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 Betreff des Beitrags: Re: (5) Cédric Zesiger
 Beitrag Verfasst: Montag 11. November 2019, 18:17 
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Den grossen Auftritt mit dem eigenen Fanclub gefeiert

Verteidiger Cédric Zesiger trifft gegen St. Gallen so oft wie zuvor in 54 Super-League-Einsätzen zusammen.

Ein YB-Held des Tages lässt lange auf sich warten. Cédric Zesiger feiert draussen im kalten Stade de Suisse nach dem 4:3-Sieg der Young Boys gegen den FC St. Gallen fast eine halbe Stunde lang.

110 Mitglieder seines Stammclubs FC Müntschemier sind im Stadion, eingeladen von YB, das in der Debütsaison eines Spielers immer einmal dem Heimatverein Tickets spendiert. Der FC Müntschemier hat ein grosses Plakat mitgebracht, darauf steht unter anderem geschrieben: «Cédric Zesiger – für immer einer von uns!»

Der berühmteste Sohn des Seeländer Vereins ist längst weitergezogen. Bald zu Xamax, später zu GC, in diesem Sommer zu YB. Und am Sonntag ist er endgültig beim Meister angekommen. «Ein toller Nachmittag», sei das gewesen, sagt Zesiger nach dem Festakt mit seinen früheren Teamkollegen und auch mit jener Senioren-Mannschaft, bei der sein Vater immer noch aktiv ist.

Die ganze Familie ist im Stade de Suisse, und Zesiger sagt, die eine oder andere Träne habe es schon gegeben. «Es ist schön, darf ich das erleben. Die letzte Saison bei GC mit dem Abstieg war schwierig für mich.» Er überzeugte bei den Grasshoppers nicht und wurde scharf kritisiert. Doch es ist eine Stärke der sportlichen YB-Leitung, in Fussballern ein Potenzial zu erkennen, das andere nicht sehen.

Der Umweg nach Bern

Zesiger ist einen langen Weg gegangen, um bei YB zu landen. Einen Umweg auch, und das gilt generell für seine Karriere. Anfang 2018 tauchte er auf einer Liste des Internationalen Zentrums für Sportstudien (Cies) der 50 grössten U-20-Talente der 22 Topligen auf Platz 29 auf – neben heutigen Topspielern wie Kylian Mbappé, Kai Havertz und Matthijs de Ligt. Jordan Lotomba von YB übrigens rangierte auf Rang 19, fiel aber später wegen Verletzungen rund ein Jahr aus.

Verletzungen anderer Akteure sind es auch, die Zesigers Aufstieg bei YB beschleunigt haben. Er erkämpft sich den Platz an der Seite Frederik Sörensens im Abwehrzentrum, agiert keineswegs immer stilsicher, leistet sich Patzer, wirkt manchmal behäbig, dabei gilt er als schneller Verteidiger – vor allem für seine Grösse.

Und sein linker Fuss, so sagt das YB-Goalie David von Ballmoos, sei «eine echte Waffe». Zesiger verfügt über Qualitäten im Aufbau, schlägt einen präzisen langen Ball, ist robust und – das vor allem – mit seinen 194 Zentimetern enorm kopfballstark.

Vorne stark, hinten wacklig

Zweimal trifft er gegen St. Gallen herrlich mit dem Kopf. Vor der Pause zum 1:1, gleich zu Beginn der zweiten Halbzeit zum 3:2. «Und das im Spitzenkampf», sagt der 21-Jährige.

«Zwei Tore in einem Spiel sind mir noch nie gelungen, höchstens vielleicht bei den F-Junioren.» Mit vier Jahren bereits kickte der kleine Cédric beim FC Müntschemier mit. Der grosse Cédric hat es weit gebracht – und am Sonntag so viele Super-League-Tore erzielt wie zuvor in 54 Einsätzen zusammen.

Defensiv jedoch hinterliessen Zesiger und seine Teamkollegen am Sonntag erneut mehrmals nicht den stabilsten Eindruck. «St. Gallen hat es stark gemacht», sagt Zesiger, «und wir hatten Mühe, nach den vielen Partien in kurzer Zeit ins Spiel zu finden.»

