte, führte einst Regie, Hans Krankl, Mitglied der Rapid-Elf des Jahrhunderts, schoss die nationale Fussball-Institution zu vier Cupsiegen.

«In der Stadt Wien spielen Traditionen generell eine extrem wichtige Rolle. Und Rapid hat eine gewaltige Geschichte. Der Verein ist etwas ganz Grosses.» Fredy Bickel hat die Dimension seines neuen Arbeitgebers seit seinem Einstieg im letzten Dezember schnell erkannt. Der frühere Sportchef der Young Boys und des FC Zürich ist beeindruckt von Rapids «Macht und Kraft im ganzen Land».

Womöglich könne man sich in der Schweiz die Bedeutung des Wiener Sportclubs gar nicht richtig vorstellen, mutmasst Bickel. Das Umfeld ist vielschichtig und produziert Aufregung. Bickel nimmt die Themenvielfalt wahr und registriert die unzähligen Kommentare. «Es gibt viele Legenden, die mitreden. Jeder nutzt die Gelegenheit, sich zu äussern.»

«Liegt allen brutal auf dem Magen»

In der aktuellen Kampagne kamen die Schlagzeilenproduzenten nicht zu kurz. Statt um den Titel zu spielen, leistete sich der Club eine Panne nach der anderen. Vor wenigen Tagen erst beförderte die Leitung den vormaligen Assistenten Goran Djuricin zum vierten Chef-Trainer innerhalb von knapp zwölf Monaten. Er schaffte es zumindest, die Krise zu stoppen – vier der letzten fünf Partien gewann Rapid unter seiner Leitung. Nun bietet sich im Wörthersee-Stadion von Klagenfurt am Ende einer mehrheitlich missratenen Saison die Chance, die zweitwichtigste Trophäe des Jahres zu gewinnen. «Wir könnten die gesamte Saison retten», sagt Bickel. «Rapid hat den Cup seit 22 Jahren nicht mehr geholt. Das liegt hier allen brutal auf dem Magen.» Gegen 15 000 Hütteldorfer Sympathisanten wollen gemeinsam mit den Protagonisten vor Ort das Ende der Leidenszeit zelebrieren.

«Ein Sieg wäre unfassbar, wir sind der krasse Aussenseiter. Kein Mensch gibt uns Kredit», meldet Bickel nach einer über vierstündigen Busfahrt in die Endspiel-Stadt. «Salzburg dominiert die Liga noch mehr als der FC Basel die Super League. Deshalb wäre ein Erfolg gegen den Meister fantastisch.»

http://www.derbund.ch/sport/fussball/Pa ... y/22414769

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 Betreff des Beitrags: Re: Fredy Bickel - Sportchef
 Beitrag Verfasst: Mittwoch 9. August 2017, 09:42 
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Hey, hier kommt Fredy

Seit Januar ist Fredy Bickel Geschäftsführer Sport bei Rapid Wien – es geht ihm gut mit dem Fussball, dem Leben und der Musik.

Die Toten Hosen röhren aus den Lautsprechern: «Hey, hier kommt Alex! / Vorhang auf – für seine Horrorschau!» In der Kurve der hartgesottenen Rapid-Fans steht auf einem Transparent: «Wir wollen die Veilchen leiden sehen.» Auf der Trainerbank sitzt Fredy Bickel und ist angespannt. Eine Beruhigungszigarette hat er hinter sich.

Es ist Derbytag in Wien, Rapid gegen Austria, Grosskampftag in Hütteldorf, dem alten Arbeiterquartier im Westen der Stadt. Hinter dem Stadion erhebt sich einer der grössten Gemeindebauten Wiens für 3500 Menschen. Zum 322. Mal spielen die Hütteldorfer und die Veilchen gegeneinander, nur in Glasgow sind zwei Stadtrivalen häufiger aufeinandergetroffen. «Ein Derbysieg kommt knapp hinter dem Meistertitel», sagt ­Bickel.

«Unsere Stadt – unser Verein» steht über der Tür, die auf den Platz führt. ­Bescheidenheit tönt anders. Rapid besitzt auch viel Geschichte. Eine neue Imagestudie sagt, 45 Prozent aller Fussballinteressierten in Wien seien Rapid-Fans, nur 14 Prozent würden zur Austria halten. Rapid hat seine Anhänger im ganzen Land. Ist Rekordmeister mit 32 Titeln. Und seit Anfang Januar der Arbeitgeber von Fredy Bickel als ­Geschäftsführer Sport.

