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 Betreff des Beitrags: Re: Christoph Spycher - Sportchef
 Beitrag Verfasst: Montag 30. April 2018, 23:35 
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Christoph Spycher und Kuno Lauener: YB hat’s endlich geschafft

Die Young Boys haben den Fluch besiegt und sind am Ziel ihrer Träume: Nach 32 Jahren haben sie erstmals wieder den Meistertitel geholt. YB-Sportchef Christoph Spycher und YB-Fan Kuno Lauener sinnieren im «Tagesgespräch» bei Marc Lehmann über die Bedeutung dieses Coups.

Das Versagen der Berner Young Boys in den entscheidenden Momenten ist legendär. Viele Male waren sie nahe dran, doch einen Titel geholt haben sie seit über drei Jahrzehnten nicht mehr. Am Samstag haben sie es nun endlich geschafft: Der 2:1-Sieg gegen Luzern war an Dramatik kaum zu überbieten und führte zu ausgelassenen Feierlichkeiten in der Berner Innenstadt.

Nun ist die Last von den Young Boys abgefallen, und auch deren Sportchef Christoph Spycher kann aufatmen. Doch fürs Feiern bleibt nicht viel Zeit, denn rasch müssen die nächsten Schritte eingeleitet werden. Kuno Lauener hingegen, der Sänger und Frontmann der Rockband Züri West, kann als treuer YB-Fan nach Jahren der Enttäuschungen und Entbehrungen den Titel nun erst mal in vollen Zügen geniessen.

40 Stunden nach dem Erfolg blicken die beiden auf euphorische Stunden und bleierne Jahre zurück.


https://www.srf.ch/sendungen/tagesgespr ... -geschafft

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 Betreff des Beitrags: Re: Christoph Spycher - Sportchef
 Beitrag Verfasst: Mittwoch 2. Mai 2018, 09:35 
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«Zwei Jahre genügen nicht»

Christoph Spycher über die Bedeutung des Titels, den personellen Umbruch im Sommer, die möglichen Pläne von Trainer Adi Hütter sowie die katastrophalen Trainingsbedingungen der Young Boys.

Was kommt Ihnen in den Sinn, wenn Sie an Samstag denken?
Die wunderschönen Emotionen, die vielen strahlenden Menschen, die sensationelle Feier, wenig Schlaf, das glückliche Aufstehen am Sonntag. Ich könnte viele weitere Dinge anführen, es war einfach herrlich. Besonders emotional war es, unseren Besitzer Hansueli Rihs zu erleben. Bereits das Heimspiel eine Woche zuvor gegen Lausanne war ja kurz nach dem Tod von Andy Rihs enorm aufwühlend und berührend für uns gewesen.

Waren Sie am Samstag eigentlich nervös, obwohl YB einen derart grossen Vorsprung besass?
Bis das Spiel gegen Luzern begann, war ich mit so vielen Sachen beschäftigt, dass ich gar nicht gross an den Match dachte. Aber diese Dramaturgie dann, der Rückstand, der gehaltene Elfmeter von Marco Wölfli, das späte Siegtor von Jean-Pierre Nsame, das war schon sehr spektakulär. Und als das Spiel zu Ende war, übermannten mich die Gefühle.

Inklusive Tränen?
Nein, das nicht. Ich musste als Sportchef sofort Interviews geben, mit vielen Leuten reden, war in offizieller Funktion unterwegs.

Hatten Sie Zeit für sich selber?
Nicht wirklich, doch das spielt keine Rolle. Es war wunderschön, mit meiner Familie und den zwei Söhnen, vielen Freunden auch aus der Kindheit und allen Mitarbeitern zu feiern. Als ich zu Hause war, schlief ich sofort ein, und am Sonntag galt es bereits wieder Medientermine wahrzunehmen. Auch in den nächsten Monaten wartet viel Arbeit auf uns. Aber diese Emotionen werde ich nie mehr vergessen.

War es der schönste Tag in Ihrem langen Fussballerleben?
Es ist nicht angemessen, Erfolge oder Titel zu vergleichen. Ich wurde mit GC auch einmal Meister als Fussballer, nach einem Sieg 2003 im Neufeld gegen YB, das war ebenfalls wunderschön. Zumal man sich als Spieler halt mehr austoben kann. Unbestritten ist: Für einen Berner, der als YB-Fan aufgewachsen ist, sind die Gefühle nach dieser langen Wartezeit unbeschreiblich.

Was bedeutet Ihnen die ­Meisterschaft persönlich?
Ich möchte ein bisschen ausholen bei dieser Antwort. Als ich 2010 nach sehr guten Gesprächen mit dem damaligen CEO Stefan Niedermaier als Spieler von Frankfurt zu YB wechselte, war es unser grosses Ziel gewesen, einen Titel zu gewinnen. Leider wurde Stefan Niedermaier nach ein paar Wochen entlassen, es waren schwierige Jahre. Aber ich bin sehr dankbar, konnte ich mein Versprechen an die YB-Fans einlösen.

Welches denn?
Nach meinem letzten Spiel als YB-Spieler sass ich 2014 oben auf dem Zaun vor den Fans und sagte, es sei sehr schade, habe es mit einem Titel nicht geklappt. Und ich erklärte, dass ich nun in einer anderen Funktion alles daran­setzen würde, irgendwann mit YB einen Pokal zu gewinnen.

Marco Wölfli wird als «König von Bern» bezeichnet. Dann müssen Sie der Kaiser von Bern sein.
(lacht) Wie Sie sehr gut wissen, interessieren mich solche Sachen nicht. Es wird so viel geschrieben, das kann ich alles einordnen. Und ich bin mir vor allem ganz genau bewusst, wie viele Leute einen sehr hohen Anteil an diesem Titel haben. Das ist ein Gemeinschaftswerk aller Mitarbeiter. In erster Linie natürlich von den Spielern und dem Trainerstab, aber auch von allen anderen Menschen im Stade de Suisse, die jeden Tag mit Freude, Motivation und Kompetenz arbeiten. Es ist ein grosses Privileg für mich, Teil eines solch starken und tollen Teams zu sein.

Sie sind ein sehr bodenständiger Mensch. Dennoch: Wie schwierig ist es, bei all den Gratulationen, Schulterklopfern und medialen Hymnen nicht abzuheben?
Sie werden nicht überrascht sein, wenn ich Ihnen sage, dass das für mich überhaupt kein Problem ist. Ich habe im Fussball sehr schöne und sehr schwierige Zeiten erlebt, der Wind dreht sich schnell. Und meine Herkunft, meine Erziehung und meine Werte lassen es gar nicht zu, in irgendeiner Weise die Bodenhaftung zu verlieren. Machen Sie sich keine Sorgen.

