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 Betreff des Beitrags: Re: (20) Michel Aebischer
 Beitrag Verfasst: Mittwoch 2. Oktober 2019, 12:27 
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Er ist Mister Inkognito bei YB

Michel Aebischer ist wichtiger denn je für die Young Boys – insbesondere wegen der vielen Verletzten. Auch am Donnerstag gegen die Rangers.

Seit 2017 gibt es Tausende YB-Trainer. Bei jedem Spiel können Interessierte bis ein paar Stunden vor Anpfiff in der offiziellen App die Aufstellung der Young Boys tippen. Pro Spieler, der mit der tatsächlichen Aufstellung von Gerardo Seoane übereinstimmt, wird ein Punkt vergeben. Zum Saisonende gewinnen die drei besten Tipper Tickets für eine Partie in der Champions Lounge im Stade de Suisse.

Es ist eine Spielerei. Unter vielen Fussballaffinen gehört es jedoch zu den Lieblingsbeschäftigungen, über Aufstellungen und taktische Varianten zu diskutieren. Und jede und jeder hat schon mal seine Top-11 zusammengestellt – ob analog oder topmodern in der App.

Im breiten, stark besetzen Kader der Young Boys ist dies gar kein einfaches Unterfangen. Der Meister verfügt auf allen Positionen über mehrere Optionen – der Kombinationsmöglichkeiten gibt es viele, meist ohne grossen Qualitätsverlust. Dennoch tauchte ein Spieler vor der Saison in den Medien nur selten als Stammspieler auf: Michel Aebischer.

Die Visitenkarte gegen Sion

Der Freiburger sitzt am Dienstagmittag in den Katakomben des Stade de Suisse. Angesprochen auf dieses Gefühl des Unterschätztseins, das Aebischer schon lange begleitet, erzählt er, wie ihm ein Kollege vor der Saison die Aufstellung dieser Zeitung geschickt habe, in der er keine Aufnahme fand. Wer will, hört die Enttäuschung zwischen den Zeilen, aber Aebischer beteuert: «Ich nehme solche Dinge nicht zu ernst.»

Am letzten Samstag gegen Sion (3:2) bewies der Mittelfeldspieler seinen Wert für YB erneut, als er in einem kampfbetonten Verfolgerduell zu einem der Matchwinner avancierte, viel Laufbereitschaft zeigte, das erste Tor selbst erzielte und das zweite für Jean-Pierre Nsame auflegte. «Es hat lange genug gedauert, bis mir endlich der erste Treffer in der Liga gelungen ist», meint Aebischer. Es war ein eindrücklicher Vortrag des 22-Jährigen. Einer, der die Beliebigkeit von Wunschaufstellungen von Experten wieder einmal demonstrierte.

Denn längst ist Aebischer nicht mehr aus dem Stamm des Meisters wegzudenken. Als einer von vier Spielern ist er in allen 14 Partien zum Einsatz gekommen, nur dreimal stand er nicht in der Startformation. Es ist ein strenges Programm, zumal Aebischer in der Vorbereitung noch einen Muskelfaserriss auskurieren musste und erst später ins Training einsteigen konnte. Durch die Ausfälle von Sandro Lauper, Christopher Martins und zuletzt Vincent Sierro ist Aebischer noch wichtiger geworden. Doch er ist keiner, der sich dadurch zusätzlichen Druck machen würde: Die Erwartungen an ihn seien schon vor der Saison hoch gewesen, als noch alle fit waren. Insofern habe sich trotz der vielen Verletzten nicht viel geändert. Und sowieso, fügt er mit einem Augenzwinkern an: «Es ist das Schönste, viel zu spielen, dann muss man weniger trainieren.»