Bickel spürte schnell sein Wiener Blut

Im vergangenen September musste Bickel bei YB gehen, vertrieben vom ­damaligen Verwaltungsrat Urs Siegen­thaler, der allerhand zum Gerede beitrug, Bickel habe eine zu teure Mannschaft ­zusammengestellt. (Es ist nahezu jene Mannschaft, die jetzt in Bern von Presse und Fans gefeiert wird.)

Eigentlich wollte Bickel nach der ­Vertreibung aus seinem Berner Paradies nicht gleich wieder arbeiten. Der 52-Jährige wollte sich nach aufreibenden dreieinhalb Jahren bei YB erholen.

Dann aber kam Rapid und liess beim Werben um seine Dienste nicht locker. Bickel war schnell der Favorit der Verantwortlichen, und er selbst spürte schnell sein Wiener Blut, das er dank einer Grossmutter hat. Bei ihm ist es ­irgendwie auch kein Zufall, dass er nun in einem Haus lebt, in dem während des Zweiten Weltkrieges ein jüdisches Flüchtlingslager untergebracht wurde. Seine Grossmutter war Jüdin. So etwas versteht Bickel als Zeichen.

Hier, im 2. Wiener Bezirk, lässt es sich hervorragend leben. Der Augarten, ein Park, liegt Bickel zu Füssen. Einen Stock unter ihm wohnt Josef Hickersberger, ein alter Rapidler und früherer Nationaltrainer Österreichs.

Der dritte Mann an der Wand

Am Tag vor dem Derby sitzt Bickel auf dem Sofa, schaut sich im Fernsehen den Linzer ASK gegen St. Pölten an und vergisst vor lauter Begeisterung eine Flasche Wein im Gefrierfach. Auf einem Büchergestell stehen kleine Souvenirs aus seiner Berner Zeit, «Merci, Fredy», steht unter einem Bild von ihm. An der Wand hängt ein grosses Filmplakat von «Der dritte Mann», dem Film von Carol Reed.

Das Derby ist noch eine heiss-feuchte Nacht weg, und Bickel macht, was er so gerne macht: Er lässt Lieder laufen, die er auswendig kennt, von Georg Danzer, von S. T. S. (Steinbäcker, Timischl und Schiffkowitz), er fühlt sich wohl in Wien, mit dieser Musik, so wohl wie einst in Bern mit Patent Ochsner oder Züri West. S. T. S. singen: «Der hat wolln sei Glück probiern in der grossen fremden Stadt / Aus der Traum – zerplatzt wia Seifenblosn – nix is bliebn.» Bickel singt mit. Die paar Zeilen müssen für seine Zeit bei Rapid nichts bedeuten.

Sein erstes halbes Jahr war schwer. Die Mannschaft spielte nicht gut, die Angst vor dem möglichen Abstieg wuchs, gerade nach dem 0:3 Anfang ­April beim Tabellenletzten Ried. «Wir müssen mit der Mannschaft reden», forderten die aufgebrachten Fans, welche die Schmach miterlebt hatten, «wo geht das?» Es ging während der Heimfahrt auf einem Autobahnrastplatz, 400, vielleicht 500 warteten da. Drei sprachen in ihrem Namen und «lasen der Mannschaft die Leviten», berichtet Bickel. Sie sagten: «Es kann nicht sein, dass ihr als schlechteste Mannschaft Rapids in die Geschichte eingeht. Ihr dürft niemals absteigen.» Zeitungen schrieben, der Verein habe sich bei dieser Aktion unter Druck setzen lassen.

Rapid pflegt die Tradition

Zurück in Wien, entliess Bickel umgehend Trainer Damir Canadi. Das hatte nichts mit dem Auftritt der Fans zu tun, sondern mit dem Beschluss der Vereinsleitung, der wegen der wachsenden Kluft zwischen Trainer und Mannschaft schon vorher gefasst worden war. ­Canadi war der zweite Trainer in der letzten Saison, nach Mike Büskens, der sich ebenfalls nur fünf Monate gehalten hatte. Auf Canadi folgte sein Assistent Goran Djuricin, der Vater von Marco, dem heutigen GC-Stürmer. Bickel erzählt von ihm, seiner Herkunft aus einer Familie mit 13 Kindern, von den Tränen, die ihm, Djuricin, bei der Beförderung zum Cheftrainer kamen.

Rapid ist ein Verein, der die Tradition pflegt. Tradition heisst: Er lebt auch in der Vergangenheit. Gerhard Hanappi hiess das alte Stadion, bis es vor zwei Jahren als Allianz-Stadion neu erbaut wurde. Hanappi ist das, was in Zürich Köbi Kuhn ist oder in Basel Karl Odermatt. Der Platz vor der neuen Arena ist nach ihm benannt, in Zürich oder Basel käme es keinem in den Sinn, auf diese Art eine alte Legende zu ehren.