Ein bisschen stolz sind Sie aber sicher, derart viele richtige Entscheidungen getroffen zu haben und nach so kurzer Zeit nicht nur sportlich, sondern auch wirtschaftlich erfolgreich zu sein?
Okay, das war am Anfang irgendwie nicht vorstellbar. Es gab viel Arbeit, und es ist uns gelungen, das Kader günstiger zu machen und gleichzeitig an Qualität zu ­gewinnen. Deswegen bin ich nicht stolz, es ist eine Dankbarkeit, weil sich vieles so herausgestellt hat, wie ich mir das vorgestellt hatte.

Der Verwaltungsrat redete Ihnen nicht rein und liess die Verantwortlichen gewähren, wie Sie es sich ausbedungen hatten . . .
. . . das ist nur ein Punkt und nicht selbstverständlich. Aber für mich war und ist es elementar, dass man die operative Führung autonom arbeiten lässt.

Aber es war im Herbst 2016, als Sie ihr Amt antraten, unrealistisch, an einen so souveränen Meistertitel 2018 zu glauben.
Der Verein lag damals ziemlich am Boden, und es ging vorerst nur darum, wieder aufzustehen. Wir haben natürlich nicht daran gedacht und schon gar nicht erwartet, in der nächsten Saison so weit vor der Konkurrenz zu stehen. Aber ich kannte den Club, die Mitarbeiter und die Spieler sehr gut, weil ich als Talentmanager gearbeitet hatte. Aus diesem Grund wusste ich, dass bei uns grosses Potenzial vorhanden ist.

Und vor dieser Saison erklärten Sie und Trainer Adi Hütter intern den Meistertitel als Ziel.
Ich sagte im Sommer beim Trainingsstart in der Kabine zu den Spielern, dass wir uns verbessern müssen. Wir wurden letzte Saison Zweiter mit grossem Rückstand auf Basel. Eine Verbesserung wäre auch gewesen, den Abstand zu verringern. Trainer Adi Hütter erklärte dem Team dann im Trainingslager in Österreich, er wolle Meister werden. Und vor der Rückrunde gaben wir das ja auch der Öffentlichkeit bekannt.

Die Young Boys profitieren auf allen Ebenen von diesem Erfolg, die Anzahl Dauerkarten wird von 12 400 deutlich nach oben schnellen, eine Generation Fussballfans konnte für YB gewonnen haben, Sponsoren und Politiker sind begeistert. Wie nachhaltig kann der Club profitieren?
Das hängt davon ab, was wir daraus machen. Der Titelgewinn bringt auch Verpflichtungen mit sich, wir werden in der nächsten Saison die Gejagten sein. Und wir können in einer Saison nicht aufholen, was sich der FC Basel in all den Jahren aufgebaut hat.

Der FCB ist die Nummer 1 . . .
. . . genau, aber vielleicht wissen das nicht alle Menschen. Ich betrachte uns als Herausforderer. Wir müssen diese Saison bestätigen.

Gemessen an Ihrem Naturell sind die Defensivleader Steve von Bergen und Sékou Sanogo sowie Goalie Marco Wölfli wohl Ihre YB-Spieler der Saison?
Diese drei haben grossartige Leistungen erbracht, aber das haben viele andere Fussballer auch. Wir haben mehrere torgefährliche Spieler, die Fortschritte vieler Jungen sind sehr erfreulich, die Ersatzleute waren enorm wertvoll. Dass uns Jean-Pierre Nsame zum Titel schoss, passt in dieses Bild. Er musste nach starker Vorrunde zuletzt meistens auf der Bank Platz nehmen, aber blieb dran und wurde nun belohnt.

Die Mischung in diesem wunderbaren Team stimmt. Befällt Sie manchmal Wehmut, weil die Equipe nicht zusammenbleibt?
Nein, ich kenne das Geschäft, so ist das nun mal. Die Super League ist eine Ausbildungsliga, es gehört zu unserem Konzept, mit Spielerverkäufen Geld zu verdienen. Auch ich fände es grossartig, wenn sich unser Kader in den nächsten zwei Jahren nicht verändern würde. Doch das ist total realitätsfremd.

YB steht sogar vor einem heftigen Umbruch, mehrere Stammkräfte werden im Sommer in eine grosse Liga wechseln.
Eines ist klar: Wir werden auch nächste Saison ein starkes Team haben. Und wir werden nicht drei Viertel der Spieler auswechseln müssen. Es ist uns 2017 gelungen, wichtige Fussballer wie Yvon Mvogo, Denis Zakaria, Yoric Ravet und Yuya Kubo zu ersetzen. Nun werden wieder einige gehen.

Im letzten Sommer verpflichteten Sie fast nur junge Spieler aus kleinen Teams oder zweithöchsten Ligen. Das war mutig.
Wir holen einen Spieler nicht wegen dessen Titeln oder Biografie, sondern weil wir an seine Qualität glauben. Das wird immer so sein. Und natürlich ist es nicht aus­geschlossen, dass wir auch mal einen Routinier verpflichten, wenn er uns weiterhilft. Drei ­30-Jährige werden wir aber in diesem Sommer nicht holen.

Nicht zu verhindern sind dieAbgänge der sehr umworbenen Kasim Nuhu, Kevin Mbabu und Roger Assalé, die Sie im Januar zum ­Bleiben bewegen konnten.
Sicher ist im Fussball bis zu einer Unterschrift nie etwas. Es hat uns geholfen, dass Denis Zakaria ein Jahr zuvor ebenfalls geblieben ist. Unsere Spieler haben seine Geduld und dann seine tolle Entwicklung bei Gladbach ab Sommer auch mitbekommen. Die drei genannten Fussballer werden von vielen Clubs aus grossen Ligen beobachtet, aber der Transfermarkt wird erst nach der Saison richtig in die Gänge kommen. Wir haben ­alles genau mit unseren Spielern besprochen, sie werden von mir immer die Wahrheit hören.

Wie meinen Sie das?
Ich kann doch zum Beispiel einem Roger Assalé nach so einer starken Saison nicht erzählen, er sei noch nicht reif für eine Top­liga. Das wäre nicht ehrlich. Er ist mit 24 Jahren Nationalspieler der Elfenbeinküste, wurde im Kongo Meister, gewann mit Mazembe auch die afrikanische Champions League, ist bei vielen Vereinen auf der Einkaufsliste.