Zesigers Ausgleich zum 1:1 leitete das YB-Spektakel ein. Irgendwann aber werden die verletzten Defensivkräfte wieder dabei sein, dann ist sein Stammplatz in Gefahr. Er mag nicht zu weit in die Zukunft blicken, sondern vorerst einmal den schönen Augenblick geniessen.

Zu lange aber dürften die Feierlichkeiten mit den begeisterten Mitgliedern des FC Müntschemier am Sonntagabend nicht gedauert haben. Zesiger rückt heute Montag in die Schweizer U-21-Auswahl ein.


https://www.bernerzeitung.ch/news/stand ... y/29568128

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 Betreff des Beitrags: Re: (5) Cédric Zesiger
 Beitrag Verfasst: Samstag 1. Februar 2020, 11:15 
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YB-Verteidiger Cédric Zesiger im Aufwind

Cédric Zesiger hat sich in der YB-Innenverteidigung etabliert – und auch vom Verletzungspech seiner Konkurrenten profitiert.

YB hat sechs Innenverteidiger – und jeder interpretiert die Hierarchie wohl ein wenig anders. Unbestritten ist einzig: Fabian Lustenberger ist die Nummer 1. «Ihn können wir mit seiner Klasse, Erfahrung, Persönlichkeit und Einstellung nicht ersetzen», sagt Trainer Gerardo Seoane.

Aber die Nummer 2? Vermutlich Sandro Lauper, der jedoch nicht perfekt zu Lustenberger passt. Vielleicht Mohamed Camara. Vom Renommee her ganz sicher der frühere Juventus- und Köln-Spieler Frederik Sörensen.

Die Chancen genutzt

Alles falsch. Zumindest für den Moment. Die Nummer 2 ist derzeit Cédric Zesiger – ganz knapp vor Nicolas Bürgy. Die zwei Berner haben verletzungsbedingte Absenzen der anderen Innenverteidiger in der Vorrunde dazu genutzt, um auf sich aufmerksam zu machen. Und so sagt Seoane: «Wir sind sehr zufrieden mit ihrer Entwicklung. Man darf nicht vergessen, woher sie zu uns kamen.»

Zesiger wechselte im letzten Sommer von Absteiger GC zu YB, Bürgy kehrte von Aarau aus der Challenge League zurück. Zesiger stand am Sonntag beim 2:0 gegen Basel in der Startformation (und überzeugte), weil er als Linksfuss die perfekte Ergänzung zu Lustenberger darstellt.

Und so hat sich Zesiger, 21 Jahre jung, aktuell als Fixstarter etabliert. «Ich bin sehr glücklich, wie es sich bei YB für mich entwickelt hat», sagt er. «Ich wusste im letzten Sommer zwar, dass einige Spieler verletzt ausfallen, aber ich konnte nicht damit rechnen, so oft eingesetzt zu werden.»

22 Wettbewerbspartien hat der Seeländer schon bestritten, es gab Leistungsschwankungen und im Spätherbst einige unglückliche Auftritte, die ihm wie den ebenfalls patzenden Sörensen und Bürgy Kritik eintrugen. «Ich weiss selber, wenn ich einen Fehler gemacht habe», sagt Zesiger, «und es gehört dazu, dass man in den Medien kritisiert wird. Das habe ich bei GC in der letzten Saison zur Genüge erlebt.» Seoane sagt, es sei entscheidend, wie Fussballer mit Rückschlägen umgehen würden. «Zesiger hat wie die anderen bei uns mit Entschlossenheit und Lernwillen reagiert.»

Weil sich die Rückkehr der Langzeitverletzten Lauper und vor allem Camara verzögert und Sörensen ohnehin länger ausfällt, dürften die Dienste Zesigers auch im Frühling oft beansprucht werden. Seoane spricht bei Lauper und Camara sogar von «Bonusspielern» in dieser Saison: «Sie fehlten monatelang und werden Zeit benötigen, bis sie wieder ihr hohes Niveau erreicht haben.»

GC oder YB – das war einfach

Cédric Zesiger ist ein Spieler, der auffällt. Seine Masse sind mit 194 Zentimetern und 90 Kilogramm beeindruckend, er ist ein Topathlet, kopfballstark und robust, er ist erstaunlich flink für seine Grösse, schoss beim 4:3 im Spitzenkampf gegen St. Gallen zwei Tore, leistete sich aber in der Vorrunde auch Aussetzer. «Das gehört bei jüngeren Spielern dazu», sagt Seoane. Und Zesiger denkt an seine schwierigen Zeiten beim kriselnden GC, wenn er sagt: «Die zweite Hälfte des Jahres 2019 war deutlich besser als die erste.»

