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 Betreff des Beitrags: Hansueli Rhis (YB-Investor)
 Beitrag Verfasst: Freitag 1. Dezember 2006, 11:53 
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Andy Rihs und seine Ansprüche an YB

Andy Rihs stieg im Frühjahr 2005 als Investor beim Stade de Suisse und bei den Young Boys ein. Weil der Radsport seine bisherig Domäne war, blieb er in Sachen Fussball stets im Hintergrund. Erstmals äussert er sich nun in einem Interview über sein Engagement rund um den Berner Fussball, er kommentiert die Entwicklung der Young Boys und entwickelt Ideen für die Zukunft. Und er erklärt, wie seine Firma Phonak vom Sponsoring im Sport profitiert.



Im neusten Rotweiss Magazin steht ein Bericht über Andy Rhis und YB. Wäre schön wenn er seinen Geldbeutel auch ein wenig öffnen würde wie im Radsport. Dopingprobleme wird er bestimmt keine bekommen! 8)

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 Beitrag Verfasst: Dienstag 26. Dezember 2006, 14:53 
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Bund, 24.12.2006

«Das ist eine ganz tolle Sache»

Andy Rihs gehört zu den sechs Investoren des Stade de Suisse und somit zu den YB-Geldgebern. Im Zug des Dopingwirbels hat der Phonak-Chefbeschlossen, das gleichnamige Radsportteam per Jahresende aufzulösen.


Wie sind Sie als Zürcher dazu gekommen, im Stade de Suisse und bei YB zu investieren?

Andy Rihs: Eigentlich bin ich ein Berner, heimatberechtigt in Meinisberg. Meine Mutter kam aus Aarwangen. Fritz Widmer von den Berner Troubadours gehört zur Verwandtschaft. Und ich absolvierte während dreier Jahre den WK in Bern. Ich bin in meinem Leben nie von Bern losgekommen.


Welchen Bezug haben Sie zu YB?

Ich habe die grossen Zeiten in den Fünfzigerjahren miterlebt. YB war der Inbegriff des Schweizer Fussballs, «Geni» Meier der faszinierendste Spieler. Jüngst hat es der Zufall gewollt, dass ich in Bern eingestiegen bin.


Wie ist es dazu gekommen?

Ich habe vor zwei, drei Jahren erfahren, dass es ein neues Wankdorfstadion gibt. Ich bin zwar kein grosser Golfer, gelegentlich spiele ich aber. Ich habe Benno Oertig (den VR-Präsidenten des Stade de Suisse, die Red.) in Blumisberg auf dem Golfplatz getroffen. Er sagte mir, er habe in Bern das Stadionbusiness übernommen. Ich wunderte mich, dass man das macht. Er aber sagte: «Das wäre doch auch etwas für Dich.» Mit der Begründung, ich sei im Radsport zu Hause, sagte ich ab.


Was passierte dann?

Oertig liess nicht locker. Er lud mich ein, das Stadion zu besichtigen. Aber ich dachte weiterhin: Meine Welt sind das Velo und die Tour de France. In der Endphase des Stadionbaus erfasste auch mich die Begeisterung. Ich merkte: Da geht die Post ab. Mir wurden die Businesspläne gezeigt. Ich dachte: Das ist eine ganz tolle Sache.


Folglich ging es Ihnen nicht um YB, sondern um das Stadion.

Ja. Das Stade de Suisse ist eine Attraktion, luftig, befreiend. Es ist kein Treffpunkt für Hooligans, sondern ein Ort der Sportkultur. Dahinter steckt eine klare Philosophie, wie bei Phonak. Wir haben auch kein gewöhnliches Haus gebaut.


Sie schwärmen in den höchsten Tönen …

Ich kann mich nur für Dinge begeistern, die Qualität haben, weil sonst keine Nachhaltigkeit möglich wäre. Ich weiss, dass dieses Projekt kopiert wird, zum Beispiel in Russland. Es ist eine Mischung aus Architektur, Sport und Business, ein hoch komplizierter Apparat, der dank sehr viel Hirnschmalz entstanden ist. Schade ist nur, dass sich zu Beginn keine Berner Investoren zur Verfügung stellten.


Mit Fritz Bösch ist mittlerweile ein Berner Präsident des YB-Verwaltungsrats.

Als ich die Crew sah, sagte ich: «Da muss echter Berner Koller hinein.» Ich bin zwar ein Berner, aber eben nur auf dem Papier. Ich kannte Bösch vom Radsport und wusste, dass er der richtige Mann sein würde.


Das Geschäft in Ehren: Aber der Stadionbetrieb lebt von YB.

Das ist richtig. Es braucht Leben im Stade de Suisse, der Fussball sorgt dafür. YB ist ein erfolgreiches Unternehmen, wie Phonak. Das Stade de Suisse und YB werden auch in zehn Jahren eine Topstory sein. Ich mag YB den Erfolg extrem gönnen.


Wie sind Sie mit YB zufrieden?

Ich glaube, im Fussball hängt vieles vom Trainer ab. Oftmals verstehen es gute Spieler nicht, zu gewinnen. Der Trainer muss das Team zusammenstellen. Mit Martin Andermatt besteht ein Vertrauensklima. Ein Trainer sollte authentisch sein. Andermatts Vorgänger (Gernot Rohr, die Red.) wollte vielleicht etwas vorspielen.


Ist der Trainer so wichtig?

Ja. Ohne die richtigen Leute bringt kein Konzept etwas. Der Trainer ist die Schlüsselfigur, wie der CEO einer Firma.


Der neue FCZ-Präsident Ancillo Canepa sagt, sein Ziel sei die Champions League. Welche Vision verfolgen Sie?

Wir haben auch hohe Ziele. Es sollte in der Schweiz möglich sein, dass drei, vier Teams europäisch bestehen können.


Sie sind mit der Familie Canepa befreundet .

Ancillo Canepa hat mich gefragt, ob ich verrückt sei, in Bern zu investieren. Aber für mich ist klar, dass es keinen Wechsel zum FCZ geben wird. Ich bin in Bern tätig. Fertig. Ich habe weiterhin ein Hauptziel: Echte Berner Investoren sollten am Stade de Suisse beteiligt sein.


Der Anspruch Champions-League-Teilnahme dürfte mit einer markanten Budgeterhöhung verbunden sein.

Ich bin der Falsche, um das zu beurteilen. Es wäre unrealistisch, einen Schweizer Sieger in der Champions League zu erwarten. Aber im Ausland soll man registrieren, dass man mit uns rechnen muss. Die Tour de France kann auch nur einer gewinnen. Aber viele können mitfahren.


Es gibt YB-Fans, die gar nicht glücklich sind mit der Entwicklung, weg von der Tradition.

Profisport funktioniert heute als Business. Man muss Emotionen und Fakten klar unterscheiden. Aber die Wirtschaftlichkeit des Betriebs ist von blühendem Sport abhängig. Es sind bei YB Sachen passiert, die für einige ein Graus waren. Aber nun haben wir alle Hausaufgaben erledigt. Es ist Zeit, vermehrt an den Sport zu denken. Allmählich kommt der Erfolg. Auch bei den Kritikern kommt langsam Genugtuung auf.


Wie hoch ist Ihr finanzielles Engagement im Stade de Suisse?

Es liegt in Millionenhöhe. Ich bin einer von sechs Investoren. Ich sehe mich nicht als reinen Mäzen, sondern als Finanzinvestor. Und ich möchte nicht im Rampenlicht stehen, schliesslich spielen wir ja nicht Teleboy.


Wird es bei YB einmal den Hauptsponsor Phonak geben?

Nein. Wir betreiben keine nationale, sondern entweder globale oder lokale Werbung. Bryan Adams und die Wiener Philharmoniker sind Botschafter von Phonak. An unserem Sitz in Stäfa sind wir im Handball, Fussball und Tennis engagiert.


Sie haben im Zug des Dopingwirbels Ihre Radsportgruppe aufgelöst. Welche Unterschiede sehen Sie zwischen Fussball und Rad?