Auch Mbabu und Nuhu stehen vor einer grossen Zukunft. Was aber sagen Sie einem wie Sékou Sanogo, der YB bereits zweimal fast zu Stuttgart und Hamburg verlassen hätte und nun mit bald 29 Jahren vielleicht vor der letzten Chance steht, doch noch in einer grossen Liga zu spielen?
Sékou Sanogo ist ein sehr wichtiger Fussballer für uns. Er weiss wie die anderen Spieler, was er an YB hat, die gute Stimmung auch, den Teamgedanken, das Leben in der Schweiz. Und unsere Erfolge haben etwas ausgelöst, vielleicht können wir nächste Saison in der Champions League spielen. Das sind alles Argumente, welche die Spieler und gute Berater gewichten. Als ich meine Arbeit als Sportchef antrat, war es mir ein grosses Anliegen, mich speziell um Sanogo zu kümmern. Er hatte vorher vielleicht nicht immer die Anerkennung erhalten, die ihm zusteht. Heute bekommt er die gebührende Wertschätzung von allen im Club und von den Fans.

Für einen wie Djibril Sow käme ein Wechsel nach nur einem Jahr bei YB aber zu früh.
Das sehe ich auch so, zumal er vorher bei Gladbach zwei Saisons kaum gespielt hatte. Es hängt immer auch von den Beratern ab, wie sich ein Spieler entscheidet. Das Potenzial von Djibril Sow ist riesengross, doch ich habe bei ihm das Gefühl, es würde ihm nicht schaden, noch eine Saison zu bleiben. Es ist ähnlich wie bei Zakaria vor zwei Jahren.

Und wieso wurden die Verträge mit Captain Steve von Bergen und Miralem Sulejmani eigentlich noch nicht verlängert?
Weil man sich nicht einfach einmal an einen Tisch setzen kann und dann alles klar ist.

Mit beiden laufen die Gespräche aber seit Monaten, bei von ­Bergen dürfte die Verlängerung ohnehin Formsache sein.
Wir konzentrierten uns in den letzten Wochen auf den Fussball. Mit Steve von Bergen verbindet mich eine lange Vergangenheit, wir sind uns einig, wie es weitergehen soll. Er wird im Sommer 35 und vielleicht nächste Saison nicht mehr alle drei, vier Tage im Einsatz stehen. Und dann geht es auch darum, was er nach seiner aktiven Karriere bei YB möchte.

Noch eine Saison zu Xamax ­gehen oder bei YB in den Club eingebunden werden – oder beides nacheinander?
Zum Beispiel. Sie verstehen, dass ich in der Öffentlichkeit nicht ­detailliert über jeden Fussballer Auskunft geben möchte.

Dann bestätigen Sie auch nicht, dass Miralem Sulejmani schon lange unterschrieben hätte, wenn es nach seinem Herzen ginge? Seine serbischen Berater aber möchten ihm einen ­Wechsel in ein Land wie China, die Emirate oder die Türkei schmackhaft machen, wo er ein Vielfaches verdienen könnte.
Dazu sage ich nichts. Sulejmani ist ein toller Spieler, der zahlreiche Angebote hat. Das ist alles andere als eine einfache Entscheidung für jeden Menschen. Wir haben noch Zeit und lassen uns nicht unter Druck setzen. Wir ­planen die nächste Saison schon lange und seit dem 1. Februar intensiv. Und wir werden jeden Abgang ersetzen mit Spielern, die uns weiterbringen können.

Gerüchte über Zugänge gibt es viele. Thuns Sandro Lauper hat offenbar bereits unterschrieben. Er ist jung, talentiert und polyvalent, weil er im Zentrum hinten sowie im Aufbau spielen kann. Damit passt er perfekt ins YB-Beuteschema.
Ich kommentiere Gerüchte immer noch nicht. Sandro Lauper ist ein ehemaliger YB-Junior, hat sich bei Thun im Mittelfeld sehr gut entwickelt und ist einer von vielen interessanten Spielern, mit denen wir uns beschäftigen.

YB dürfte im Sommer über 30 Millionen Franken aus Spielerverkäufen einnehmen und wie 2017 einen schönen Gewinn generieren. Wie viel dürfen Sie davon für neue Spieler ausgeben?
Das ist offen. Die Wirtschaftlichkeit ist enorm wichtig, es ist unser Auftrag, selbsttragend geschäften zu können. Das war jahrelang nicht der Fall gewesen, gelang uns aber 2017. Und es wird uns auch 2018 gelingen. Das ist schön.

Und wann verlässt der erfolgreiche Trainer Adi Hütter YB?
Es ist bekannt, dass er gerne einmal in der Bundesliga arbeiten möchte. Das ist absolut nachvollziehbar. Wir können das nur sehr begrenzt beeinflussen. Auch ihm ist bewusst, was er hier für Möglichkeiten hat. Wenn er aber eine Chance bei einem grossen Club in Deutschland erhält, haben wir einen ernsthaften Konkurrenten . . . Aber bei uns weiss jeder, wie gut es ihm bei YB gefällt.

Derzeit ist der Markt nicht günstig für Adi Hütter, wobei er sogar bei Dortmund auf der Trainerliste steht. Realistischer wären aktuell Vereine wie Frankfurt oder auch Gladbach, Wolfsburg und Berlin. Vermutlich aber wird er die Saison noch bei YB beginnen.
Das ist spekulativ. Adi Hütter hat bei uns einen Vertrag bis 2019, und wir arbeiten sehr gerne mit ihm zusammen. Wer ihn in den letzten Monaten und auch am Samstag nach dem Gewinn des ­Titels gesehen hat, dürfte erkannt haben, dass es ihm in Bern sehr ­gefällt. Doch er wird nicht bis an sein Lebensende hierbleiben. Aber auch wenn er oder ich einmal weg sind, wird YB weiterexistieren.

Auch Sie dürften eher früher als später zum Kandidaten in der Bundesliga werden. Man hört, Ihre Arbeit würde von deutschen Clubs genau beobachtet.
Es gibt für mich keinen Grund, YB heute oder morgen zu verlassen. Wenn mir der Job hier weiter so viel Spass bereitet und wir in Ruhe gelassen werden, gibt es für mich keinen besseren Arbeit­geber. Zudem müssen wir immer noch vieles verbessern.