Vor gut drei Jahren debütierte der Mittelfeldspieler unter Adi Hütter in der ersten Mannschaft der Young Boys. Mittlerweile hat er 95 Partien bestritten, ist zweifacher Meister, gewann von Jahr zu Jahr an Einfluss, sitzt seit dieser Saison im sechsköpfigen Mannschaftsrat – und doch würden bei Aufzählungen der Meisterhelden wohl etliche vor ihm genannt und Aebischer höchstens im Zusammenhang mit seinem Bäuchlings-Jubel nach dem ersten Titel in der Kabine.

Der 22-Jährige fliegt meist unter dem Radar: weil er nicht auffällt, weder auf noch neben dem Feld. Weil er nicht mit Wucht und Spektakel die Zuschauer zum Staunen bringt, weil er nicht viele Tore schiesst. Seine Arbeit ist nicht immer augenfällig, aber nicht minder wichtig fürs Team. Aebischer fühlt sich wohl in dieser Quasi-Inkognitorolle und stört sich nicht daran, weniger Aufmerksamkeit zu generieren als manche Teamkollegen. «Ich weiss, was ich kann», sagt er. «Es ist nicht entscheidend, was die Fans denken oder was in den Medien steht. Was zählt, ist, was der Trainer sagt. Und der setzt auf mich.»

Kein Schönwetterfussballer

Auch am Donnerstag im Heimspiel der Europa League gegen die Glasgow Rangers wird dies nicht anders sein. Nach der Niederlage zum Auftakt in Porto sind die Berner schon leicht unter Zugzwang, und Aebischer will gegen die für ihr körperliches Spiel bekannten Schotten dagegenhalten. Er mache zwar vieles über Schnelligkeit und Antizipationsvermögen wett, aber wenn es die Situation erfordere, mache er schon auch gern mal ein Tackling. «Natürlich bin ich nicht der Grösste und Breiteste, aber ich bin kein Schönwetterfussballer.»

Aebischer lacht. Er freut sich auf das Kräftemessen auf europäischer Bühne – auch wenn es nur die kleinere von beiden ist. Schliesslich bietet es ihm eine weitere Möglichkeit, sich zu präsentieren. Ein Wechsel ins Ausland bleibt ein Traum, bis anhin hat er sich dazu noch nicht bereit gefühlt. Die Zeit drängt jedoch nicht. Sein Vertrag in Bern läuft noch zweieinhalb Jahre. Aebischer sagt, gewohnt gelassen: «Wenn die Leistungen bei YB stimmen, kommt alles von alleine.»

An alle virtuellen YB-Trainer: Michel Aebischer ist am Donnerstag ein sicherer Punktgewinn.


https://www.bernerzeitung.ch/sport/fuss ... y/12073166

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 Betreff des Beitrags: Re: (20) Michel Aebischer
 Beitrag Verfasst: Mittwoch 9. Oktober 2019, 23:00 
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YB-Dauerläufer Michel Aebischer: Perpetuum mobile im Mittelfeld

Er ist intelligent, ehrgeizig, selbstbewusst, bescheiden, ausgeglichen, weitsichtig und zuvorkommend. Und – das vor allem – ein grossartiger Fussballer. Im Leben des 22-jährigen YB-Mittelfeldregisseur gibt es aus Berner Sicht nur einen Makel: Er ist bekennender Fan des HC Fribourg-Gottéron.

Nun, hier kommt es auf die Sichtweise an, werden Eishockeyfans ennet der Sense sagen, also lassen wir das und unterhalten wir uns mit Michel Aebischer über die Sportart, in der seine Kernkompetenz liegt: Fussball. Nach Lehrjahren auf der YB-Geschäftsstelle und auch auf dem Rasen ist der Mann, der im YB-Mittelfeld während einer Partie meist mehr als elf Kilometer abspult, aus dem Team nicht mehr wegzudenken. YBs Perpetuum mobile debütierte mit 19 im Fanionteam der Gelb-Schwarzen, in der Zwischenzeit ist er Fixstarter und Stammspieler, Denker und Lenker im Mittelfeld mit einem auf der Internet-Plattform tranfermarkt.de geschätzten Marktwert von 4,5 Millionen Euro – Tendenz klar steigend. Nicht schlecht für einen jungen Mann, der aus dem Freiburger Dorf Heitenried kommt, ein Ort mit 1396 Einwohnern, der nahegelegenen Grasburg und dem Schloss als Sehenswürdigkeiten, zwei Beizen und einem Wohn- und Altersheim.