Früh bereits galt Zesiger als Talent, in gewissen Kreisen sogar als eines der international grössten in der Abwehr. Mit 17 debütierte er bei Xamax in der Super League, sein linker Fuss ist bei der Spieleröffnung eine «Waffe», wie YB-Goalie David von Ballmoos findet. Und doch gab es nach dem Abstieg mit GC Ende letzter Saison nur ein Angebot für ihn. GC oder YB – diese Entscheidung fiel ihm leicht. «Ich bin beim besten Verein des Landes, wieder näher in der Heimat und bei meiner Familie», sagt er, «besser hätte es für mich nicht kommen können.»

Die Verantwortlichen der Young Boys sahen in Zesiger etwas, was andere möglicherweise nicht erkannten. «Er ist für sein Alter schon sehr erfahren», sagt Sportchef Christoph Spycher. «Und er besitzt noch enormes Steigerungspotenzial.» Coach Seoane schätzt die Lernbereitschaft seines Abwehrspielers, der sich auch in einer Dreierkette wohlfühlt und als Linksverteidiger eingesetzt werden kann. «Bei so starken Mitspielern ist es für uns junge Spieler ideal, um zu reifen», sagt Zesiger. «Und wir haben nun wieder deutlich mehr Energie als Ende des letzten Jahres, als wir wegen der vielen verletzten Spieler alle am Limit waren.»

Der überzeugende Sieg gegen den Rivalen aus Basel habe jedoch nichts daran geändert, dass der Titelkampf offen sei. Zesiger hat das YB-Motto, von Spiel zu Spiel schauen, längst verinnerlicht, deshalb beschäftigt er sich in dieser Woche auch nur mit dem Auftritt in Luzern am Samstag: «Wir müssen mit der gleichen Konzentration und Aggressivität wie gegen den FCB agieren.»

Gesunde Einstellung

Nach den schwierigen Jahren bei GC ist Zesiger bei den Young Boys auf dem besten Weg, erste Titel als Profi zu feiern. «Natürlich ist es das Ziel von uns allen, Meister und Cupsieger zu werden», sagt er, «aber bis dahin sind viele Begegnungen zu bestreiten. Und wir haben in der Vorrunde gesehen, wie schnell es gehen kann und mehrere Spieler verletzt sind.»

Er selber pflegt seinen Körper ausgezeichnet. Mit intensiver Regeneration im Eisbad, mit regelmässigen Besuchen im Gym, mit sportlichen Aktivitäten wie Tennis und Badminton, mit veränderter Ernährung. «Ich esse viel weniger Fleisch und Fisch und deutlich mehr Gemüse», sagt er. «Ich fühle mich so frischer und besser.» Bereits mit 18 zog er einst aus dem Elternhaus aus, in Zürich lebte er in einer WG mit den Fussballern Nicolas Hunziker und Nils von Niederhäusern, mittlerweile wohnt er in einem Vorort Berns. «Ich koche gerne», sagt er, «und weil meine Freundin aus beruflichen Gründen nicht immer zu Hause ist, bereite ich oft für mich alleine ein Gericht zu.»

Privat mag es Zesiger gemütlich, er hält sich auf Social Media zurück, ist anständig, bodenständig, vernünftig. «Meine Freunde und die Familie würden mich schon einfangen, sollte ich abheben», sagt er. «Da besteht aber überhaupt keine Gefahr.» Und sowieso: «Ich stehe immer noch am Anfang meiner Karriere.»

Schritt für Schritt ist sein Motto: Müntschemier, Biel, Xamax, GC, YB – und vielleicht irgendwann ein Transfer in die Bundesliga oder in die Premier League, in der er angesichts seiner Spielweise bestens aufgehoben wäre.

Mit 17 bereits hätte Zesiger zu Stoke City gehen können, aber er entschied sich 2016 für die Fortsetzung seiner Laufbahn in der Schweiz. Es hat sich gelohnt.


https://www.bernerzeitung.ch/region/ber ... y/15327769

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