Zum Beispiel?
Es geht darum, YB wirtschaftlich langfristig auf eigene Beine zu stellen. Das ist eine grosse Aufgabe. Zwei starke Jahre genügen nicht.

Sie haben die Aufgabengebiete sukzessive nach Dringlichkeit bearbeitet. Eine riesige Baustelle, die mangelhaften Trainingsmöglichkeiten, ist geblieben.
Das ist richtig. Und es schmerzt mich sehr, haben wir diesbezüglich keine Fortschritte realisiert. Es ist eine Katastrophe, wie wir in Bezug auf Trainingsplätze auf­gestellt sind. Aber vielleicht hilft uns die Euphorie nach dem Meistertitel weiter. Es ist nach wie vor mein grosser Wunsch, dass wir auf der Allmend gleich gegenüber dem Stade de Suisse ein paar Plätze in einem Trainingszentrum aufstellen können. Ich habe die Hoffnung nicht aufgegeben.


https://www.derbund.ch/sport/fussball/z ... y/12179975

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 Betreff des Beitrags: Re: Christoph Spycher - Sportchef
 Beitrag Verfasst: Samstag 19. Mai 2018, 10:54 
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YB-Sportchef Christoph Spycher: «Ich bin nicht da, um zu jammern»

Er hat die Meistermannschaft gebaut, jetzt muss er den Trainer ersetzen – Christoph Spycher über seine Pläne. Trotz dem Titel sieht der Sportchef die Young Boys finanziell nach wie vor hinter dem FC Basel.

Christoph Spycher, YB hat den ersten Meistertitel seit 32 Jahren gewonnen, diese Woche aber seinen Trainer verloren. Worüber reden wir zuerst?
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Christoph Spycher: Da lasse ich Ihnen freie Wahl.

Konnten Sie schon realisieren, was der Meistertitel für Bern bedeutet?

Realisieren schon. Das wurde relativ schnell offensichtlich, bereits in den Sekunden nach dem definitiven Erringen des Titels. Aber all diese Erlebnisse sacken zu lassen und zu geniessen – nein, das konnte ich definitiv nicht. Es war eine schöne Nacht des Feierns. Aber dann ging der Alltag gleich weiter.

Sie waren also nicht dabei, als das Team zwei Genuss-Tage in Barcelona einlegte?

Nein. Ich hatte Termine, die anstanden. Das ist dann eben der Unterschied, wenn man nicht mehr Spieler ist. Wie auch das Feiern an sich anders ist. Diese Erfahrung musste ich auch machen. Es ist unglaublich schön – aber man ist in anderer Funktion unterwegs und nicht an vorderster Front dabei.

Und nicht mehr der, der in die Jubeltraube springt.

Nein, nein, nein! (lacht). In der Garderobe rumrennen mit der Champagner-Flasche, diese Zeiten sind vorbei. Beim Jubeln halte ich mich etwas zurück, wie es sich gehört.

Nun hat YB in dieser Woche Trainer Adi Hütter an Eintracht Frankfurt verloren. Was gibt Ihnen die Überzeugung, dass YB unabhängig vom Meistertrainer erfolgreich bleibt?

Wir sind als Verein sehr gut aufgestellt. Vom Verwaltungsrat über die Geschäftsleitung hin zur sportlichen Führung über den Staff zur Mannschaft. Da ist viel Qualität vorhanden. Die Art und Weise, wie wir arbeiten, in dieser Konstellation – eine solche Ausgangslage würden sich sehr viele Trainer wünschen.

Wie muss der neue Trainer sein?

Ich möchte nicht zu detailliert antworten. Aber: Wir suchen nicht den Klon von Adi Hütter. Gewisse Dinge sind gegeben. Die Weiterentwicklung der Spieler ist wichtig. Wir möchten jemanden, der zu uns passt. Der auch lebt, wie wir arbeiten. Einer, der meint, er könne alles alleine machen, passt wohl eher weniger. Wir werden einen Trainer verpflichten, der Stärken und Schwächen hat wie wir alle. Und dann überlegen, wie seine Stärken am besten zur Geltung kommen – und wie wir seine Schwächen kompensieren können.

Seit wann ahnten Sie, dass Hütter YB verlassen wird?

Wir haben schon immer offen miteinander diskutiert. Auch als wir den Vertrag im Herbst verlängert hatten. Schon damals gab es Interesse an ihm aus der Bundesliga. Logisch, dass mit dem Erfolg die Wahrscheinlichkeit stieg, dass für ihn dieser Karriere-Schritt möglich wurde. Ich war immer auf dem Laufenden. Und folglich nicht überrascht.

Die Arbeit, die Sie selbst leisten, wird auch mit Interesse verfolgt. Werden Sie auch von Bundesliga-Klubs umgarnt?

Auf diese Frage möchte ich nicht gross eingehen. Ich fühle mich sehr wohl in Bern. Wenn ich am Morgen ins Stadion fahre, tue ich das gerne. Ich darf mit tollen Leuten zusammenarbeiten. Ich sagte ja schon immer, dass ich es als Privileg empfinde, für «meinen» Verein arbeiten zu dürfen. Das bleibt auch so. Aber ich habe aufgehört, Pläne zu machen über mehrere Jahre. Das geht im Fussball nicht. Wenn wir diesen Weg mit YB weitergehen können, dann freue ich mich auf die nächsten Jahre. Aber was einmal kommt, wer weiss das schon? Ich weiss auch nicht, ob ich noch 15 Jahre Sportchef sein möchte. Heute bin ich glücklich. Aber wenn ich das plötzlich nicht mehr bin, suche ich einen anderen Weg.

Welche unangenehmen Seiten des Daseins als Sportchef erleben Sie?

Die Aufgaben sind spannend und vielseitig. Aber auch intensiv, mit einer unglaublichen Intensität und Dynamik. Und es ist nicht immer ganz einfach, die verschiedenen Ebenen der Kurz-, Mittel- und Langfristigkeit zu verbinden.

Leidet manchmal das Privatleben?

Mein Privatleben ist top. Aber logisch, dass ich, bevor ich mich dafür entschieden habe, lange mit meiner Frau sprach. Wenn du so einen Job machen willst und deine Frau das nicht mitträgt, hast du schon verloren, bevor es angefangen hat. Sie macht das fantastisch, wie sie all die unvorhergesehenen Dinge mitträgt. Glauben Sie mir: Es ist alles andere als einfach, ein Privatleben zu organisieren mit einem Sportchef als Mann. Häufig wird einfach alles anders als geplant. Toll ist, dass auch unsere Kinder affin sind für YB und den Fussball. Manchmal kommen sie an die Heimspiele oder ich kann sie mitnehmen ans Abschlusstraining, wenn ich das verfolgen möchte. Das vereinfacht vieles. Denn ich glaube, alle wissen, wie gross der Stellenwert der Familie für mich ist.