Sport ist eine hochemotionale Geschichte, die in der Öffentlichkeit ausgebreitet wird. Im Fussball gibt es nur schwarz oder weiss. Wer gewinnt, wird gefeiert, wer verliert, erhält keinen Applaus. Der Radsport ist sozialer. Vielleicht faszinieren Verlierer sogar mehr als Sieger.


Inwiefern?

Lance Armstrong war der Beste, aber nicht der Populärste. Viele fahren Velo. Sie wissen, was es heisst, vor einem Berg zu stehen. Die Leistung an sich wird honoriert, nicht nur der Sieg.


Wie fällt Ihre Rad-Bilanz aus?

Sehr positiv. Phonak wurde weltweit bekannt und ist heute die einzige Hörgerätemarke, die man kennt.


Anderseits sorgte Phonak für viele Negativschlagzeilen.

Wir haben unsere Ziele erreicht. Der erste Phonak-Etappensieg an der Tour de France von Oscar Pereiro ging in die Annalen ein. Es gibt Leute, die ewig davon erzählen werden, weil der Radsport sehr nachhaltig ist.


Aber in keiner andern Sportart gibt es mehr Dopingfälle.

Es gibt aber auch keine Sportart, in der so viele Kontrollen vorgenommen werden. Weltweit gibt es jährlich 120 000 Kontrollen, wovon 12 000 für einige hundert Radprofis. Ich bleibe dabei: Der Radsport ist voll intakt. Das Publikum sieht ihn ungezwungener als die Medien, die Dopinggeschichten haben auf die Sponsoren wenig Einfluss gehabt.


Vielseitiges Engagement

Der 64-jährige Andy Rihs bildet mit Benno E. Oertig, Urs Meile, Michael Bona, Peter Jauch und Fritz Bösch den Verwaltungsrat der Sport und Event Holding AG in Luzern. Die sechs Investoren sind Besitzer des Stade de Suisse Wankdorf, das den Betrieb im Sommer 2005 aufgenommen und einen Wert von über 100 Millionen Franken hat. Zwischen dem Stade de Suisse und YB sind die Grenzen fliessend, womit Rihs zu den Geldgebern der Young Boys gehört.

Rihs ist Gründer und Mehrheitsaktionär von Phonak. Die Gruppe mit Hauptsitz in Stäfa zählt zu den weltweit führenden Hörgeräteherstellern. Rihs’ grosse Leidenschaft galt dem Radsport. Nach siebenjähriger Existenz wird das Phonak Cycling Team per Jahresende aufgelöst. Der Dopingfall des vermeintlichen Tour-de-France-Siegers Floyd Landis wird als letztes Kapitel in die von vielen Turbulenzen begleitete Phonak-Geschichte im Radsport eingehen. (st)

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 Beitrag Verfasst: Mittwoch 26. September 2007, 13:28 
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sport1.ch, 26.9.2007

Auch Andy Rihs Bruder steigt bei YB ein

Wie der "Blick" in der heutigen Ausgabe verrät steigt auch der Bruder von Phonak Chef Andy Rihs bei den Berner Young Boys als Investor ein. Wie sein Bruder hat auch Hans-Ueli Rihs einen gehörigen Verdienst am bis zum Doping-Skandal erfolgreichen Phonak Cycling Team.

Damit sind YB und das Stade de Suisse noch breiter abgestützt. Mit Benno Oertig, Fritz Bösch, Urs Meile, Michael Bona und Peter Jauch gehören schon fünf Personen der Investoren Gruppe an. Wieviel Hans-Ueli Rihs in die Young Boys steckt ist noch nicht bekannt.

Rihs ist zudem Verwaltungsratspräsident von Swiss Casino. Die YB- Investoren streben weitere Einstiege à la Hans-Ueli Rihs an.

Benjamin Bienz

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 Betreff des Beitrags: Re: Andy Rihs
 Beitrag Verfasst: Montag 5. Mai 2008, 12:45 
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4. Mai 2008, NZZ am Sonntag

Mit Leidenschaft und Kalkül

Zwischen Radsport und Fussball – wie Andreas Rihs mit YB am Titel schnuppert

Von Benjamin Steffen

Mittwochmorgen. Andreas Rihs irgendwo im Waadtland, inmitten von Reben und Rädern. Er jubiliert. Wie meist, wenn er sich inmitten von Reben und Rädern befindet. Anlass ist die Präsentation der von ihm genährten Radequipe BMC, die dank einer Wild Card an der Tour de Romandie teilnehmen darf. Er preist den Radsport als lebenslängliche Passion. Sie hat ihn als Patron des Phonak-Teams zwischen 2000 und 2006 50 Millionen Franken kosten und Eimer voller Doping-Häme ertragen lassen. Doch die Leidenschaft brennt ungehemmt. Herr Rihs, was hat Sie der Profi-Radsport gelehrt? Der Doyen des Schweizer Hörgeräteherstellers Phonak antwortet mit einem Vokabular aus deutscher Dominanz und englischen Einwürfen: «Erstens: Das cycling hat power und ist exzellente Werbeplattform. Zweitens: Sponsoren werden wegen Dopinggeschichten nicht in Sippenhaft genommen.» Was sollte ihn also hindern, mit der Grencher Velofirma BMC abermals Profis zu sponsern?

Freitagabend. Rihs, Zürcher mit Berner Heimatort, im Stade de Suisse. Er jubiliert auch hier. «Und, merken Sie etwas?», fragt er rhetorisch, als er ins fast ausverkaufte Stadion marschiert. Er ist euphorisch; das Publikum ebenfalls; bloss das Team nicht – YB verliert gegen Xamax 1:3. «Nothing ist garantiert», sagt Rihs, Fussball sei ein Spiel, unberechenbarer als Radsport. «Doch was zählt: Wir können immer noch aus eigener Kraft Meister werden.» Rihs sagt «wir», weil er im Stade de Suisse Hausherr ist – ein Hausherr mit noch mehr Macht und Ansehen, seitdem er im Januar mit Bruder Hans-Ueli das Aktienpaket der Sport und Event Holding AG grossmehrheitlich übernommen hat.

Man denkt, ob Radsport oder Fussball, das sei für Rihs einerlei – er, laut «Bilanz» mit Bruder Hans-Ueli und Geschäftspartner Beda Diethelm «2 bis 3 Milliarden Franken» reich, nehme Millionen in die Hand und habe Spass daran. Doch Rihs sagt: «Die zwei Engagements haben wenig Parallelen.» Radsport, das sei – er wiederholt es gern – «Passion», der Fussball indes «ein anderes Thema». Er habe keine Ziele verfolgt, bis 2005 der Fussball als «opportunity» aufgetaucht sei, mit dem Stade de Suisse im Zentrum – «das war businessmässig interessant, schauen Sie mal diese Infrastruktur an, und beiläufig war auch YB dabei». Er sei kein Fussballkenner, «doch nun bin ich Fan geworden».

Der Fan hat Appetit bekommen; der selbsternannte Laie denkt voraus, was wäre, falls der Coup 2008 doch noch glückte: «Was wir einmal machen, streben wir ein zweites Mal an.» Wohlgemerkt – die Lust folgt nicht dem Gefühl, sondern dem Kalkül: «Wenn der Klub gut ist, steigt der Wert des Stadions.» Und im Wert des Stadions liegen Glück und Geld der Aktionäre.

Rihs beteuert, er sei kein Mäzen. Er verspricht sich Rendite, mischt sich aber nicht ins Tagesgeschäft ein und sagt, er habe YB noch keinen einzigen Spieler finanziert – «das gäbe einen riesigen conflict of interests ». Auf die Frage, ob Rihs jedoch nicht zumindest eine Lebensversicherung sei, antwortet der Stadion-CEO Stefan Niedermaier: «Wenn alle Stricke reissen, würden Herr Rihs und seine Kollegen das Kapital allenfalls erhöhen – aber zum Wohl des Ganzen.» Soll heissen: Mehr Geld müsste dem Stadion und YB als Gesamtunternehmen zugutekommen.