Der Stellenwert hat sich verändert

«Früher war ich der Junge, jetzt befinde ich mich in der Position, in der sich meine älteren Kollegen in den vergangenen Jahren befanden. Ich versuche, obwohl auch ich noch jung bin, den noch Jüngeren zu helfen – mein Stellenwert hat sich verändert.» Der beidfüssige Mittelfeldregisseur («Ich habe von klein auf mit beiden Füssen trainiert») sagt von sich selbst, dass er am Ende eines Spiels zwar müde sei, ihm das viele Laufen aber keine Probleme bereite. «Je mehr ich mich bewege, umso mehr Ballkontakte habe ich, das ist für einen Mann auf meiner Position sehr wichtig.»

Die Verbindung zu Hoarau

Seit seinen ersten Einsätzen im Fanionteam verbindet den Heitenrieder ein besonderes Verhältnis zu Guillaume Hoarau. «Als ich neu ins Team kam, hat er mich sofort perfekt aufgenommen, mir geholfen, wo er konnte, wie übrigens auch Captain Steve von Bergen. Vielleicht liegt unsere Verbundenheit auch darin begründet, dass wir einen ähnlichen Spielstil pflegen. Wir lieben Doppelpässe und das Kurzpassspiel, da sind wir uns durchaus ähnlich.» Über seinen Marktwert, der ständig steigt und derzeit schon die Fünf-Millionen-Grenze kratzt, macht er sich wenig Gedanken. Bis 2022 ist er vertraglich an die Young Boys gebunden, was danach (oder schon vorher) kommt, steht in den Sternen geschrieben. «Liest man diese Zahlen, macht man sich schon Überlegungen, aber nicht zu viele. Ich konzentriere mich einzig und allein auf meine Leistungen bei YB. Sind diese gut, flattern automatisch Angebote ins Haus, da wird sich mein Berater darum kümmern, ich lege mein Hauptaugenmerk auf YB.» Schaut Michel Aebischer, der nach wie vor in Heitenried wohnt, zurück, staunt auch er, wie schnell alles gegangen ist.

Beim Einstand nervös

«Bei meinem Einstand im September 2016 war ich natürlich nervös, es war ein sehr spezielles Gefühl, vor so vielen Zuschauern spielen zu dürfen.» YB gewann damals dank zwei Toren Miralem Sulejmanis 2:1 gegen Luzern, Michel Aebischer wurde nach 89 Minuten eingewechselt. In der Zwischenzeit ist er zweifacher Schweizermeister und hat sich als Leistungsträger an grosse Kulissen gewöhnt. «Heute ist es vor den Spielen mehr Anspannung als Nervosität», sagt die Nummer 20, die auf dem Rasen immer mehr Verantwortung übernimmt. Auch neben dem Feld gibt sich der beidfüssige Regisseur bescheiden. Seine Heimat ist weiterhin das 25 Autominuten entfernte Heitenried. «Hier ist es schön, ruhig, der Blick auf die Berge ist frei», sagt der Freiburger, der vorderhand noch an Mutters Herd isst und auch bei den Eltern wohnt. Und was sagt er zum Thema Nationalmannschaft? «Ich habe auf allen Juniorenstufen in den Schweizer Auswahlteams gespielt, es gilt, erfolgreich aufzutreten, dann kommt früher oder später auch ein Aufgebot.» Spieler mit dem Charakter Michel Aebischer könnten dem aktuellen Nationalteam nur gut anstehen. Weniger Knatsch ausserhalb des Spielfelds wäre mit mehr Akteuren der Sorte Aebischer garantiert.


https://baernerbaer.ch/sport/yb-dauerla ... ittelfeld/

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