Wussten Sie schon als Spieler, dass Sie einmal Sportchef werden möchten?

Eigentlich nicht. Ich war teilweise etwas zu reflektiert. Überlegte fast krampfhaft, was ich nach der Karriere tun möchte. Ich hatte eine Phase, da dachte ich: Ich muss alles planen, damit ich mit 35 aufhören und am nächsten Tag ins Büro gehen kann. Ich war hin- und hergerissen. Mal dachte ich: Ich muss weg vom Fussball. Dann doch wieder nicht. Je länger meine Karriere dauerte, wurde mir etwas klar.

Erzählen Sie!

Ich merkte, dass ich mir erst Zeit nehmen und in Ruhe überlegen muss, in welche Richtung es gehen soll. Eine gewisse Vorbereitung ist sicher gut, aber ich denke, es ist schwierig, noch während dem Fussballspielen zu merken, was man später will. Nach einer dreimonatigen Auszeit merkte ich: Ja, mein Weg im Fussball ist noch nicht zu Ende.

Schon als Spieler waren Sie bekannt dafür, Ausländern bei der Integration zu helfen. Wie sehr profitieren Sie nun davon?

Das war sicher so. Ich hatte nie das Gefühl, der beste Techniker zu sein oder über Talent ohne Ende zu verfügen. Aber ich hatte eine gute Mentalität und Leadership. Ich erkannte, wie ich mit einem Mitspieler umgehen muss, damit dieser seine beste Leistung abrufen konnte. Ich darf sagen, dass ich mit meiner Art und Weise von Führung meine Mitspieler besser gemacht habe. Und sicher half auch, dass ich schon damals enorm gern mit Menschen zusammen war.

Welche Werte gewichten Sie als Sportchef besonders?

Ehrlichkeit ist ein grosser Punkt. Ich sagte allen: Ihr werdet von mir immer die Wahrheit hören. Es hat mich als Spieler immer aufgeregt, wenn ein Kollege oder ich etwas hörten – und danach kam etwas kreuzanderes raus. Ich wusste, dass es unangenehme Situationen geben wird. Ich musste einigen Spielern, die ich menschlich mag, sagen: «Schau, der Weg bei YB geht für dich nicht weiter.» Das ist nicht einfach, aber ich muss auf der rationalen Ebene Entscheide fällen. Zudem erwarte ich von mir und von allen Mitarbeitern einen unglaublichen Hunger. Ich erwarte von mir ständig vollen Einsatz und dass ich mich immer wieder reflektiere. Ich möchte mit niemandem zusammenarbeiten, der stets in der Komfortzone bleibt und sagt, so geht es jetzt 15 Jahre weiter.

Ihre Führung erinnert in gewisser Weise an die frühere Führung des FC Basel um Bernhard Heusler und Georg Heitz. Sehen Sie Parallelen?

Das ist für mich schwierig zu beurteilen. Heusler und Heitz haben den Schweizer Fussball – nicht nur den FCB! – über lange Jahre geprägt. Es ist vermessen, jetzt zu sagen, wir würden ähnlich arbeiten. Dafür habe ich auch zu wenig reingesehen. Aber ich will auch keine Kopie sein. Und unser Weg bei YB wird ohnehin ein anderer sein als jener des FCB. Dafür sind die Voraussetzungen schlicht ganz anders.

Was ist anders?

Der FCB hat über die Jahre dann auch einige Male direkt die Qualifikation für die Champions League geschafft. Und er hat eine Infrastruktur mit Trainingsplätzen, von der wir nur träumen können. Er ist nach wie vor ganz klar der finanzstärkste Verein. Das haben sich die Basler in 15 Jahren aufgebaut. Und davon ist YB noch immer weit entfernt. Ich bin nicht hier, um zu jammern. Wir haben auch Mittel zur Verfügung, um erfolgreich zu sein.

Schlussfrage: Wie verfolgen Sie die WM?

Zum Teil zu Hause. Ich gehe davon aus, dass eine turbulente Zeit auf uns zukommt. Ich werde auf jeden Fall nicht nach Russland reisen. Weil es nicht der Markt ist, in dem wir aktiv sind.

Es ist gut möglich, dass kein YB-Spieler im Schweizer Kader stehen wird. Können Sie das verstehen nach dieser Saison?

Grundsätzlich gilt: Es wäre anmassend, aus meiner Position Vladimir Petkovic zu sagen, was er verändern muss oder wen er an die WM mitnehmen muss. Er hat Erfolg – die Qualifikation war sehr gut, die Barrage auch. Und deshalb bin ich überzeugt, dass er die richtigen Entscheide fällen wird.

Aber?

Es gibt immer zwei Seiten. Einerseits das Team-Gefüge. Andererseits gilt es abzuwägen, ob es Sinn machen könnte, einem jungen Spieler Turniererfahrung zu ermöglichen. Einem Zakaria oder einem Elvedi hat die EM vor zwei Jahren extrem gut getan. Subjektiv aus YB-Sicht hätte ich nichts dagegen, wenn der eine oder andere Junge mitgehen dürfte. Und ich sage auch klar: Das wäre verdient. Aber nochmals: Es wäre nicht fair, einen solchen Entscheid zu fordern.

6

Schlüsselspieler der YB-Meistermannschaft könnten mutmasslich ins Ausland wechseln. Sie heissen: Assalé, Nuhu, Mbabu, Sanogo, Sow und Fassnacht. Das Ziel von Sportchef Spycher ist es, den Umbruch sanft zu gestalten.


60

Jahre ist es her, seit YB letztmals das Double gewann. Am Sonntag, 27. Mai, bietet sich den Bernern im Cup-Final die Chance, den Triumph endlich zu wiederholen.


Zur Person

Christoph Spycher ist seit September 2016 Sportchef der Young Boys. Zuvor spielte der Linksverteidiger in seiner Profi-Karriere bei Luzern, GC, Eintracht Frankfurt und YB. Spycher ist zudem 47-facher Nationalspieler. Er ist verheiratet und hat zwei Söhne.


https://www.aargauerzeitung.ch/sport/fu ... -132585658

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 Betreff des Beitrags: Re: Christoph Spycher - Sportchef
 Beitrag Verfasst: Montag 4. Juni 2018, 16:51 
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 Betreff des Beitrags: Re: Christoph Spycher - Sportchef
 Beitrag Verfasst: Montag 2. Juli 2018, 00:45 
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Nie ohne Handy

YB-Sportchef Christoph Spycher ist im Trainingslager ein viel beschäftigter Mann. Anders als der FC Basel hat der Meister aber noch keinen Leistungsträger verloren.