Man fragt sich, ob Rihs' Interesse nicht in den sportfremden Stadion-Segmenten (Konferenzen, Konzerte) liegt, die grösseren Ertrag generieren und den Sportbetrieb quasi quersubventionieren – ja man fragt sich, ob die Investoren nicht eine Aufsplittung und die Ausgliederung des Sports anstreben, weil daraus höhere Rendite resultierten. Niedermaier nimmt solchen Gedanken die Nahrung, «weil der Fussball 75 Prozent des Geschäfts ausmacht – wenn in der Summe Geld verdient wird, gelingt dies dank dem Fussball und 25 Spielen. Ein Konzert veranstalten zu können, braucht teilweise Glück.» Auch Rihs betont, wie komplex die Stade-de-Suisse-Segmente verquickt und wie gross die Hoffnungen sind, mit Fussball das Stadion zu füllen. Er repetiert: «Ich erhoffe mir Gewinn.» Bisher sprang kaum ein Franken heraus – nicht gar viel des Optimismus im kleinen Schweizer Fussballland also, Herr Rihs? «Ist der Gewinn nicht materiell, soll er wenigstens ideell sein.» Das tönt eher nach Passion denn Business. Oder klingt's nach der Prise blinder Liebe, die Rihs im Radsport in die Doping-Bredouille brachte? Oder schimmert der Geschäftsmann durch, der weiss, was er macht – der dem Radsport treu blieb, weil er erkannte, dass Doping Sponsoren nicht schadet?

Wie auch immer – Rihs, 65 Jahre alt, argumentiert entwaffnend, wenn er sagt: «Ich will meine noch vorhandene Zeit nützen für das, was ich gern mache. Ich habe nicht mehr auf Ewigkeiten Aussicht.» Rihs investiert gern; mit Passion – in BMC, in die Phonak-Nachfolgerin Sonova, in die Ticketcorner AG, in die Mineralquelle Pearlwater, in den Stäfner Seidenpark, ins Gratisblatt «.ch» und so weiter. Und wenn YB am Titel schnuppert und ihm die Hütte füllt, macht Rihs neuerdings auch Fussball Spass. Notfalls reicht es ja, wenn der Spass ideell ist.

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 Betreff des Beitrags: Re: Andy Rihs
 Beitrag Verfasst: Freitag 10. September 2010, 23:06 
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Bilanz,10.09.2010

Der Rihs-Clan: Ich YB dich nicht

Als sich Andy Rihs (67) vor wenigen Tagen aufs Karbon-Rad schwang, um mit seinem Bruder Hans-Ueli (66) und ein paar Kollegen zu seinem Weingut in der Provence zu radeln, war die Welt wieder in Ordnung. Halbwegs.

Im Sattel, da lässt sich der Ärger der letzten Tage schnell vergessen. Rihs, Besitzer des Stade de Suisse und des Fussballclubs BSC Young Boys, hatte in Bern für Aufruhr gesorgt. Der Anlass: seine unzimperliche Absetzung von Stefan Niedermaier, CEO des Stade de Suisse, sowie die Einsetzung von Ilja Kaenzig, ehemals Fussballmanager und «Blick»-Sportchef, der nun in Bern für neuen Schwung ­sorgen soll.

Rihs’ Personalentscheid löste ein Erdbeben in der Berner Fussballwelt aus. ­«Eine Art Verbrechen am Verein» sei die Absetzung von Niedermaier, musste der Patron vor der Abfahrt in die Provence in der Lokalzeitung lesen. Aus Protest gegen die Absetzung trat Kuno Lauener, Sänger von Züri West und Berner Kulturikone, per sofort aus dem Beirat der Young Boys zurück. In Blogs und Leserbriefen wurde über Rihs gelästert.

Rückzugs-Gelüste. Dieser verstand die Berner Welt nicht mehr und plädierte im Freundeskreis für die Abschaffung der Sportberichterstattung in den Zeitungen. Vom Young-Boys-Slogan «Ich YB dich» bekam Club-Besitzer Rihs jedenfalls ­wenig bis nichts zu spüren.

Dabei würde der temperamentvolle Unternehmer lieber heute als morgen zum finanziellen Rückzug aus dem Fussballgeschäft der Hauptstadt blasen. Rihs’ Herz schlägt für den Radsport, er bezeichnet sich selber als «Velo-Maniac». Bereits zweimal habe er den YB-Exit ins Auge gefasst, erzählen Insider. Zuerst verhandelte er mit dem Energieunternehmen BKW und der Versicherungsgesellschaft Mobiliar; diese waren aber nur am Stadion interessiert, nicht am Fussballclub. Rihs jedoch wollte nur im Doppelpack verkaufen – und zu einem viel höheren Preis, als die Due Diligence von BKW/Mobiliar ergab. Die Folge: Verhandlungsabbruch.

Vor zwei Jahren bot Rihs in einer turbulenten Verwaltungsratssitzung der Sport und Event Holding – sie ist Besitzerin von Stadion und Fussballclub – sein 20-Prozent-Paket zum Verkauf an. Der Unternehmer, der bei all seinen Investments stets grösste Ellbogenfreiheit gewohnt ist, nervte sich zunehmend über das Geplapper im überdimensionierten Gremium. Sein Vorschlag an die verdutzten Mitinvestoren: «Liebe Kollegen, entweder kauft ihr jetzt mein 20-Prozent-Paket ab, oder ich kaufe eure Aktien.»

Alleinherrscher. Weil keiner der Aktionäre seinen Anteil aufstocken konnte oder wollte, zahlte Rihs mit seinem Bruder die andern Aktionäre aus. Nun war Andy Rihs mit seinem jüngeren Bruder plötzlich der Alleinherrscher in Bern. Für den Zukauf des 60-Prozent-Pakets soll er rund 30 Millionen auf den Tisch gelegt haben, wie mehrere Quellen berichten. Minderheitsaktionär blieb nur Benno Oertig, VR-Präsident der Sport und Event Holding.

Weder Oertig noch die Rihs-Brüder wollten sich zu ihrem finanziellen Engagement in Bern äussern. Man solle sich Anfang 2011 wieder melden, falls dann noch Interesse an YB und am Stade de ­Suisse bestehe, liessen sie über ihren Sprecher Sacha Wigdorovits ausrichten.

Auch heute sind die dominierenden Rihs-Brüder am Ausstieg interessiert. Mehrmals bekräftigten sie, dass «Bern» bloss ein Finanzinvestment sei und man insgeheim hoffe, die Young Boys und das Nationalstadion in lokalen Besitz überzuführen. Nur sind weit und breit keine Berner Investoren auszumachen, die einsteigen wollen. Schon gar nicht zum geforderten Preis.

Das Risikoprofil des Investments ist ohnehin nichts für schwache Nerven: Ein schlechtes Spiel wie gegen Tottenham Hotspur in London, und schon lösten sich erhoffte Champions-League-Einnahmen von über 25 Millionen Franken in Luft auf. Ein Blick in die Bücher zeigt die Tücken des Geschäfts: 2009 habe die Sport und Event Holding eigentlich einen operativen Verlust von gegen fünf Millionen Franken eingefahren, heisst es. Nur dank Spielerverkäufen blieb der Jahresabschluss im Lot. Dieses Jahr wird ein Rekord angepeilt: 50 Millionen Umsatz und ein Gewinn von sechs bis sieben Millionen Franken sind budgetiert. Doch von einem nachhaltigen Geschäftsmodell kann keine Rede sein. Einen Grossteil des Profits – rund fünf Millionen – hat man dem Verkauf von Stürmerstar Seydou Doumbia an ZSKA Moskau zu verdanken. Das brachte zwar Geld in die Kasse, dafür verliert der Club jetzt gegen die AC Bellinzona.

Bern ist speziell. Sentimentalität prägt den Geist des Publikums, ein zweiter Schlussrang das Abschneiden auf dem Platz. Nur zum Gewinnen reichte es nicht. Besonders sind auch die Besitzverhältnisse. In der Regel sind Stadion und Fussballclub getrennt, wobei der Club ­eine Stadionmiete von drei bis fünf Millionen Franken abliefert. Zudem stützt nicht selten die öffentliche Hand mit Millionen die Sportvereine.