25 700 füllen das Stadion beim Derby. Es regnet. Im ersten Stock gibt es einen Logenraum für 1000 Gäste, im zweiten einen für 700 und im dritten einen für 600. Da hat sich Österreichs Teamchef Marcel Koller niedergelassen. Die Fussballgäste werden in Österreich zuvorkommend behandelt, auch an kleinen Standorten wie Mattersburg. Da gibt es zwar kein Dach über der Tribüne und hinter einem Tor gleich die Kuhwiese, aber dafür auch ein Zelt für 1500 VIPs.

Rapidler bleibt einer, solange das Auge sieht und ein Tropfen Blut durch die Adern fliesst.

Rapids Museum hatte im ersten Jahr nach seiner Eröffnung 20 000 Besucher. Die neuen Spieler erhalten das Leitbild des Vereins in die Hand gedrückt. Darin steht: «Seit jeher erkämpfen wir uns mit vollem Einsatz den ­Erfolg und geben nie auf. In guten wie in schlechten Zeiten leben wir unsere Leidenschaft und sind stolz, uneigennützig zum Ruhm Rapids beizutragen.» Das tönt fast so dramatisch wie die alte ­Rapid-Hymne, wo einer Rapidler sein will, solange das Auge sieht und ein Tropfen Blut durch seine Adern fliesst.

Nur Hans Krankl fehlt beim Derby, eine Ikone des Vereins wie Hanappi oder auch Ernst Happel. Er fläzt sich derweil auf einem Stuhl, als er beim TV-Sender Sky seinen Auftritt hat. Er ist nie mehr bei Rapid gewesen, seit er, heisst es, einen Kandidaten fürs Präsidentenamt unterstützte, der mit dem Auszug ­Rapids aus Hütteldorf spielte. Für alle Rapidler ist nur schon der Gedanke daran eine Todsünde.

Rapid geht nach 39 Minuten 1:0 in Führung. Torschütze ist Louis Schaub, einer der jungen, hoch talentierten ­Rapidler. Zu seiner Geschichte gehört der Tag im April 2003. Er sass im Auto, als sein Vater, der frühere Frankfurt- und Dortmund-Spieler Fred Schaub, tödlich verunfallte. Lange wurde er damit konfrontiert. Nach diesem Derby gibt es andere Themen: seine Tore, ­Austrias Aufstand, der Spielunterbruch, das 2:2.

Ein lautes und feuriges Derby

Die Hütteldorfer haben alles unter Kontrolle gehabt. Durch Schaub gehen sie nach knapp einer Stunde mit zwei Toren in Führung, sie haben danach drei Chancen für weitere Treffer. «Wenn wir das 3:0 machen, geht das Spiel 5:0 aus», ­behauptet Trainer Djuricin und fragt: «Warum kann man den Gegner nicht mal wegschiessen?» Die Wortwahl ist zweifelhaft, steht aber für seine Verärgerung, das Spiel nicht gewonnen zu haben.

Es ist ein lauter und feuriger Nach­mittag im Stadion. Auf dem Platz gibt es Provokationen, fliegende Ellbogen und sonstige Grobheiten, «ein richtiges Derby», bilanziert Austrias Trainer Thorsten Fink, «alles ist drin». Seine Mannschaft verkürzt um ein Tor. Gleich danach klatschen die Rapid-Fans stehend die «Rapid-Viertelstunde» ein. Im Leitbild heisst es: «Sie ist Ausdruck unseres immerwährenden Siegeswillens. Wir treten mutig und selbstbewusst auf.»

Dummerweise für Rapid ist davon an diesem Sonntag in den letzten 15 Minuten nichts zu sehen. Die Mannschaft verkrampft sich und verliert einen Spieler durch Platzverweis. Austria gleicht aus. Die Rapid-Kurve tobt, Feuerzeuge und eine Fahnenstange fliegen auf den Platz. Die «Kronen Zeitung» wird anderntags von einem «Pulverfass» berichten. Der Schiedsrichter unterbricht für sieben Minuten. Austria vergibt danach sogar das Siegtor. «Es wäre des Guten zu viel gewesen», gibt Fink zu.

Bickel sitzt später mit Freunden im Businessclub, lässt sich von seiner Tochter Marillenknödel holen und von einer Kellnerin ein letztes Glas Weissen reichen. In einer ersten Aufwallung ­redet er davon, sie seien die Dümmsten. Im zweiten Moment sagt er: «Es ist das Schlimmste, so gegen Austria nicht zu gewinnen.»


http://www.derbund.ch/sport/fussball/He ... y/26513096

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