Fragt man YB-Fans, die den Club im Trainingslager in Fügen hautnah begleiten, nach ihren Eindrücken, fällt immer mal wieder ein Satz: «Unglaublich, wie oft er am Handy ist.»Er, das ist Christoph Spycher. Ob beim Training, Testspiel oder im Teamhotel, den Sportchef sieht man nie ohne sein Mobiltelefon. Und hat er mal eine freie Minute, kann man die Sekunden zählen, ehe das Handy erneut klingelt.

Doch während Konkurrent Basel in den letzten Tagen die Leistungsträger Michael Lang und Mohamed Elyounoussi verkauft hat und Torhüter Tomas Vaclik vor einem Wechsel zum spanischen Spitzenteam FC Sevilla stehen soll, sind bei YB alle Säulen der Meisterequipe mit dabei im Zillertal.

Roger Assalé und Kasim Nuhu spielen am Samstag bei der 1:2-Testspielniederlage gegen Ludogorez Rasgrad (YB-Tor durch Hoarau), ein möglicher Gegner in den Champions-League-Playoffs, je eine Halbzeit, der geschonte Kevin Mbabu ist aufmerksamer Zuschauer. Und so keimt bei einigen der anwesenden Fans die Hoffnung auf, dass YB doch seine Leistungsträger halten kann.

Allerdings rechnet keiner der Clubexponenten mit einem Verbleib der drei meistgehandelten Wechselkandidaten. Auch wenn sich ein Transfer derzeit nicht abzeichne, könne es schnell gehen, sagt Spycher. Oder anders formuliert: Ein Anruf und ein Geschäft nehmen plötzlich Konturen an. Spycher ist für diesen Fall vorbereitet, die Liste mit potenziellen Ersatzkräften wird von der sportlichen Führung ständig aktualisiert.

Sows Plan

Mit dem aufstrebenden Djibril Sow, für den es lukrative Anfragen aus Italien und Deutschland geben soll, ist der Sportchef dagegen zur Übereinkunft gekommen, dass es das Beste sei, wenn er eine weitere Saison in Bern bleibe. Spycher nennt Sow einen vernünftigen jungen Mann, der einen klaren Plan für die Karriere im Kopf habe. Nachdem er sich als Teenager in Mönchengladbach nicht hat durchsetzen können, sieht dieser im Sommer 2018 keinen Auslandtransfer vor.


https://www.langenthalertagblatt.ch/spo ... y/14210058

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 Betreff des Beitrags: Re: Christoph Spycher - Sportchef
 Beitrag Verfasst: Samstag 22. September 2018, 23:13 
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22.09.2018

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YB-Sportchef Christoph Spycher: «Wir können nicht in zwölf Monaten aufholen, was der FCB in 15 Jahren aufgebaut hat»

Seit zwei Jahren ist Christoph Spycher Sportchef bei den Young Boys. Unter dem 40-Jährigen sind die Berner nach 32 titellosen Jahren Meister geworden und haben sich für die Champions League qualifiziert. Trotzdem sagt Spycher: «Es werden wieder bittere Niederlagen und andere Zeiten kommen.»

Christoph Spycher, was nimmt YB mit aus dem ersten Champions-League-Abend und dem 0:3 gegen Manchester United?

Die Zufriedenheit nach dem mutigen Auftritt, die Enttäuschung wegen des Resultats und die Erfahrung für die Spieler. Sie sahen, was es auf diesem Level braucht, und wie viel fehlt. Jeder Junge will bei solchen Vereinen spielen, in England, Spanien, Deutschland. Manchmal tut es gut, wenn man den Spiegel vorgehalten bekommt und die Realität erkennt, die heisst: Ich spiele bei YB.

Was sind Ihre Erwartungen in der Champions League?

Sportlich haben wir die Ziele nach innen definiert, kommunizieren sie aber nicht nach aussen. Rund um den Fussball haben wir mit dem ganzen Tamtam umzugehen, mit den vielen Interviews und der öffentlichen Präsenz. Gleichzeitig müssen wir den Spagat schaffen zwischen der Champions League, der Super League und dem Cup. Das ist alles schwieriger als in der Europa League, weil wir nicht in Astana, sondern in Manchester, Turin und Valencia spielen.

Was sind die Gefahren dieses Erfolgs?

Er verschafft uns eine grosse Visibilität, die einen Einfluss auf das nächste Transferfenster haben kann. Kevin Mbabu zum Beispiel spielt jetzt in der Champions League und ist Nationalspieler geworden. Es wird Veränderungen geben im Winter und wir müssen schauen, dass es ein sanfter Umbruch wird. Wir wollen vorbereitet an diesem Transferfenster vorbeikommen.

Das könnte schwierig werden. Wenn einer international zwei, drei gute Partien abliefert, gibt es doch kein Halten mehr.

Im Sommer 2017 haben wir in Denis Zakaria, Yvon Mvogo und Yoric Ravet auch absolute Leistungsträger verloren. Trotzdem sind wir noch stärker geworden. Solche Abgänge sind die Realität im Schweizer Fussball. Man kann sie als Gefahr wahrnehmen oder als Chance und Herausforderung, die kaum voraussehbar ist. Die jetzige Planung wird noch 25 Mal über den Haufen geworfen.

Nach dem Meistertitel haben wenige Spieler YB verlassen. Wie zufrieden sind Sie mit dem Transfersommer?

Wir haben immer gesagt: Wenn wir das Team zusammenhalten können, ist das top. Und wenn einer geht, dann ist das auch okay, sofern es mit der Situation des Spielers und des Vereins vereinbar ist. Wenn am letzten Transfertag ein zweistelliger Millionenbetrag für Kevin Mbabu geboten wird, dann haben wir keine Zeit mehr, ihn zu ersetzen. Das Timing ist also neben dem Preis entscheidend. Wir wollen kein Selbstbedienungsladen sein, der Sonderangebote macht. Spieler von YB haben ihre Qualität und somit ihren Preis.

«Ich habe nicht das Gefühl, dass wir die Besten sind und Unglaubliches geschafft haben.»