Anders in Bern.Hier tragen Andy und Hans-Ueli Rihs das volle Risiko. Als ­Besitzer des Stadions und der Young Boys sind sie einem permanenten Klumpenrisiko ausgesetzt, weil der Fussball für 70 bis 80 Prozent des Umsatzes verantwortlich ist. Ihr Cashflow und der Wert ihres Investments hängen also unmittelbar vom Gekicke ihrer Angestellten auf dem Kunstrasen ab.

Ohnehin mussten die Investoren vom Zürichsee mittlerweile einsehen, dass mit Schweizer Fussball nicht der grosse Reibach zu machen ist. Letztes Jahr liess ­Andy Rihs seine Berner Assets auf ihren Wert hin überprüfen. Die Immobilien­experten von Livit und die Corporate-­Finance-Leute von Sal. Oppenheim lieferten ihm ernüchternde Zahlen. Den Ertragswert von Stadion und Club taxierten die Spezialisten auf 55 Millionen Franken, heisst es.

55 Millionen? Eine beträchtliche Differenz zu den 100 Millionen, die in den Gängen des Stade de Suisse als angestrebter Verkaufspreis gerne genannt werden. Mit anderen Worte: Das Investment ist längst nicht dort, wo es in den Augen der ambitionierten Aktionäre sein sollte. Neue Ertragsquellen erschliessen und optimieren ist also angesagt.

Grabenkämpfe statt Siege. Vor diesem Hintergrund ist der Rauswurf von CEO Stefan Niedermaier nachvollziehbar: Er und VR-Präsident Oertig lieferten sich monatelang einen beherzten Infight, statt die gelb-schwarze Elf endlich auf Siegerkurs zu trimmen. Bis Andy Rihs ein Machtwort sprach und Niedermaier vors Stadiontor stellte.

Intrige, Profilierungssucht – ein Graus für den erfolgsverwöhnten Rihs, der seine bunten Investments (siehe «Family Office» unter ’Weitere Artikel’) am liebsten an der langen Leine führt. Schliesslich wünscht sich der 67-Jährige Firmen, die von ihren Chefs möglichst autonom geführt werden, damit ihm mehr Zeit für das geliebte Velofahren bleibt.

Nach Niedermaiers Abgang soll Kaenzig die Meisterpokale von Basel nach Bern umdirigieren und so Fantasie, sprich: Mehrwert, in Rihs’ Investment fächeln. Die Ambitionen sind hoch: Rihs’ Statthalter Oertig träumt bereits von einer Young-Boys-Blütezeit von 20 bis 30 Jahren, «wie bei Bayern München». Ein gewagter Vergleich. Bayerns Budget ist 25-mal grösser als jenes von YB.

Bis die Träumereien des VR-Präsidenten Realität sind, können sich die kapitalkräftigen Rihs-Brüder durchaus noch gedulden. Ihr Aktienpaket beim Hörgerätehersteller Sonova ist aktuell 1,5 Milliarden Franken wert.

http://www.bilanz.ch/edition/artikel.asp?Session=9A9B3E61-123B-45A2-8F43-15C4A4D7BD4E&AssetID=7493

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 Betreff des Beitrags: Re: Andy Rihs
 Beitrag Verfasst: Freitag 1. April 2011, 11:24 
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Berner Zeitung, 31.03.2011

Warum Rihs seine YB-Anteile nicht verkaufen will

Die Insideraffäre beim Hörgerätehersteller Sonova wird in Bern mit Interesse verfolgt. Grund: Sonova-Gründer Andy Rihs ist zugleich der starke Mann beim BSC Young Boys. Rihs will jedoch an seinem Engagement bei YB festhalten.

Andy Rihs wird sich wohl demnächst den Fragen der Zürcher Staatsanwaltschaft stellen müssen – auch wenn im Moment noch kein konkreter Verdacht gegen ihn besteht. Darum gehts: Rihs hat als Verwaltungsratspräsident des Hörgeräteherstellers Sonova (ehemals Phonak) Anfang März Sonova-Aktien im Wert von 37,5 Millionen Franken verkauft. Kurz darauf warnte Sonova die Anleger mittels einer Gewinnwarnung davor, dass der Hörgerätehersteller finanziell nicht gut auf Kurs sei. Danach stürzte der Aktienkurs um über 20 Prozent ab. Weil auch andere Mitglieder von Geschäftsleitung und Verwaltungsrat grosse Aktienpakete veräussert haben, steht nun der Vorwurf des Insiderhandels im Raum.

Während der Konzernchef und der Finanzchef gestern zurücktraten, gab Andy Rihs seinen Posten als Verwaltungsratspräsident auf, er bleibt aber als normales Mitglied im Verwaltungsrat tätig. Er ist sich keiner Schuld bewusst und beteuert, nicht im Besitz von Insiderinformationen gewesen zu sein. Eine interne Untersuchung entlastete Rihs (siehe Kasten).

Rihs – der starke Mann bei YB

Diese Affäre wirft auch in Bern Fragen auf. Denn hier ist Andy Rihs der starke Mann beim BSC Young Boys. Rihs besitzt gemeinsam mit seinem Bruder 87 Prozent an der Sport & Event Holding AG. Die Holding ihrerseits ist Besitzerin des Stade de Suisse (ohne Einkaufszentrum) und des Fussballklubs.

Es ist bekannt, dass Rihs Geld braucht, um unter anderem seine Pläne mit der Fahrradherstellerin BMC in Grenchen zu realisieren. Weil nun der Aktienverkauf bei Sonova nicht geklappt hat – Rihs hat das Paket inzwischen zurückgekauft –, muss er sich wohl auf anderem Weg flüssige Mittel beschaffen. Rihs’ Sprecher Sacha Wigdorovits stellt jedoch klar: «Die Affäre bei Sonova hat keinen Einfluss auf Herrn Rihs’ Engagement bei YB.» Es gebe keinen Grund für Andy Rihs, seine YB-Anteile zu verkaufen. «Bevor er das tun würde, würde er sich von manch anderem trennen.»

Was, wenn der Preis stimmt?

Auch wenn vorerst nichts auf einen raschen Investorenwechsel bei YB hindeutet: Dass Andy Rihs wirklich derart stark an seinem Engagement beim Berner Fussballklub hängt, wie sein Sprecher behauptet, ist umstritten. So war etwa letzten Sommer aus dem Umfeld der Stadionbesitzer zu hören, dass Andy und Hans-Ueli Rihs ihre Anteile an YB und dem Stade de Suisse durchaus verkaufen würden – wenn denn der Preis stimmt.

Dem Vernehmen nach stellen sich die Gebrüder Rihs für ihr Paket einen Betrag von mindestens 100 Millionen Franken vor. Das Problem: Ein Investor dürfte nur dann bereit sein, diesen Preis zu bezahlen, wenn dabei eine ansprechende jährliche Rendite herausspringt. Diese resultiert aber nur dann, wenn die Mieteinnahmen aus dem Stadionbetrieb hoch sind. Und diese sind nur dann hoch, wenn die Young Boys in der Champions League mitspielen und ihre Heimspiele vor vollen Rängen austragen würden.

Die Endlosschleife lässt sich beinahe beliebig verlängern: Damit YB überhaupt in die Gruppenphase der Champions League vorstossen kann, braucht es womöglich weitere Investitionen in die Mannschaft. Bevor die YB-Besitzer also den Verkauf ihrer Anteile aufgleisen können, müssten sie zusätzliche Millionen einschiessen, um den sportlichen Erfolg zu ermöglichen. Insider beurteilen dies jedoch als unwahrscheinlich.


Köpferollen bei Sonova

Grosser Knall bei Sonova: Das Führungstrio des Hörgeräteherstellers tritt wegen verdächtiger Aktienverkäufe zurück. Verwaltungsratspräsident Andy Rihs, Konzernchef Valentin Chapero und Finanzchef Oliver Walker räumen ihre Posten, nachdem Börsenregeln und interne Vorschriften verletzt wurden. Die erfolgsverwöhnte Sonova hatte vor zwei Wochen für Misstöne gesorgt: Am 16.März warnte das Unternehmen aus Stäfa, es werde Gewinn- und Umsatzziele für das laufende Geschäftsjahr 2010/2011 (per Ende März) verfehlen.