In der Branche gibt es Stimmen, die sagen, Sie hätten zu hohe preisliche Vorstellungen.

Das ist immer eine subjektive Einschätzung. Wir machen die Preise ja nicht mit Würfeln. Wir spielen in der Champions League und haben Nationalspieler im Kader. Wir müssen keine Rabatte gewähren.

Aber wenn jemand einen zweistelligen Millionenbetrag für Kevin Mbabu bietet, dann muss sich YB das doch überlegen, auch wenn das Angebot am letzten Transfertag kommt.

Das sehe ich anders. Wir haben auch eine Gesamtverantwortung für die Mannschaft. Ich kann nicht den Traum eines Spielers erfüllen und einem anderen sagen: «Sorry, geht gerade nicht.» Wir kommunizieren den Spielern unsere Erwartungen sehr offen und sind bisher gut gefahren damit.

Einerseits müssen Sie Geld mit Transfers verdienen und deswegen Ihre Preisvorstellungen durchbringen. Andererseits dürfen Sie auch kein Verein sein, von dem es heisst, die Spieler kommen wegen zu hoher Forderungen nicht zum nächsten Karriereschritt. Wie gehen Sie mit diesem Spannungsfeld um?

Es ist nicht so, dass Spieler nicht weiterkommen. Seit ich Sportchef bin, sind Zakaria, Mvogo, Ravet, Yuya Kubo oder Kasim Adams Nuhu ins Ausland gewechselt. Die haben alle gute Wege gemacht. Wir wollen keine Spieler holen und ihnen sagen: «Lanciere hier Deine Karriere neu, dann bist du aber zwölf Jahre bei uns.» Wir wollen solche, die einen inneren Antrieb zum Fortschritt haben, die Stammspieler und Nationalspieler werden wollen, um dann in eine grosse Liga zu wechseln. Aber wir fordern auch ein gewisses Verständnis für die Situation von YB.

Welche Vorgaben macht Ihnen die Vereinsführung bezüglich Transfereinnahmen?

Im Budget steht eine Zahl. Aber das Transferjahr 2017 war für uns sensationell. Das hat uns etwas Druck weggenommen. Wir sind nicht darauf angewiesen, jedes Jahr 15 Millionen zu generieren. Es wäre auch zu riskant, sich darauf festzulegen. Sonst müssten wir einen Spieler für vier, den anderen für fünf und zwei weitere für drei Millionen ziehen lassen. So brächen jedesmal eine Handvoll Leistungsträger weg und es wäre unrealistisch, eine intakte Mannschaft zusammenzuhalten.

Das Interesse an YB hat mit dem ersten Titel seit 32 Jahren und der ersten Champions-League-Teilnahme stark zugenommen. Wie ist es für Sie, Teil dieser Entwicklung zu sein?

Mit dem Meistertitel erfüllte sich ein Traum, den ich als Spieler nicht verwirklichen konnte, als ich 2010 von Eintracht Frankfurt nach Bern zurückkam. Dass es in anderer Funktion geklappt hat, ist toll. Aber alles Extreme ist mir fremd. Wenn es schlecht lief, hatte ich als Spieler nie den Eindruck, nicht mehr auf die Strasse gehen zu können. Und ich habe jetzt als Sportchef im Erfolg nicht das Gefühl, dass wir die Besten sind oder Unglaubliches geschafft haben. Wir dürfen uns nicht aus der Bahn werfen lassen von denen, die über den Wolken schweben. Ich kann nüchtern erkennen, was gut ist und nehme die Meinung meiner Leute wichtiger als die Aussenwahrnehmung. Und ich weiss: Es werden wieder bittere Niederlagen und andere Zeiten kommen.

Sie kommunizieren sehr zurückhaltend, so wie der Verein auch. Jahrelang hat YB das Wort «Meistertitel» nicht in den Mund genommen.

Als ich 2010 aus Frankfurt zurückkam, habe ich das ganz anders erlebt. YB war damals auf einem guten Weg, stand zweimal in einer Finalissima gegen Basel, es war etwas am entstehen. Aber man hat zu offensiv kommuniziert. YB wollte Meister werden, feierte sich als Transfersieger, schürte riesige Erwartungen. Darunter hat die Mannschaft gelitten und nach fünf Runden lag man wieder sieben Punkte hinter dem FC Basel. Das hat mich geprägt. Auch wegen dieser Erfahrung kommunizierten wir in den letzten Jahren defensiver. Alles andere wäre nicht richtig gewesen.

Warum nicht?

Weil es nicht mit unserer Geschichte zusammenpasst. Nach dem Titelgewinn konnten wir allerdings schlecht sagen, wir wollen Zweiter werden. Es wäre unglaubwürdig gewesen. Schon in der Winterpause der letzten Saison mussten wir öffentlich vom Titelgewinn sprechen und standen auch dazu. Basel lag zwei Punkte hinter uns und wir merkten: Es kann nicht sein, dass der FCB sagt, er wolle Meister werden und wir reden von einem guten Start in die Rückrunde.

«Es ist illusorisch, dass die mediale Meinung immer deiner subjektiven Wahrheit entspricht.»

Beim FC Basel war es nach dem Umbruch im Sommer 2017 allerdings noch extremer. Raphael Wicky sagte vor dem Ligastart: «Meister werden wir.»

Der FCB hat aber eine andere Geschichte. Er hat seit 2002 etwas aufgebaut, das auf unglaublichem Level ist. Alle sprechen von einer Wachablösung. Ich sage: Nein, wir haben lediglich einen Meistertitel geholt. Wir sind ambitioniert. Aber YB kann nicht in zwölf Monaten aufholen, was Basel in 15 Jahren aufgebaut hat.

Wie haben Sie den FC Basel seit dem Führungswechsel wahrgenommen?

Wir kriegen natürlich mit, was in Basel passiert. Ich kenne viele Leute dort, habe mit Marco Streller, Alex Frei oder Raphael Wicky zusammengespielt, Marcel Koller war bei den Grasshoppers mein Trainer und Karl Odermatt habe ich auch kennengelernt. Aber ich sehe die Entwicklungen in Basel trotzdem nur von aussen.

Wie ist Ihr Verhältnis zum Basler Sportchef Marco Streller?

Gut. Wir sind in der Nationalmannschaft gut miteinander ausgekommen, aber eine enge Freundschaft ist nie entstanden, auch weil wir nie im gleichen Verein gespielt haben.

Marco Streller ist wie Sie ein junger Sportchef. Wie sind Sie zu dieser Funktion gekommen?