Gleichentags kam ans Licht, dass kurz vor der Gewinnwarnung Mitglieder von Geschäftsleitung und Verwaltungsrat mit Aktien- und Optionenverkäufen noch Kasse gemacht hatten. Alleine in den letzten zwei Wochen vor der Gewinnwarnung verkauften sie Aktien und Optionen ihres Unternehmens im Wert von über 47 Millionen Franken.

Die Vermutung kam auf, die Spitzenleute hätten von der Gewinnwarnung gewusst und noch rechtzeitig ihre Scherflein ins Trockene gebracht. Die Staatsanwaltschaft Zürich leitete eine Vorabklärung wegen möglichen Insiderhandels ein. In etwa zwei Wochen wird sie laut einer Sprecherin über die Eröffnung eines Verfahrens entscheiden.

Rihs beteuerte am Mittwoch vor den Medien in Zürich, zum Zeitpunkt des Verkaufs seiner 300000 Aktien am 8.März für 37,5 Millionen Franken habe er nicht gewusst, dass Sonova eine Woche später eine Gewinnwarnung veröffentlichen würde. Dies habe eine Untersuchung der Anwaltskanzlei Homburger bestätigt, die Sonova in Auftrag gegeben habe. Gemäss seinem Sprecher Sacha Wigdorovits hat Rihs das Aktienpaket inzwischen jedoch zum gleichen Preis zurückgekauft.

http://www.bernerzeitung.ch/wirtschaft/ ... y/31259008

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 Betreff des Beitrags: Re: Andy Rihs
 Beitrag Verfasst: Dienstag 5. April 2011, 17:40 
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NZZ, 04.04.2011

Die Muster der Rihs-Krisen

Letzte Woche ging die Welle rund um den Unternehmer Andreas Rihs hoch. Das von ihm gegründete Hörgeräte-Unternehmen Sonova steht unter dem Verdacht des Insiderhandels. Die Konzernspitze trat zurück. Rihs seinerseits ist nicht mehr Sonova-Verwaltungsratspräsident, sondern nur noch Verwaltungsrat. Er stritt an der eiligst einberufenen Medienkonferenz jegliches Wissen ab: «Ich habe mich stets korrekt verhalten.»

Der Milliardär Rihs stand schon andere Krisen durch. Jedes Mal tritt der Kommunikationsberater Sacha Wigdorovits in Erscheinung, sei's im Fall Sonova, sei's im Fall Phonak, Doping und Radsport, sei's mit dem Stade de Suisse und mit YB in Bern. Als der «Blick» Rihs für das Onlineportal nach der Medienkonferenz zu den Konsequenzen bei Sonova zum Interview bittet, unterbindet Wigdorovits vor laufender Kamera unangenehme Fragen. Rihs steht daneben, weicht etwas zurück und zuckt hilflos mit den Schultern. Auf Wigdorovits hat Rihs schon immer gehört.

Über die Jahre alimentierte Rihs mit vielen Millionen Franken das Radsport-Team Phonak, das nicht mehr aus den Dopingschlagzeilen fand und 2006 unterging. Rihs versicherte stets, von allem nichts gewusst zu haben. Als er 2006 Phonak beerdigte, drehten sich die Einschätzungen um Gutgläubigkeit, Naivität, Leidenschaft, Fahrigkeit und gleichzeitig Kalkül sowie Kaltblütigkeit. Solches wird auch jetzt wieder geäussert.

Obschon seine Passion dem Radsport gehört, ist Rihs seit 2005 auch mit dem Berner Stade de Suisse, mit YB und mit Fussball verbandelt. Dort baute er seinen Einfluss sukzessive aus und ist in der Stadion-Holding tragend – zwar nicht punkto Präsenz, aber punkto Geld und Entscheidungsgewalt. Das machen sich andere wie der Unternehmer Benno Oertig zunutze. Oertig ist Verwaltungsratspräsident im Stade de Suisse und gilt dort als Speerspitze von Rihs. Als im September 2010 der Stadion-CEO Stefan Niedermaier nach einem üblen Machtspiel Knall auf Fall entlassen wurde, war dabei Oertig führend. Es hiess, dass Oertig nur Rihs habe auf seine Seite bringen müssen – und schon seien die Würfel gegen Niedermaier gefallen. Die tausend Scherben versuchte das Büro Wigdorovits wegzuräumen.

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 Betreff des Beitrags: Re: Andy Rihs
 Beitrag Verfasst: Montag 19. Dezember 2011, 18:46 
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Andy und Hans-Ueli Rihs

Zwei Herzen für den Sport

Wo schlägt das Herz des Schweizer Sports? Nicht zuletzt bei den Brüdern Andy (69) und Hans-Ueli (67) Rihs. Sie gehören zu den grössten Sportförderern im Land.

Wenn es sich Andy und Hans-Ueli Rihs in der «Presidents Lounge» des Stade de Suisse in Bern gemütlich machen, dann sitzen sie in ihrer eigenen Stube. Ihnen gehört dieses Stadion zu einem grossen Teil. Und da stört es auch nicht, wenn Andy sein neustes Rennvelo mit in die Lounge nimmt. «Schauen Sie», sagt er dann mit glänzenden Augen, «dieses Modell hat eine elektronische Schaltung.» Was kostet denn so ein Velo? «Etwa so viel wie ein Auto der Marke Dacia», lacht Andy.

Es gibt Gigi Oeri beim FC Basel, es gibt Auto-Importeur Walter Frey bei den ZSC Lions, es gibt die Familie Mantegazza beim HC Lugano. Es gibt viele Mäzene im Schweizer Sport. Aber die grössten sind wohl die Brüder Rihs. Allerdings zucken sie beim Begriff «Mäzen» zusammen. «Reines Mäzenatentum bringt nichts. Was ist, wenn ein Mäzen stirbt? Dann bricht alles zusammen. Wir sehen uns als Förderer des Sports auf breiter Basis. Unsere Projekte müssen nachhaltig sein», sagt Andy Rihs.

Und ihr Engagement im Sport ist nachhaltig und riesig. Wenn der Handballklub Stäfa aufsteigt und keine Halle hat, dann bauen die Brüder Rihs eine. Hans-Ueli engagiert sich bei den Rapperswil-Jona Lakers. Er unterstützt Simon Ammann, lässt aber gleichzeitig Kinderschanzen bauen, um für den Nachwuchs zu sorgen. Andy Rihs engagiert sich im Radsport und hat sich mit dem Toursieg seines BMC-Fahrers Cadel Evans einen Traum erfüllt. Nun baut er in Grenchen auch eine neue überdachte Rennbahn. Und zusammen haben sie für den Bau des Stade de Suisse gesorgt. «Wir sehen das als Geschäft und als Investment. Aber wenn es sich nicht um Sport handeln würde, dann hätten wir die Finger davon gelassen», sagt Andy Rihs.

Abgesehen vom Radsport, den beide als ganz grosse Leidenschaft bezeichnen, investieren sie lieber in Mauern und Infrastrukturen und nicht in schnelle Beine oder talentierte Füsse. Allerdings spüren auch sie, dass bei YB nun auch in die Mannschaft investiert werden muss, wenn man ganz nach vorne will. Das entspricht grundsätzlich nicht ihrem Geschäftsmodell. «Aber vielleicht müssen wir da jetzt über unseren Schatten springen und den einen oder anderen grossen Transfer machen», sagen sie.

Hans-Ueli, den seine Freunde «Jöggi» nennen, wurde schon als Bub mit dem Sport-Virus befallen. Sein Götti hat ihm ein Abo der Zeitung «Sport» geschenkt. Er war im Turnverein und als Seebub im Ruderklub. Sein Bruder Andy ging als junger Mann nach Paris. «Da gab es anderes als Sport», sagt er. Dann stieg er früh bei Phonak ein, der Firma von Vater Ernst. Zeit für Sport blieb wenig.

Bis ihn eines Tages ein Geschäftsfreund, der sein Velo mit auf eine Europareise brachte, bat, das Rad in die USA zurückzuschicken. «Das war mir zu umständlich. Ich gab ihm fünfhundert Franken und habe das Velo behalten», sagt Andy Rihs. Und dann packte ihn die Leidenschaft, die er heute mit Hans-Ueli und anderen Freunden teilt.

Sie fahren mehrere tausend Kilometer jährlich. «Velofahren macht süchtig. Ja, wir sind Junkies. Aber wir fahren nur dahin, wo es guten Wein und gutes Essen gibt.» Auf ihren Trikots steht: «Für hartgekochte Weicheier». Unter den Trikots schlagen zwei Herzen. Für den Schweizer Sport.

Velofahren ist Ihre Leidenschaft. Wie viele Kilometer machen Sie pro Jahr?

Andy Rihs: Zwischen 7000 und 8000. Dieses Jahr ist diese Zahl dank des günstigen Wetters wahrscheinlich höher.

Steigen Sie oft zusammen aufs Rad?

Hans-Ueli Rihs: Ja. Andy fährt aber auch viel ohne mich. Muss er auch, sonst kann er nicht mithalten.

Andy: Das stimmt, ich trinke mehr Wein. Als ich 40 war, wog ich 75 Kilo. Heute sind es 95. Wein ist Flüssignahrung. Heute machen wir immer eine Tour de Phonak. Wir haben einst mit sechs, sieben Teilnehmern begonnen. Heute sind es 150! Später haben wir eine neue Gruppe gegründet mit zehn, zwölf Teilnehmern. Die heisst «Tour in vino veritas». Man merkt: Der Wein ist uns wichtig. Wir gehen nie an einen Ort, an dem es keinen Wein gibt. Zum Beispiel nach Schweden. Wir fahren in Spanien, Italien und Frankreich. Im September fuhren wir von St. Moritz über den Ofenpass, nach Meran, rauf Richtung Val di Fiemme, über Cortina nach Slowenien, immer an den Weinorten vorbei. Auf unseren Trikots steht: Nur für hartgekochte Weicheier. Hinten steht drauf: «Pain is temporary, Glory is forever.» Abends müssen wir dann gut essen und trinken, das ist unabdingbar. Benno Oertig ist auch in dieser Gruppe dabei.

Täuscht das, oder ist Ihr Engagement für den Velosport mit mehr Leidenschaft verbunden als jenes für den Fussball?

Andy: Wenn ich entscheiden müsste zwischen Leben und Tod, ich würde das Velo nehmen. Es interessiert mich im Sport aber alles. Auch Boxen, Rudern und Segeln. Ich spiele auch Golf, aber nicht sehr angefressen. Bei schönem Wetter steige ich eher aufs Velo.

Sie haben sich nach den Doping-Skandalen bei Phonak zurückgezogen. Jetzt engagieren Sie sich doch wieder im Radsport. Brauchten Sie da eine Auszeit?

Andy: Diese Veloteams haben wir nicht einfach zum Plausch gegründet. Es hatte einen konkreten Marketing-Hintergedanken. Mit einem erfolgreichen Veloteam produzieren wir ein Werbevolumen in der Grössenordnung von 100 Millionen Franken. Ich erhalte da einen Return von Faktor zehn. Es ist perfekt, wenn man eine Marke wie Phonak unters Volk bringen will. Als ich einstieg, kannte niemand Phonak. Der Bekanntheitsgrad lag bei 0,2 bis 0,3 Prozent. Ende 2006 waren wir bei 15 Prozent in Deutschland und Frankreich, in der Schweiz bei 50. Heute sind wir bei 70! Das hat keine andere Marke geschafft. Mit normaler Werbung kannst du das niemals zahlen.

Dann kam der Doping-Skandal.

Andy: 2006 ging es einfach nicht weiter. Wir hatten ein Farmteam in den USA, BMC Racing. Ich sagte unseren Fahrern: Sorry, wir können nicht weitermachen, aber ihr könnt nach Amerika gehen. Damals sagte ich mir, wir bauen die Marke BMC langsam auf, klein und fein. Heute ist BMC dank Fahrern wie Cadel Evans und Philippe Gilbert eine der bekanntesten Velomarken.

Wie sind die Verkaufszahlen?

Andy: Wir wachsen pro Jahr zwischen 50 und 60 Prozent. Dieses Jahr werden wir etwa 30 000 Rennvelos verkaufen.

Also muss jedes Hobby rentieren. Velofahren, Gastronomie, Wein?

Andy: Nein, nein. Aber wenn man ein Business betreibt, muss irgendwann eine schwarze Zahl rauskommen. Wenn Du das nicht erwartest, dann ist das reines Mäzenatentum.

Was ist YB?

Andy: YB ist in die Sport und Event Holding AG eingereiht. Da ist auch das Stadion dabei, das uns mit allem Drum und Dran gehört. YB ist der Promotor, der das Stadion füllt. Das Stade de Suisse ist ein Finanzinvestment.

Wäre dieses Investment auch ohne Sportlerherz möglich?

Hans-Ueli: Nein, es braucht da schon einen Virus.

Werden Sie nervös, wenn Sie mit dem Velo unterwegs sind und zehn Minuten nach Spielschluss nicht wissen, wie YB gespielt hat?

Hans-Ueli: Wir müssen nicht an jedes Spiel gehen.

Andy: Es geht grundsätzlich um den Sport. Wer Sport gerne hat, mag Leistung. Diese Einstellung pflanzt sich in anderen Bereichen des Lebens weiter. Dort braucht es diese Leistungskultur mit gesundem Optimismus auch.

Ist die aktuelle sportliche Entwicklung bei YB für Sie massgebend? Sagen Sie sich: «Okay, jetzt buttern wir mal richtig rein, damit endlich dieser Titel kommt.»?

Andy: Wir haben schon viel reingebuttert.

Hans-Ueli: Das ist eine längerfristige Angelegenheit. Im Sport kann man nicht von heute auf morgen Wunder erwarten. Es ist auch eine gewisse Kultur, die sich entwickeln muss. Wenn diese Fuss fasst, sieht man irgendwann Resultate.

Andy: Der Sport ist der Treiber des ganzen Unternehmens, rentiert aber nicht. Geld verdienen wir mit dem anderen Teil. Wir haben eine Unternehmung, die auch einen Fussballklub hat. Das gibt es nur in Bern. Wir haben keine Mäzene mehr. Der konsolidierte Umsatz liegt mittlerweile bei 50, 60 Millionen Franken. YB ist nur ein Teil davon.

Aber um in den Bereich zu kommen, in welchem man Geld verdienen kann, braucht es zuerst eine Investition. Das hat Gigi Oeri in Basel vorgezeigt.

Andy: Wir sind nicht Teil der Bundesliga, sondern bewegen uns in der klitzekleinen Schweiz, wo die TV-Gelder bislang bescheiden waren. Zwei, drei Klubs stehen solide da. Die anderen kämpfen ums Überleben, mit Betteln und Mäzenatentum. Das ist nicht gesund und nicht breit abgestützt. Wenn da einer die Lust verliert, fällt alles zusammen. Das ist schon fast verantwortungslos.

Basel hat den Abgang von Gigi Oeri glänzend auffangen können.

Andy: Ganz klar. Aber wenn man die reine Wirtschaftlichkeit anschaut, gibt es keine Organisation, die besser dasteht als der Laden hier in Bern.

Aber nochmals: Diese Vor-Investition. Ist da ein Engagement Ihrerseits zu erwarten?

Andy: Wir haben schon ein Riesen-Engagement gemacht. Ihr wisst ja gar nicht, wie viel Geld da drinsteckt. Man kann nicht schnell schnell Spieler zusammenposten. Wir mussten zuerst einen Wechsel in den Strukturen machen, die früher nicht gestimmt hatten. Wir haben mit dem Kopf begonnen. Mit Kaenzig, mit Hasler und mit einem starken Trainer. Das Gerüst steht nun. Jetzt stimmen die verschiedenen Zutaten noch nicht. Das ist jetzt der Job der erwähnten Herren.

Jetzt müsste doch der nächste Schritt erfolgen. Zwei Offensivspieler müssen her. Das fordern auch die Fans.

Andy: Ohne die aberkannten Tore stünden wir heute in der Europa League. Auch in der Meisterschaft wären wir an einem anderen Ort.