2010 stellten mir der damalige CEO Stefan Niedermaier und Chefscout Stéphane Chapuisat in Frankfurt das Projekt vor: Ich sollte als Spieler zurückkehren mit dem Fernziel, Sportchef zu werden. Nach der Profi-Karriere war ich Talentmanager, habe Trainerdiplome gemacht und mich an der Universität St. Gallen in Sport-Management weitergebildet. Dann kam der grosse Umbruch im Verein und ich musste entscheiden: Entweder wird ein Externer Sportchef, der womöglich alles über den Haufen wirft, oder ich mache es selbst. Ich habe mich für Letzteres entschieden.

Wie sind Sie in diese Rolle hineingewachsen?

Ich kannte das Vertragswesen aus meiner Zeit als Talentmanager, die Spielerberater und den Verein von innen. Mir schwebte eine klare Idee vor, wie YB funktionieren sollte. Ich tauschte mich mit verschiedenen Leuten aus, zum Beispiel mit Thuns Sportchef Andres Gerber, der ein Freund von mir ist, oder mit Georg Heitz, den ich sehr schätze. Zudem pflege ich Kontakte nach Deutschland. So habe ich mir ein Netzwerk aufgebaut.

Was bringen Sie als Mensch mit für die Funktion als Sportchef?

Relativ viel Empathie. Ich merke, wie die Menschen funktionieren und spüre gewisse Strömungen. So finde ich den Zugang zu verschiedenen Persönlichkeiten. Das war schon als Spieler eine meiner Stärken. Menschen liegen mir am Herzen, aber ich kann die emotionale Ebene von der Sachebene trennen. Beim Entscheiden bin ich konsequent und nicht konfliktscheu, obwohl ich Harmonie mag. Wenn es um das Wohl des Ganzen geht, bin ich bereit, Konflikte auszutragen.

An was für Konflikte denken Sie?

Als ich Sportchef wurde, gab es im Kader viele, mit denen ich noch zusammengespielt hatte. Alain Rochat musste ich sagen, dass wir auf junge Spieler setzen und keinen Bedarf für ihn haben. Scott Sutter konnte ich nicht den langjährigen Vertrag anbieten, den er sich gewünscht hätte. Michael Frey kannte ich schon, als er kleiner Junior war. Im Sommer 2017 musste ich ihm sagen, dass es für ihn nicht weitergeht. Aber deswegen habe ich heute kein Problem mit ihm.

Aber er mit Ihnen?

Nein. Wir haben noch immer Kontakt. Damals, im Moment des Gesprächs, war es brutal, es tat mir als Mensch weh. Aber als Sportchef war es meine Aufgabe, klar zu kommunizieren.

In den Medien wurde Ihre Beförderung zum Sportchef nicht nur gut aufgenommen. Die «Basler Zeitung» titelte zum Beispiel: «Christoph Spycher, der nächste Fehler bei den Young Boys.»

Ich habe das zur Kenntnis genommen. Es ist illusorisch, dass die mediale Meinung immer deiner subjektiven Wahrnehmung entspricht. Wenn du das erwartest, kannst du nicht in der Öffentlichkeit arbeiten. Meine subjektive Meinung erachte ich als relativ reflektiert. Und deswegen weiss ich am Abend vor dem Schlafen, ob ich einen guten oder schlechten Tag hatte. Ich brauche dazu keine Zeitung, kein Forum, keine Sozialen Medien. Sondern die Meinung meines privaten Umfelds und meiner wichtigsten Mitarbeiter.

Wann haben Sie den Umgang mit dem Leben in der Öffentlichkeit gelernt?

Relativ schnell schon als Fussballer. Wenn man in die Nationalliga A kommt, steht man in der Öffentlichkeit.

Als Sie 1999 in der Nationalliga A debütierten, hatten die heute wichtigen Sozialen Medien allerdings kaum Gewicht.

Die klassischen Medien spielten eine Rolle. In Deutschland war es dann um ein x-Faches schlimmer. Damit entwickelt man einen Umgang, wird jedoch nicht immun dagegen. Das ist menschlich und man muss lernen, es einzuordnen. Fussballprofi zu sein ist auch eine Lebensschule.

Wie geben Sie diese Erfahrung weiter an die jungen YB-Spieler?

Manchmal sage ich ihnen, dass das, was sie erleben, nichts ist im Vergleich zu den Ligen, in denen sie eigentlich spielen wollen. Ich kann ihnen zeigen, wie sie den Umgang mit Kritik lernen können. Wenn ein Fussballer aber daran kaputt geht und keinen Weg findet, dann muss ich ihm sagen: «Das ist nicht Dein Geschäft, du musst einen anderen Beruf suchen.» Aus meiner Sicht ist das der grösste Unterschied zwischen der Schweiz und den grossen Ligen: Hier gibt es ein paar Pfiffe, aber wenn es in Deutschland oder England mal wirklich schlecht läuft, dann erleben die Spieler eine feindselige Atmosphäre.

Was sagt das über das Zusammenleben aus, dass es in Fussballstadien feindselig zu und her geht – und das ausgehend von anonymen Zuschauern?

Es zeigt, dass der Fussball in den Gesellschaften anderer Länder einen grösseren Stellenwert hat. Das Stadion ist ein Ventil. Da kommen Leute zusammen, die ganz verschiedene Wochen erlebt haben. Sie haben eine Faszination, für den Fussball, für den Verein oder für die Fangruppe, in der sie sich bewegen. Sie tauchen ein in diese Welt, in der sie möglicherweise Halt suchen, und lassen dort ihre Emotionen ab.

Und welche Emotionen erwarten Sie am Sonntag gegen den FC Basel?

Wir hoffen auf eine gute Leistung im erneut vollen Stade de Suisse. Die Affiche ist super für den Schweizer Fussball und Spiele zwischen Basel und YB sind immer toll. Aber trotz des Vorsprungs von neun Punkten ist nach sechs Runden nicht der Moment, Bilanz zu ziehen.


Christoph Spycher ist in Köniz (BE) aufgewachsen. Beim FC Luzern wurde er Profifussballer, mit den Grasshoppers Schweizer Meister, mit Eintracht Frankfurt spielte er in der Bundesliga, bevor er bei den Young Boys 2014 seine Karriere beendete. Heute ist der 40-Jährige Sportchef bei den Bernern, mit denen er 2017 den ersten Meistertitel seit 32 Jahren gewann.


https://tageswoche.ch/form/interview/yb ... ebaut-hat/

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