Henri Bienvenu hat schon einige Spiele in der Türkei entschieden. Weshalb haben Sie den gehen lassen?

Andy: Das sind Dinge, die nicht wir entscheiden. Wenn einer so viel Geld abwirft, erhalten wir den begründeten Entscheidungsvorschlag der sportlich Verantwortlichen.

Aber nochmals: Mit diesem Kader kann man die letzte Stufe noch nicht zünden. Da braucht es doch noch einen Turbo dazu.

Andy: Kaenzig und seine Leute betreiben das Business. Wir machen die Strategien. Wir sind nicht der Klub, bei dem ein Präsident zwei, drei Millionen einschiesst. Wir sind ein Geschäft. Ein Fussballgeschäft.

Bei Luzern wurde ein Hakan Yakin auch ausserhalb des Budgets finanziert, durch Swisspor-Besitzer Bernhard Alpstaeg.

Andy: Den gibts bei uns nicht. Wir halten persönlich auch keine Spieler. Diesen Interessenkonflikt haben wir nicht.

Hans-Ueli, Sie sind doch auch bei den Rapperswil-Jona Lakers engagiert. Im Moment müssen Sie ordentlich leiden?

Hans-Ueli: Rappi war sehr geprägt durch das Duo Hug/Klaus. Doch wenn der Spiritus Rector, also Hug, mal weg ist, braucht es Veränderungen. Jetzt haben wir den ganzen Umbau gemacht. Mit einer sicher überraschenden Schweizer Trainerlösung, die langfristig sein soll. Klar tut das weh, wenn man nicht ganz Schritt halten kann. Aber zuletzt war es ja besser.

Ist das auch ein leidenschaftliches Engagement? Ist es geprägt durch die Verbundenheit mit der Region?

Hans-Ueli: Ich bin früher in Küsnacht an Hockeyspiele gegangen, auch ins Lido. Wenn wir die Jungen von der Strasse wegbringen, haben wir sehr viel gewonnen. Sport ist ein Erziehungsthema.

Wieso haben Sie als Zürisee-Buben eigentlich in Bern ein Stadion hingestellt und nicht in Zürich, wo es bitter nötig wäre?

Beide: Wir sind doch Berner!

Heimatort?

Andy: Unsere Mutter war Bernerin aus Meinisberg am Bielersee. Wir haben immerhin noch Familie dort. Ich hatte aber nie die Idee, in den Fussball zu investieren. Der Reiz war die Idee, das Gesamtprojekt, das von Benno Oertig vorangetrieben wurde. Die Stadt wollte da nichts zahlen.

Wie auch beim Trainingscenter. Da ist ja YB ganz schlecht dran.

Andy: Ja, das ist furchtbar. Also brauchts wieder eine paar Rihs-Millionen?

Andy: Wenn das offizielle Bern da nicht zu YB steht, einem Fussballklub, der was weiss ich wie viele Jobs produziert, dann darf man keine Erwartungen haben. Also werden wir das wohl selber irgendwann irgendwo machen.

Wer wird zuerst Meister: YB im Fussball oder Rapperswil im Eishockey?

Hans-Ueli: YB ist sicher näher dran.

Ist denn ein Titel überhaupt wichtig für Sie? So wie er es für den Fan ist?

Andy: Sie dürfen uns nicht unterkühlt darstellen. Klar wollen wir auch Cupsieger und Meister werden!

Ist denn Ihre Geduld nicht bald am Ende?

Andy: Wir sind doch einer der besten Klubs der Schweiz. Wir waren x-mal nahe dran an einem Titel.

Aber für Ihr Ego brauchen Sie den nicht?

Hans-Ueli: Nein. Logisch fiebern wir mit. Aber wenn es nicht klappt, bricht keine Welt zusammen.

Haben Sie mit Trainer Christian Gross auch dann und wann zu tun?

Andy: Klar, aber selten. Die Hierarchie ist bei uns ganz klar. Privat sehen wir ihn, für ein Nachtessen, ist ja logisch. Ilja Kaenzig ist der Chef von allem. Hansruedi Hasler ist der Sportchef. Christian Gross der Trainer. Und Benno Oertig der Active Chairman. Er muss zum Beispiel dafür sorgen, dass das Stade de Suisse zum Nationalstadion wird. Dass der Cupfinal hier stattfindet, die grossen Länderspiele.

Sie sind also noch nie in der Garderobe gewesen?

Andy: Einmal waren wir drin, mit Vladimir Petkovic. Als die Aufforderung kam, sich da mal zu zeigen.

Was ist von den Gerüchten zu halten, Sie wollten Ihre Aktien verkaufen?

Andy: Wenn Sie mir 200 Millionen bringen, können wir sofort unterschreiben. Es ist aber nicht nur eine Preisfrage. Wir hatten schon viele Anfragen. Aber wir verkaufen nicht an irgendjemanden.

Hans-Ueli: Uns liegt schon am Herzen, dass YB in Bern wieder eine dominante Rolle spielen kann.

Andy: Wir hätten nichts dagegen, wenn sich mehr Berner beteiligen würden.

Was sind die drei grössten Sportpersönlichkeiten für Sie?

Andy: Von den noch Aktiven: Ich habe unheimlich Respekt vor Cadel Evans. Hoch bescheiden, intelligent. Er kann seine Power im entscheidenden Moment umsetzen. Dann Roger Federer, den man schon auf den Kompost werfen wollte – und nun spielt er besser denn je. Wenn man ihm zuschaut, wie er seine Pirouetten dreht – sensationell. Und im Fussball erschlägt mich dieser Messi. Den kannst du nicht halten, unheimlich. Unser Teamarzt sagte mir einmal: Auf zehn Millionen Einwohner gibt es einen, bei dem alles stimmt. Mental, körperlich. Nur betreibt der vielleicht nicht Sport. Also braucht es 20, 30 Millionen, um so einen zu haben. Das sind dann die Ausnahmetalente wie diese drei.

Hans-Ueli: Ich will aber noch Simon Ammann erwähnen. Wie der es fertiggebracht hat, im entscheidenden Moment da zu sein! Wie er sich wieder aus dem Loch gearbeitet hat nach dem ersten Doppel-Olympiasieg. Beeindruckend!

Was haben Sie noch für Träume? Andy: Möglichst lange gesund und munter bleiben. Wenn das in Erfüllung geht, bin ich wunschlos glücklich.

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 Betreff des Beitrags: Re: Andy Rihs
 Beitrag Verfasst: Donnerstag 1. November 2012, 11:50 
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Geldgeber mit viel Vertrauen

Andy und Hansueli Rihs sind diskrete Investoren für YB. Vom Tagesgeschäft halten sie sich wenn immer möglich fern. Wem sie die Arbeit in Bern überlassen, der geniesst Vertrauen.

Die offiziellen Auftritte von Andy Rihs und seinem Bruder Hansueli («Jöggi») im Stade de Suisse sind selten. Reisen die YB-Investoren aus dem Kanton Zürich an eine Pressekonferenz in «ihr» Stadion, haben sie jeweils etwas Wichtiges zu erklären. Im Sommer 2010 war es die Trennung von CEO Stefan Niedermaier. Am Dienstag waren es die Entlassung von Niedermaiers Nachfolger Ilja Kaenzig sowie die Bekanntgabe einer umfassenden Reorganisation des Betriebs, die Andy und «Jöggi» nach Bern führten. Zum Auftritt vor den Medien mussten sie indes auch diesmal überredet werden. «Wir suchen diese Erdbeben nicht. Uns wäre es auch lieber, es bräuchte sie nicht», sagte Andy Rihs vorgestern, als er nach der Inkonstanz in der Personalpolitik bei YB und im Stade de Suisse gefragt wurde. Der Unternehmer, der mit seinem Bruder und einem Mitstreiter unter anderem den Hörgerätehersteller Sonova (früher Phonak) zu einem der Branchenleader machte, hatte auf dem Podium einen hemdsärmligen Auftritt hingelegt, die ständig wiederkehrenden Probleme mit Personal und Struktur auf die Entstehungsgeschichte des Stade de Suisse zurückgeführt und darauf hingewiesen, damals noch nicht beteiligt gewesen zu sein.

Vertrauen in die Spezialisten

Genug Zeit, die Schwierigkeiten zu lösen, wäre allerdings auch Andy geblieben: Seit 2005 ist er Grossaktionär des Stadions, etwas später stieg dann auch Hansueli ein. Offen wie er ist, bezeichnet sich Andy Rihs – er feiert morgen seinen 70. Geburtstag – als «Fussballbanausen». «Wir verlassen uns im Tagesgeschäft auf Spezialisten.» Denen schenken sie wie zuletzt bei Kaenzig jeweils viel Vertrauen, doch sie fordern dafür «einen erfolgreichen, profitablen Betrieb». Weil zuletzt weder das eine noch das andere der Fall war, musste Kaenzig gehen. Ähnlich wie damals bei Niedermaier, der in seiner Ägide die Trainer Rohr und Andermatt anstellte und wieder entliess, konzentrierte sich die Unzufriedenheit der Rihs-Brüder nach zwei Trainerentlassungen (Petkovic und Gross) auf den CEO.

Der Betrieb des Stade de Suisse und die Entwicklung der Young Boys liegen nun bis auf weiteres in den Händen von Hanspeter Kienberger, der eben zum Verwaltungsratspräsidenten der Mutterfirma Sport und Event Holding gewählt wurde, dem YB-Präsidenten Werner Müller und Alain Kappeler, dem neuen COO. Und damit bei drei Bernern. Ihre Unternehmung im Wankdorf stärker lokal zu verankern, davon reden die Rihs’ schon lange. Am Liebsten möchten sie das Stadion ohnehin an lokale Geldgeber verkaufen und so auch die defizitären Young Boys loswerden. Für deren Bedürfnisse schiessen sie jährlich Millionen von Franken ein. Als Mäzene sehen sie sich trotzdem nicht gern: «Mäzenatentum ist schlecht. Wir wollen einfach, dass der Betrieb erfolgreich ist. Dafür bauen wir Brücken, wenn es nötig ist», drückt es Hansueli Rihs, der jüngere und leisere der Brüder, aus.

Keine Käufer in Sicht

Als «Investor mit Herz» bezeichnet sich Andy Rihs. «Der Fussball liegt uns am Herzen», sagt er. Doch seine wahre Passion liegt bekanntermassen beim Velosport. Jahrelang besass er ein eigenes Radteam, ihm gehört auch der Velohersteller BMC. Am Dienstag fuhr er zwischen der Medienkonferenz zur Kaenzig-Entlassung und einem YB-Member- und Sponsorenanlass am Abend nach Grenchen, wo derzeit auf seine Initiative hin das «Velodrome Suisse» entsteht.

Wie viel er und sein Bruder für den Verkauf der Aktienmehrheit des Stade de Suisse verlangen würden, kann und will Andy Rihs nicht exakt beziffern. «Sicher über 100 Millionen Franken.» Käufer sind derzeit nicht in Sicht. Die Rihs-Brüder dürften also noch einige Zeit das Sagen behalten. Für YB ist das eine gute Nachricht. Denn obwohl sie sich selten in Bern blicken lassen steht fest: Ohne das finanzielle Engagement der beiden ginge im Wankdorf nicht mehr viel.

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 Beitrag Verfasst: Montag 5. November 2012, 15:39 
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Die Brüder Rihs und ihre Statthalter

Die YB-Besitzer Andy und Hansueli Rihs mischen sich kaum ins Tagesgeschäft ein. Deshalb besteht das Schicksal von YB darin, dass die beiden auf die richtigen Einflüsterer hören. Ihr Kreis von Berner Vertrauensleuten reicht über den Verwaltungsrat hinaus bis in die Veloszene.

Nach einer Eröffnungsrede präsentierte Andy Rihs die Kollegen im Verwaltungsrat der Sport und Event Holding AG, der Muttergesellschaft der YB-Fussballer. Es war schwer verständlich, ob Rihs «Kiener» sagte oder «Kieler», jedenfalls nicht «Kienberger», wie der neue Verwaltungsratspräsident heisst. Kienberger, Hanspeter Kienberger. Als jemand den korrekten Namen raunte, korrigierte sich Rihs und fügte an: «Hampi, wie es bei uns so heisst in Berndeutsch» – wobei der Zürcher Rihs beim besten Willen nicht Berndeutsch spricht.

Die Medienkonferenz, an der YB letzten Dienstag die Trennung vom CEO Ilja Kaenzig verkündete, besass mitunter Comedy-Potenzial. Die im Stade de Suisse vereinten Geschäftsbereiche «Kommerz» und «Sport» sollen künftig getrennt geführt werden, weshalb YB einen Sportdirektor braucht. Auf die Frage, wer das Fussball-Know-how habe, um den neuen Mann zu suchen, fiel auch der Name von Thomas Häberli. Er ist: Assistenztrainer. Ein Staff-Mitglied, das den künftigen Chef sucht? Man weiss nie bei YB.

Andy Rihs und sein Bruder Hansueli treten selten vor die Medien – doch tun sie es, geben sie fröhlich zu, nichts von Fussball zu verstehen. Sie besitzen alle Aktien, sind aber nicht erpicht, dem Tagesgeschäft nahe zu sein; sie haben ein teures Spielzeug, doch damit spielen dürfen andere. Einfache Fans können es generös finden, aber vielleicht auch etwas überheblich. Denn die Haltung suggeriert Gleichgültigkeit und signalisiert die Möglichkeit, verschwenderisch zu sein. Immerhin sind die Rihs-Brüder unverdächtig, bloss Eitelkeiten stillen zu wollen. Als der mit Hörgeräten reich gewordene Andy Rihs 2005 einstieg, verstand er YB und primär das Stadion als Investment. Sein Traum ist, das Paket für 100 Millionen Franken zu verkaufen; realistischer erscheint die Hälfte. Auf den Geschmack kam Rihs einst durch den YB-Verwaltungsrat Benno Oertig. Dieser ist längst nicht so reich wie die beiden Rihs, deren Vermögen die «Bilanz» 2011 auf 1,75 Milliarden Franken schätzte. Doch Oertig gab im Verwaltungsrat lange den Ton an, weil er sich am meisten für Fussball interessierte. Bevor Oertig immer weniger Rückhalt genoss und im Juli ging, hatte er Gespür für Allianzen bewiesen. So auch im Fall der umstrittenen Entlassung des CEO Stefan Niedermaier 2010, der den Rihs-Brüdern nicht unsympathisch, aber Oertig zu mächtig geworden war.

Auch im Fall Kaenzig verliessen sich die Rihs-Brüder weniger auf eigene Eindrücke als auf Rückmeldungen der zwei neuen Verwaltungsratskollegen. Kienberger und Werner Müller führten im YB-Umfeld Gespräche und zogen das Fazit, Kaenzig müsse freigestellt werden. So gesehen sind die Rihs-Brüder entweder sehr vertrauensselig oder seltsam beeinflussbar. Gewiss, die letzten YB-Jahre sind eine Odyssee von Personalwechseln und Widersprüchen, und der im Profiradsport verankerte Andy Rihs mag eine polarisierende Person sein. Doch es muss nicht sein, dass die Behauptungen stimmen, mit den Brüdern Rihs kehre bei YB nie Ruhe ein. In Wahrheit bietet ihre Finanzkraft ein Sicherheitsnetz.

Daher besteht das Schicksal von YB primär darin, dass sie auf die richtigen Einflüsterer hören. Auch ausserhalb des Verwaltungsrats hat Andy Rihs in Bern einen Vertrauten für YB-Fragen: Thomas Binggeli, seit rund einem Jahr der CEO von Rihs' Velofirma BMC. Der 38-jährige Könizer ist ein Selfmademan nach Andy Rihs' Gusto. Und so hörte Rihs gut zu, als ihm Binggeli für den Verwaltungsrat einen alten Freund ans Herz legte: Hanspeter Kienberger. Oder schlicht: «Hampi».


http://www.nzz.ch/aktuell/sport/uebersi ... 1.17757337

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